Zeit des Aufblühens
Liebe Schwestern und Brüder,
der Monat Mai öffnet jedes Jahr auf besondere Weise unser Herz für das Staunen. Die Natur steht in voller Blüte, Farben und Düfte erinnern uns daran, wie reich und lebendig Gottes Schöpfung ist. Was im Verborgenen gewachsen ist, tritt nun sichtbar hervor. Dieses Aufblühen kann auch für unseren Glauben ein Bild sein: Gott wirkt oft leise und unsichtbar, doch zur rechten Zeit wird sichtbar, was er in uns und in der Welt wachsen lässt.
Im Mai richtet sich unser Blick in besonderer Weise auf die Gottesmutter Maria. Sie ist für uns Vorbild im Vertrauen und in der Hingabe an Gottes Willen. Wie sie dürfen auch wir lernen, offen zu sein für das, was Gott in unserem Leben beginnen möchte. Gerade in einer Zeit, in der vieles unsicher erscheint, kann ihr Beispiel uns Mut machen, nicht in Sorge zu verharren, sondern im Glauben voranzugehen. Wie es der heilige Bernhard von Clairvaux ausdrückt: „Durch Maria werden wir zu Jesus geführt.“
Zugleich lädt uns der Frühling ein, neu auf die Welt zu schauen: auf die Menschen um uns herum, auf die kleinen Zeichen der Hoffnung, die oft im Alltag verborgen sind. Vielleicht ist es ein freundliches Wort, eine helfende Hand oder ein Moment der Stille im Gebet – all das sind „Blüten“ des Glaubens, die uns und unsere Gemeinschaft stärken. Papst Franziskus schreibt uns in seiner Enzyklika „Fratelli Tutti“:
„Die Hoffnung ist kühn. Sie weiß über die persönliche Bequemlichkeit, über die kleinen Sicherheiten und Kompensationen, die den Horizont verengen, hinauszuschauen, um sich großen Idealen zu öffnen, die das Leben schöner und würdiger machen.“
So gehen wir durch diesen Monat mit wachem Blick und offenem Herzen. Bitten wir Gott, dass er das Gute in uns wachsen lässt und uns die Kraft schenkt, Hoffnung zu tragen – in unsere Familien, unsere pastorale Einheit und in die Welt. Möge dieser Monat für uns alle eine Zeit des Aufblühens werden, im Vertrauen auf Gottes Gegenwart und seine Liebe.
Mit herzlichem Segensgruß
Ihr Kaplan Rafal Liebersbach
