Alle Jahre wieder?

Liebe Schwestern und Brüder, nicht nur dieses Lied zum Advent kommt alle Jahre wieder. Jedes Jahr aufs Neue begehen wir eine Zeit, in der wir uns auf das große Fest der Geburt des Gottessohnes Jesus Christus vorbereiten. Die Adventszeit ist eigentlich eine stille Zeit. In der Realität unseres Lebens und unserer Gesellschaft ist sie aber eine laute, oft schrille und bunte Zeit geworden.

 

Aus der Sehnsucht nach Licht in einer dunklen Zeit machen manche Zeitgenossen einen erschreckend bunten und leuchtenden Schmuck für ihre Wohnung und ihr Haus. Ganz ehrlich, ich finde manche Advents- und Weihnachtsbeleuchtung an den Häusern unserer Stadt geschmacklos. Zum Glück hat da jeder seine eigene Meinung.

 

Alle Jahre wieder – besonders in einer von Konsum geprägten Zeit – begegnen uns auch wieder andere Diskussionen: z. B. die Frage nach einer Öffnung aller Geschäfte möglichst jeden Tag in der Woche und rund um die Uhr. Wenn wir Christinnen und Christen da einschreiten und für eine Beschränkung der Ladenöffnungszeiten eintreten, uns vielleicht sogar für einen absolut arbeitsfreien Sonntag einsetzen, werden wir als weltfremd, als Spielverderber oder als konsumfeindlich verschrien. Aber für mich bleibt es dabei: nicht nur in der Adventszeit, sondern das ganze Jahr hindurch braucht jeder Mensch einen Tag in der Woche, an dem er nicht arbeitet und den Lauf des Alltags einfach mal un- terbricht.

Natürlich wünsche ich mir, dass die Christinnen und Christen an diesem Tag in den Gottesdienst kommen und so ihre lebendige Beziehung zu Gott und seinem menschgewordenen Sohn Jesus Christus erneuern. Ich weiß auch, ohne dazu Statistiken bemühen zu müssen, dass längst nicht mehr alle kommen. Ich weiß auch, dass wir Christinnen und Christen nicht mehr die Mehrheit der Gesellschaft stellen. Aber wie auch immer wir den arbeitsfreien Sonntag verbringen, er ist für unser Menschsein wichtig. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden, um das ganze Leben mit uns zu teilen. So kennt er die Zeit der Arbeit und die Zeit der Ruhe.

Ich wünsche Ihnen allen, gerade in der oft hektischen Zeit des Advents, dass Sie einen Tag der Ruhe in jeder Woche finden. Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen und mir gelingt, bei allem Trubel der Vorbereitung auf Weihnachten auch Zeiten in der Stille vor Gott zu finden. Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und allen, die zu Ihnen gehören, eine besinnliche Adventszeit und ein gnadenreiches Weihnachtsfest. Gott ist Mensch geworden – das ist unser Grund zur Freude – alle Jahre wieder.

 

Ihr Pfr. Dobelke