Hinter hohen Mauern...

 

… liegt auf der Cronenberger Straße der Friedhof von St. Clemens. Ein Ort der Trauer, der Erinnerung und auch des Gedenkens an die freudigen Momente und Anekdoten, die einem beim Lesen der vielen Namen auf den Grabsteinen in den Sinn kommen.

Wenn man eine Zeit auf dem Friedhof umhergeht, fällt ins Auge, wie sehr sich das Bild der Grabstätten verändert hat, wie unterschiedlich sich die Kultur entwickelt hat. Früher war es halt anders schön, kommt der Gedanke beim Anblick der alten Grabmale, dem Engel mit einem Flügel oder der eingewachsenen versteckten Trauernden im Baum. Neben den aufwendig gestalteten Familiengräbern fallen schlichte Reihengräber, Rasenflächen mit eingelassenen Grabplatten und besonders das Kolumbarium ins Auge. Gegensätze der Gedenkkultur an einen geliebten Menschen, der zu früh entschwand.

Tiefgreifende Veränderungen im gesellschaftlichen Leben in den letzten zwanzig Jahren haben deutlich ihre Spuren hinterlassen. Nur wenige Menschen verbleiben zeitlebens an einem Ort, und die Kinder haben ihren Lebensmittelpunkt in zahlreichen Fällen in großer Entfernung. Das Gedenken der Verstorbenen wird heute mehr dem privaten Bereich als dem öffentlichen Bereich eines Friedhofs zugeordnet. Einerseits zeigt sich ein Trend zur Anonymisierung ohne personifiziertes Grab (fehlender Platz zur Trauerbewältigung für Freunde oder weitere Angehörige) und Schlichtheit in der Bestattung.

Andererseits wird zukünftig der Bereich Friedhofskultur bei einigen gesellschaftlichen Bereichen teilweise wieder mehr in den Vordergrund rücken. Dies wird nicht unbedingt von religiösen Werten geleitet sein, sondern von dem Wunsch eines individualisierten „Nachlebens“. Durch fortschreitende Privatisierung im Friedhofsbereich wird auch hier das Werben um “Kunden” zunehmen, die Zielgruppen werden sich im Zuge der Vorsorge schon zu Lebzeiten persönlich mit der Frage, wo und vor allem wie sie bestattet werden wollen, auseinandersetzen. Friedhofsanlagen mit historischen und/oder künstlerisch wertvollen Grabdenkmalen und altem Baumbestand werden die “Beisetzungsargumente” sein. Friedhöfe, die ihr historisches Erbe und damit ihr Gesicht verloren haben, verlieren auch ihre Attraktivität als Ort der letzten Ruhestätte für Familienangehörige. Im deutschen Friedhofswesen gibt es deutliche Veränderungen in Form und Prägung (Friedwälder, Haus der Stille).

 

So steht auch unser Friedhof vor der Aufgabe, sich für die zukünftigen Formate der Gedenkkultur bereit zu halten und sein Aussehen anzupassen. Mit der Fertigstellung des Kolumbariums wurde ein erster Schritt der Anpassung vorgenommen, weitere Maßnahmen wie der Erhalt alter Grabmale hat begonnen, erste Pflege-Patenschaften über erhaltungswürdige Grabstätten wurden übernommen und Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten der Friedhofskapelle durchgeführt. Die Realisierung vieler Details und größerer Planungen werden nun in einem Konzept zusammen geführt, das zum Ende des Jahres veröffentlicht werden soll und neue Möglichkeiten des Gedenkens und Trauerns aufzeigen soll. Dabei profitiert der Friedhofsausschuss des Kirchenvorstandes auch von den Anregungen und Fragen aller Gemeindemitglieder und Angehörigen, die sich zur Erinnerung und Trauer auf dem Friedhof einfinden. Wir freuen uns auf Ihr Wort.

 

Markus Ersfeld und Simone Franzen

aus: MiNor Spektrum Pfingsten 2017