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Firmung 2019

„Ich  setzte  den  Fuß  in  die  Luft,  …“

- was FIRMUNG bedeutet und wie Jugendliche sowie meist junge Erwachsene aus unserer Gemeinde sich vorbereiten -

 

Firmung - lateinisch: confirmatio = Bestätigung, Bekräftigung, Be­stärkung - ist neben Taufe und Erstkommunion / Eucharistie das dritte der so genannten Initiationssakramente, die in die Kirche eingliedern. Als in den ersten Jahrhunderten ausschließlich erwach­sene BewerberInnen in die Kirche aufgenommen wurden, war es üblich, die drei Eingliederungssakramente gemeinsam bzw. in en­gem zeitlichen Zusammenhang zu spenden; dies ist auch heute bei der Taufe Erwachsener noch gängige Praxis. Seit der Konstantini­schen Wende im Jahre 313, der Gleichstellung des Christentums mit den übrigen Religionen und der damit einhergehenden Förde­rung der Kirche durch Gewährung zahlreicher Privilegien, kommt es vermehrt zu Säuglingstaufen und einem starken Wachsen der christlichen Gemeinden. Infolge dieser Entwicklung löst sich in der Westkirche das Sakrament der Firmung aus dem ursprünglichen Zusammenhang, bleibt doch das Privileg der postbaptismalen Handauflegung und Salbung beim jeweiligen Bischof, der aus zeit­lich-organisatorischen Gründen diese nicht in jedem Fall direkt an die vielzähligen Taufen anschließen kann. Seit dieser Zeit stehen Deutung und Bedeutung des Firmsakramentes in der theologischen Diskussion. Verstehen die einen Firmung als Vollendung der Taufe, könnte man die Firmung sogar noch vor der Erstkommunion spen­den. Andere verstehen Firmung als Schwellen-Sakrament zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, als Sakrament der Mündigkeit bzw. Sakrament der christlichen Entfaltung, der Verantwortung und Sendung in die Welt. Erst im Mittelalter, vor allem bei Thomas von Aquin (1224 - 1274) entsteht eine eigene ‚Firmtheologie’, die vom Thema der Bestärkung für den weiteren Lebensweg geleitet wird. Die Firmung schließt danach den Prozess des Christwerdens ab und stärkt für die Bewährung des Glaubens im Alltag. „Durch die Taufe der Kirche eingegliedert, werden die Gläubigen durch das Prägemal zur christlichen Gottesverehrung bestellt, und, wiedergeboren zu Söhnen (und Töchtern) Gottes, sind sie gehalten, den von Gott durch die Kirche empfangenen Glauben vor den Menschen zu be­kennen. Durch das Sakrament der Firmung werden sie vollkomme­ner der Kirche verbunden und mit einer besonderen Kraft des Hei­ligen Geistes ausgestattet. So sind sie in strengerer Weise ver­pflichtet, den Glauben als wahre Zeugen (bzw. Zeuginnen) Christi in Wort und Tat zugleich zu verbreiten und verteidigen.“ [Lumen Gentium 11, Dogmatische Konstitution über die Kirche, II. Vatikanisches Konzil, Rom 1964.]

Auch ausgehend von diesem Verständnis und vor dem Hintergrund der Ziele und Erfahrungen der pastoralen Arbeit hier in St. Suitber­tus liegt für uns der Prozess in der Vorbereitung auf die Firmung wesentlich darin, gemeinsam mit den meist jungen Menschen un­ser Leben aus dem Glauben an einen lebendigen Gott zu deuten und so Kirche, Gesellschaft und Welt mit zu gestalten. An­gesprochen sind ausdrücklich auch noch nicht gefirmte Er­wachsene, ob beispielsweise auf dem Weg zur kirchlichen Trauung oder zur Übernahme des Patenamtes bei einer Taufe. „Was weiß ich über mich und mein Leben?“, „Was soll ich in und aus meinem Leben machen?“, „Was und worauf darf ich als Christ vertrauen und hoffen?“ könnten Kernfragen unseres Lebens sein. Dabei ist es unsere Grundüberzeugung, dass wir dies als Christen nicht alleine hinbekommen müssen; wir leben als Gemeinschaft Glaubender, Suchender, Fragender, Beobachtender und Hoffender in einer gro­ßen und bunten Glaubensgemeinschaft, die wir Kirche nennen. In vielfältiger Weise handelt Kirche, handeln wir zum Wohl von Men­schen durch das, was und wie wir leben und begegnen so oder so Gott. Ihm begegnen wir in Gebet und Gottesdienst. Als Kirche hö­ren wir nicht auf, von Gott in der Welt und Zeit von heute zu spre­chen, Glauben weiter zu geben. Nicht zuletzt verwirklicht sich Kir­che durch unsere caritativ-geschwisterliche Sorge füreinander, be­sonders aber für die, die Not leiden und Hilfe brauchen.

Gerade diese Grundvollzüge von Christsein und Kirche leiten uns als KatechetInnen, also Glaubenscoaches /-begleiter auf einem partnerschaftlichen Weg mit den Firmandinnen bzw. Firmanden in der Vorbereitung auf die Spendung des Sakramentes der Firmung durch unseren Regionalbischof, Dr. Dominikus Schwaderlapp, der dazu dieses Jahr am 13. Mai nach Heiligenhaus kommen wird. Im Empfang dieses Sakramentes durch Gebet, Berührung / Handauf­legung und Salbung sowie den deutenden Zuspruch „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ sagt der Bischof stell­vertretend auch für uns als Ortsgemeinde ein deutliches Ja zu je­dem Einzelnen: „Du bist gut und gewollt ganz so, wie du bist.“ Währenddessen stärken die jeweiligen Firmpatinnen bzw. -paten den Einzelnen den Rücken, indem sie ihnen die Hand auf die Schul­ter legen. So wird dann die vollkommene Eingliederung der jungen Menschen in unsere Kirche vollzogen. Von nun an sollen auch sie - wie wir alle! - Zeugen Gottes, ‚Komplizen’ Jesu in dieser Welt sein und bleiben.

Dabei helfen fortan jeder bzw. jedem Gefirmten die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die seit alter Zeit in der Kirche genannt wer­den und an denen spürbar werden soll, dass Gottes Geist mit und durch uns im Hier und Heute am Werk ist: Einsicht, Erkenntnis, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Rat, Stärke, Weisheit.

Mit dieser unwiderruflichen Zusage Gottes im Gepäck kann Leben aus einem Urvertrauen auf Gott und uns wohl gesonnene Men­schen auch in schweren Zeiten für jede/n ganz individuell wie auch für Kirche als Gemeinschaft Glaubender in ihrer institutionellen Verfassung gelingen.

Mit Hilde Domin (1909 – 2006) lässt sich diese Lebenserfahrung auch so ausdrücken:

„Ich  setzte  den  Fuß  in  die  Luft,

und  sie  trug.“

 

Pfarrer Matthias Fobbe, Pvik.

Firmung 2019

Firmvorbereitung 2019