Woche 19.04.2026 - 26.04.2026

19.04.26, 08:00
  • Wort zur Woche
Thomas Otten, Pastoralreferent

Anknüpfen

Gibt es eigentlich so etwas wie einen „Roten Faden“ für mein Leben? Angesichts der vielen Einschnitte (Weltfrieden, KI, Klima, familiäre Schicksalsschläge, ...) etwas, an dass ich mich halten kann? Wünsche ich mir einen solchen Faden?

Der Rote Faden ist ursprünglich ein Diebstahlschutz. Die englische Marine schützte ihre hochwertigen Taue und Seile durch einen eingewobenen roten Faden. Auch Ariadnes Faden für den Irrgarten des Minotaurus war ein Sicherungsfaden – ob er rot war, ist nicht überliefert.

Die Bibel kennt einen roten Faden, der dem Serach seinen Status als Erstgeborener sichern soll (vgl. Genesis 38,27-30). Der Zwillingsbruder Perez aber bricht durch und wird zum weiterführenden Glied in der Geschlechterfolge bis Jesus (vgl. Matthäus 1,3). Die Schriften durchkreuzen immer wieder jede einfache Abwicklung des Geschichtsfadens. Sie zeigen ein verflochtenes und verwobenes, mehrdeutiges und vielfarbiges Bild.

Das Leben wird gewoben aus einer Vielzahl von Fäden. Das Weben passt besser als das Abwickeln zum Faden eines Lebens. Das verdeutlicht auch die starke Frau aus dem Buch der Sprichwörter: „Sie webt Tücher und verkauft sie … Kraft und Würde sind ihr Gewand“ (31,24+25). Sie kann als Vorbild dienen, um den „Weg des Lebens“ zu erkennen (Psalm 16,11). Kein Hängen am Sicherheitsseil, sondern eine Einladung zum Weben des eigenen Lebensbildes. Dazu gehören auch die gerissenen oder ausgegangenen Fäden. Dazu gehört die Ermutigung Gottes, neu anzuknüpfen. So wird die Komplexität eines Lebens sichtbar.

An welchen Faden meines Lebens möchte ich heute anknüpfen?