Gottes Einladung zum Mitwirken
Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Leser*innen,
das Jahr begann wieder mit beängstigenden Nachrichten. Es wird immer deutlicher, wie fragil unsere Freiheit ist und dass es Mächte gibt, die versuchen, die Welt in einer diabolischen (griech. diabolos – durcheinanderwerfen) Absicht ins Chaos zu stürzen.
Dabei stellt sich einmal mehr die Frage nach dem Handeln Gottes in der Welt: Wo und wie handelt Gott? Wo ist er? Wie kann er das zulassen?
Diese Fragen haben sich Menschen zu allen Zeiten gestellt. Auf ganz besondere Weise hat das Volk Israel diese Erfahrung gemacht. Immer wieder mussten sie Rückschläge erleben, waren politisch nie wirklich frei und oft Spielball der Großmächte ihrer Zeit. Und dennoch war gerade die prägende Erfahrung des babylonischen Exils (587 v. Chr.) von Hoffnung getragen – einer Hoffnung mitten in Zerstörung und Fremde. Nicht Untergang und Chaos sollten das letzte Wort haben, sondern Gottes schöpferische Kraft. Es würde eine Zukunft geben, die von der Gegenwart Gottes geprägt ist. Davon waren sie überzeugt. Diese Hoffnung hielt auch Jahrhunderte später an, als die Römer das gelobte Land besetzten.
Jesus greift diese Hoffnung auf. Doch bei ihm bleibt sie nicht bloße Hoffnung, sondern wird Realität. Wenn Jesus von der basileia tou theou, der Königsherrschaft Gottes, dem Reich Gottes, spricht, dann ist dieses mit ihm bereits Wirklichkeit geworden: „Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.“ (Jes 9,1) In Jesus kommt uns Gottes Gegenwart auf unüberbietbare Weise nahe. Sein Reich ist nichts rein Jenseitiges und nichts Privates. Es beginnt mit Jesus im Hier und Jetzt und verändert diejenigen, die sich in seinem Wirkungsbereich befinden. So handelt Gott in der Welt. Er lockt mich täglich in seinen Wirkungsbereich.
Wer sich in diesen göttlichen Wirkungsbereich – in sein Reich - begibt, kann angstfrei und vertrauensvoll leben. Der erste Mensch, der dies vollkommen tat, ist Jesus selbst. An ihm werden die Realität und die Auswirkungen des Reiches Gottes sichtbar. Jesus macht deutlich, dass in Gottes Reich andere Regeln gelten als in menschlichen Reichen: Die Ausgegrenzten, die Schwachen, die Trauernden und die Mutlosen stehen im Mittelpunkt. Sie erfahren den Trost zuerst. Das Reich Gottes bedeutet die Verwandlung aller unheilvollen und lebensfeindlichen Zustände. Doch, ähnlich wie beim Gebet, bin auch ich gefragt. Beten nützt nichts, wenn ich nicht auch handele. Ich muss mein Herz von dieser Botschaft ergreifen lassen und an ihr mitwirken. Gott spricht seine Einladung dazu jeden Tag neu aus. Das ist die frohe Botschaft!
Gerade angesichts der beängstigenden Nachrichten, mit denen dieses Jahr begonnen hat, gewinnt diese Einladung Gottes ihr ganzes Gewicht. Die Welt mag fragil sein, und das Chaos scheint oft übermächtig. Doch Gott ist nicht abwesend. Er handelt dort, wo sein Reich Wirklichkeit wird – in Menschen, die sich von seiner Hoffnung, seiner Gerechtigkeit und seinem Frieden bestimmen lassen. So haben nicht Chaos und Angst das letzte Wort, sondern Gottes schöpferische Kraft.
Ihr Alexander Grüder, Gemeindereferent
