Erwartung
Liebe Schwestern und Brüder,
im Advent denken wir daran, wie die Heilsgeschichte beginnt und wie sie in Jesus Christus vollendet wird.
In diesen Wochen hören wir neu: Gott kommt zu uns. Er trat in unsere Welt ein – damals durch die Geburt Jesu und eines Tages in seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Darum ist der Advent eine Zeit des Erinnerns und des Erwartens: Wir schauen auf das Kind von Bethlehem und zugleich auf den Herrn, der am Ende der Zeiten kommen wird.
Das Evangelium des kommenden Sonntags (Mt 24,29–44) lenkt unseren Blick auf diese Wiederkunft. Jesus ruft uns zur Wachsamkeit. Niemand weiß, wann er kommt – deshalb sollen wir so leben, als könnte er jederzeit vor uns stehen.
Wachsamkeit bedeutet nicht Angst, sondern offene Augen und ein offenes Herz für Gottes Nähe im Alltag: in den Menschen, die uns brauchen, in Momenten der Stille, in der Eucharistiefeier und im Hören auf sein Wort.
Und wenn ein lieber Gast angekündigt ist, aber der genaue Zeitpunkt offen bleibt, hält man das Haus in Ordnung und ist innerlich bereit, ihn freudig zu empfangen. So soll unsere Bereitschaft für Christus in unserem Alltag aussehen: nicht angespannt, sondern liebevoll aufmerksam, damit wir ihn erkennen, wenn er sich uns zeigt. Papst Benedikt XVI. sagte dazu: „Christus ist Anfang und Ziel der Geschichte.“ Im Advent leben wir in dieser hoffnungsvollen Erwartung. Gott geht mit uns und führt uns in die Zukunft, die er bereitet.
"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit...".
Möge diese Adventszeit unsere Herzen öffnen, damit Christus gerade dort ankommen kann, wo wir selbst keine Hoffnung mehr haben, wo Streit unser Miteinander belastet und wo Versöhnung dringend nötig ist,
wünscht Ihr Kaplan Rafal Liebersbach
