Die Rückkehr der Weisen

Es müssen große Strapazen gewesen sein, die die drei Weisen aus dem Morgenland auf sich genommen haben, um Gott zu suchen. Der weite Weg
ohne moderne Bequemlichkeiten, Gefahren ausgesetzt und sicher auch Zweifel, ob sich der Weg lohnt, ob sich Gott wirklich in der Ferne finden
lässt.


Aber sie finden IHN ‐ als Kind im Stall von Bethlehem. Dort huldigen sie IHM mit ihren Geschenken: Gold für den König, Weihrauch für den Gott und Myrrhe in Vorahnung seines geheimnisvollen Todes. Wer mit solchen Gaben ein kleines Kind in einem dreckigen Stall anbetet, muss eine tiefe mystische Erfahrung gemacht haben und aus ihr heraus handeln.


Und danach? Danach fahren sie wieder nach Hause. Wieso bleiben sie nicht? Sie haben schließlich IHN ‐ Gott selber ‐ gefunden. Sie scheinen sich nicht weiter für das göttliche Kind, für sein späteres Wirken und sein Schicksal zu interessieren. Sie hätten ja wenigstens noch einmal zu IHM zurückkehren können. Aber davon ist keine Rede. Damit machen die drei Weisen alles richtig. Wir können und sollen mystische Erfahrungen nicht festhalten. Wir müssen sie in unseren Alltag integrieren, sonst sind sie bedeutungslos. Es darf keine Unterscheidung zwischen Gott und den Mitmenschen geben, Gott ist in allen Dingen präsent.


Willigis Jäger sagt in einer Ansprache über den Hl. Benedikt: „Es gibt keine Trennung zwischen Religion und Alltag. Erst wenn wir das verstanden haben, sind wir wirklich religiös. ... Religion ist Alltag und Alltag ist Religion.”


Anscheinend haben die drei Weisen genau das in der Begegnung mit IHM verstanden: „Die Welt ist Gottes so voll.” Hier wo wir leben, Tag um Tag, und nicht in der Ferne.


Burkhard Langensiepen