„An Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt“

Den Geburtstag der Gottesmutter haben wir am 8. September gefeiert. Der „Bauernregel“ zum Trotz habe ich in der Eifel zwar keine fortfliegenden Schwalben gesehen, aber unübersehbar hat der Herbst begonnen. Kalendarisch ist es noch etwas hin, aber Mariä Geburt markiert uns Pi mal Daumen das Sommerende und den Herbstanfang. Noch ist Aussicht auf ein paar schöne Tage, aber die Nächte werden länger und kühler und wo das Auto eben noch von der Sommersonne kräftig aufgeheizt wurde, fegt man nun nasse Blätter und Samen von der Scheibe.

 

Anfänge verbinden sich intuitiv nicht unbedingt mit dieser Jahreszeit. Nicht nur in der Poesie ist es eben der Frühling, der mit Neuanfangen und - übertragenem wie wortwörtlichem - Aufblühen verbunden wird, gewiss nicht der Herbst. Da kommt mir eher die Herbstmüdigkeit in den Sinn, der Winterschlaf, das Warten auf den Frühling oder mindestens einmal das Warten auf Weihnachten. Bei näherer Betrachtung kann der trübe Herbst an Innovation aber mit jedem Frühling mithalten. Es tut sich was und sogar sehr viel. Die Schule beginnt (wieder) und wenn aus KiTa Kindern „plötzlich“ Grundschüler werden, wirbelt das das Familienleben gründlich durcheinander – Wege, Abläufe, Zeitpläne, Kontaktpersonen…alles ändert sich massiv. Und da wo nicht sowieso zwölf Monate im Jahr Karneval ist, da laufen sich die Jecken für die neue Session warm. Und seien wir ehrlich: Weihnachten kommt meist schneller, als man denkt und schon schreiben wir neue Jahreszahlen. Auch in unseren Solinger Pfarreien bringt der Herbst große Veränderungen, denn um diesen Dreh finden traditionell die Stellenwechsel statt. Vertraute Gesichter verabschieden sich, die „Neuen“ fangen an und müssen sich erst einmal mit allem und Allen vertraut machen. Auch ich selbst werde einer davon sein. Und am Horizont 2027 leuchtet schon unsere neue Großpfarrei und alle Herausforderungen die damit verbunden sein werden. 


Was dürfen wir davon mitnehmen? Vielleicht, dass Veränderung keine Jahreszeiten kennt und wir besser nicht den wegfliegenden Zugvögeln nachschauen und wehmütig auf den Frühling warten. Im Kleinen und im Großen, in Gesellschaft und im Privaten können wir jederzeit Teil eines Neuanfangs sein, können gestalten, statt nur zu reagieren. Und als Getaufte und Gefirmte dürfen wir darauf vertrauen, dass unser Gott schon die Wege gesegnet hat, die wir noch gar nicht gegangen sind. 


Pfarrer Michael Stärk