Der dritte und vierte Fastensonntag - Eine Reise durch Oculi und Laetare
Liebe Geschwister im Glauben,
die Fastenzeit ist keine bloße Durststrecke, sondern eine Wanderung zum Licht. In der Mitte dieser 40 Tage schenkt uns die Kirche zwei Sonntage, die wie Wegweiser wirken: Oculi und Laetare.
Ihre Namen stammen von den ersten Worten der lateinischen Eröffnungsgesänge (Introitus) der Messe: „Oculi mei semper ad Dominum“ – „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“, gibt dem dritten Sonntag seinen Namen. „Laetare Jerusalem“ – „Freue dich, Jerusalem“, dem vierten.
An Oculi geht es um Sehnsucht. Oft merken wir, dass unser Blick im Alltag zerstreut ist: Wir schauen auf Sorgen, auf Defizite oder verlieren uns im „Netz“ der Welt. Der Sonntag Oculi ruft uns zur Sammlung.
Im Evangelium begegnen wir der Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4,5–42): Sie kommt in der Mittagshitze, geplagt von Durst und ihrer Lebensgeschichte. Jesus schaut sie an – nicht urteilend, sondern erkennend. Er öffnet ihre Augen für das „lebendige Wasser“.
Oculi lädt uns ein, die Augen der Seele neu zu justieren: Wo schaue ich weg? Wo schaue ich hin? Der Blick auf das Kreuz und den Herrn schenkt uns die Freiheit zurück, die wir im Getriebe der Welt oft verlieren.
Nach der Ernsthaftigkeit von Oculi folgt die Überraschung: Laetare. Inmitten der violetten Fastenzeit leuchtet plötzlich das Rosa der Paramente auf, als würde die Morgenröte des Ostermorgens schon durch den Vorhang der Buße scheinen.
Das Evangelium vom 4. Sonntag – dem Blindgeborenen (Joh 9,1–41) zeigt diesen Durchbruch: Jesus schenkt nicht nur körperliches Sehvermögen, sondern den „Durchblick“ des Glaubens. „Ich war blind und nun sehe ich“, bekennt der Geheilte.
Laetare ist der „Sonntag der Erfrischung“ und er fragt: Wo darf in deinem Leben wieder Freude einkehren?
Liebe Schwestern und Brüder, diese beiden Sonntage laden uns ein, die „Brille der Welt“ abzusetzen und die „Brille des Evangeliums“ aufzusetzen, damit Christus unsere Blindheit und unseren Durst verwandelt.
Bald blüht alles neu! Ich wünsche Ihnen und allen Ihren Lieben schon jetzt sonnige Tage voller Freude und Leichtigkeit.
Ihr
Kaplan Robin Xavier Vadakeyil
