Wa(h)re Weihnacht

Auftanken, einfach die Seele baumeln lassen. Den Alltag, den Streß und die Sorgen vergessen. Gelingt Ihnen das?

Ich finde das ganz schön schwer. Urlaub hilft da sicher, aber je nachdem nehmen Alltag und Sorgen doch den gleichen Flieger.

Und dann im Advent, der vollen Zeit, Ruhe finden und Besinnlichkeit?

Ich habe oft den Eindruck, dass das ziemlich unmöglich ist: Weihnachtseinkäufe, Weihnachtsvorbereitungen, Weihnachtsplanungen, Weihnachtsfeiern und so weiter. Und für einen Pastor sieht es ehrlich gesagt auch nicht anders aus. Advent ist die Zeit der Besinnung. Man hetzt von Besinnungsstunde zu Besinnungsstunde, so könnte man meinen.

Und trotzdem mag ich diese Zeit, so wie ich auch die Weihnachtszeit mag. Wieso ist das eigentlich so, habe ich mich gefragt.

Als ich das kurz mit einem Bekannten besprochen habe, meinte der: „Du meinst Quality Time!“ Erst war ich verwirrt.

Aber er hat recht: Letztlich kommt es nicht auf die Menge freier Zeit an, wenn ich auftanken und loslassen will. Es kommt darauf an, die Zeit, die ich habe, gut und richtig zu nutzen.

Und dabei kann tatsächlich auch eine eigentlich ziemlich trubelige Zeit helfen. Denn im Advent und an Weihnachten ist dann eben doch manches anders: Die Lichter, die Kerzen, der Duft, die Menschen… Ich versuche, mir immer bewusst zu machen, worum es im Advent eigentlich geht: Die Vorbereitung auf die Geburt von Jesus! Und ich spüre: Wenn ich das nicht im Blick behalte, dann wird es

hektischer und leerer und stressiger.

Ganz selbstverständlich gehörten für mich früher die Vorbereitungen in der Kirche dazu: Krippe in der Kirche aufbauen, Bäume aufstellen und schmücken, bei den Vorbereitungen helfen, Messdienerproben… Der Schlusspunkt der Vorbereitungen war immer: Heiligabend am

frühen Nachmittag mit ein paar Musikern im Dorf Advents- und Weihnachtslieder spielen.

Viel zu tun? Jawohl! Aber immer mit Blick auf die Freude, die Jesus uns gebracht hat!

Heute sieht es bei mir teils ähnlich, teils anders aus. Aber immer noch ist viel zu tun. Und immer noch versuche ich, Jesus in den Mittelpunkt zu rücken: Mit ein bisschen mehr Zeit für’s Beten, Kerzen anzünden, Gespräche führen, Menschen begegnen.

Ich glaube, je besser mir das gelingt, desto schöner kann Weihnachten werden. Auch wenn die Adventzeit zu verfliegen scheint: Auftanken und Atem holen klappt auch im Alltag!

 

Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht.

Kurt Marti (1921-2017)

 

Ihr Pastor

Michael Mohr

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenig bleibt vom Dunkel des Winters in unserer Zeit. Schon lange vor Beginn des Advents tauchen unsere Städte und Märkte, tauchen die Einkaufsbeilagen der Tageszeitungen und die Startseiten der Email-Anbieter und Suchmaschinen in ein Meer von Sternen: Lichtersterne, Lebkuchensterne, Strohsterne, Eissterne, Fröbelsterne, Silbersterne… Wir sehen vor lauter künstlichen Sternen den Himmel fast nicht mehr.

So schön und stimmungsvoll das warme Licht der Auslagen und Märkte auch scheinen mag, es verdunkelt doch in seiner Fülle, worum es an Weihnachten wirklich geht, wenn das wahre Licht unseres Lebens zur Welt kommt. Das wahre Licht unseres Lebens ist die Menschwerdung Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Dessen göttliche Natur – so schrieb es einmal Anselm Grün – leuchtet gerade in seiner menschlichen Natur auf. Wenn wir Gottes Menschwerdung an Weihnachten feiern, dann dürfen wir sicher sein, dass Gott auch in unserem Leben in dieser Welt aufstrahlt, denn seit Jesu Geburt in der Nacht unserer Welt scheint Gottes Licht in jedem menschlichen Antlitz auf.

Uns Menschen hat Gott zu Licht werden lassen, in dem er sich auf uns Menschen ganz und gar eingelassen hat; nichts Menschliches muss seitdem mehr dunkel bleiben – unser ganzes Leben ist vom göttlichen Licht durchflutet und erhellt. Und nicht nur unseres, sondern jedes menschliche Leben. Das feiern wir an Weihnachten: Das Gott sich auf uns Menschen eingelassen hat in seinem Sohn Jesus Christus, dem Licht der Welt.

So wünsche ich uns allen, dass wir im Lichtermeer unserer Zeit das wahre Licht nicht übersehen: Das Licht des menschgewordenen Gottes in Jesus Christus, in mir selbst und in meinem Nächsten.

Das zu erkennen, dafür leuchtete einst den Heiligen Drei Königen und uns heute der Stern über Bethlehem, von dem wir singen: „Leuchte du uns voran, bis wir dort sind…und was uns froh gemacht, teilen wir aus, Stern über Bethlehem, schein auch zu Haus!“

Mit den besten Segenswünschen für ein von Gottes Liebe erfülltes und erhelltes Weihnachtsfest

 

Ihr

Rainer Maria Kardinal Woelki

 

 

Krippengeflüster

Der Krippe auf der Spur

Krippe  

Eine Krippe ist ein bei uns so etwas wie ein Trog. Ein Trog für Tiere. Satt sollen sie werden an dem, was im Trog für sie bereitgehalten wird. Das altgriechische Wort „trogein“ heißt: fressen, gierig schlingen. Der zweite Teil der Bibel, das Neue Testament, ist in diesem Altgriechisch geschrieben. Ich konnte mir diese Vokabel beim Lernen gut merken, weil ich an „Trog“, an „Krippe“ denken konnte.

 

 

Die "heilige" Familie?

Krippe_Eltern_2012  

„Die Herberge ist voll, zieht weiter!“

„Euer Elend belastet / belästigt mich!“

„Wäre die Frau nicht schwanger gewesen, hätte ich sie mit einem besseren Gefühl abwimmeln können.“

Vom Kind lernen

Krippe St. Michael 2007  

Wir kennen es doch alle: der stressige Alltag bestimmt unser Leben, wir kommen genervt nach einem anstrengenden Tag nach Hause und setzen uns vor den Fernseher. Ein schallendes Kinderlachen kommt einem entgegen und man sehnt sich nach den eigenen Kindertagen. An das sorgenlose, unbeschwerte Leben, in dem das größte Problem war, dass man nicht wusste, was man sich überhaupt noch zu Weihnachten wünschen sollte.

 

Der gute Hirte

Krippendarstellung aus St. Engelbert  

„Ich werde euch Hirten nach meinem eigenen Herzen geben“ (Jer 3,15). Mit diesen Worten des Propheten Jeremia verspricht Gott seinem Volk, es nie ohne Hirten, die es sammeln und leiten werden, zurückzulassen: „Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen“ (Jer 23,4).