Woche 15.03.2026 - 22.03.2026

15.03.26, 08:00
  • Wort zur Woche
Alvaro Tuj, Kaplan

Liebe Gemeinde,

die Bibel beginnt mit einem starken Bild: Paradies. Es ist das Bild einer Welt, wie Gott sie ursprünglich gewollt hat, ein Ort des Friedens, der Gemeinschaft und des Lebens in Fülle. Der Mensch lebt dort im Vertrauen: mit Gott, mit den anderen und mit der ganzen Schöpfung. Mitten in diesem Bild des Anfangs steht der Baum des Paradieses. Er erinnert daran, dass der Mensch sein Leben nicht aus sich selbst hat, sondern von Gott empfängt. Leben gelingt dort, wo der Mensch Gott vertraut und in seiner Ordnung bleibt.

Wenn wir auf unsere Welt heute schauen, dann spüren wir schnell: So ist es nicht. Wir erleben Kriege, Gewalt, Unsicherheit und Spannungen zwischen Menschen und Völkern. Aber auch im Kleinen kennen wir das: Misstrauen, verletzende Worte, Rücksichtslosigkeit, Streit und innere Unruhe. Vieles in unserer Welt und auch in unserem eigenen Leben ist nicht heil, nicht geordnet, nicht so, wie Gott es für uns gedacht hat.

Die Bibel verschweigt das nicht. Sie sieht klar, dass etwas zerbrochen ist in der Beziehung des Menschen zu Gott, zu den Mitmenschen, zu sich selbst und zur Schöpfung. Das kirchliche Wort dafür ist Sünde. Damit sind nicht nur einzelne falsche Taten gemeint, sondern auch die tiefere Gebrochenheit des Menschen, der sich immer wieder von Gott und seinem Willen entfernt.

Und doch lässt Gott den Menschen nicht allein. Darum ist es bedeutsam, dass am Anfang der Bibel ein Baum steht und auch im Zentrum des Glaubens wieder ein Holz: das Kreuz Jesu Christi. Was an einem Baum mit Ungehorsam, Misstrauen und dem Verlust des Lebens verbunden ist, das wird am Holz des Kreuzes von Christus aufgenommen und verwandelt. Das Kreuz wird so zum neuen Baum des Lebens. Dort, wo Schuld und Tod sichtbar werden, eröffnet Gott einen neuen Weg der Versöhnung und des Lebens.

Darum ist unsere Hoffnung: Nicht Sünde und Tod haben das letzte Wort, sondern Gottes Liebe. Sie will uns aufrichten, heilen und in die Gemeinschaft mit ihm zurückführen.

Ich wünsche Ihnen allen eine besinnliche Fastenzeit.