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Roman des Monats

Tom Saller: Ein neues Blau.

 

Berlin 1985:

Anja, gerade 18 Jahre alt geworden, ein schwieriges Mädchen in schwieriger familiärer Situation, wird von ihrem Vertrauenslehrer zu einem Nebenjob überredet: Sie soll einer alten, alleinstehenden Dame Gesellschaft leisten.

Lilli Kuhn, die alte Dame, lebt in Charlottenburg in einem großen Haus mit japanischem Garten und Teehaus. Nicht nur ihre Leidenschaft für Porzellan macht sie zu einer interessanten, außergewöhnlichen Frau.

 

Während langer gemeinsamer Nachmittage entwickelt sich zwischen der alten und der jungen Frau eine unkonverntionelle Freundschaft und Lilli beginnt, aus ihrem bewegten Leben zu erzählen.

 

Berlin 1919 – 1935:

Lilli Kuhn fühlt sich schon als Kind “halb”. Sie ist halbe Jüdin und hat nur noch ein Elternteil. Ihre Mutter starb an der spanischen Grippe, der Vater, ein weitgereister Teehändler und Takeshi, sein japanischer Geschäftsfreund kümmern sich liebevoll um das phantasievolle Mädchen. Lilli wächst behütet und in einem gebildeten Umfeld auf. 

Als sie durch einen glücklichen Zufall Gustav von Pechmann, den Direktor der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) und dessen Familie kennenlernt, findet sie ihre Bestimmung: die Welt des Porzellans. Sie geht nach Halle und läßt sich auf Burg Giebichenstein zur Porzellanmalerin und -gestalterin ausbilden. Lilli, das Mädchen mit dem Bedürfnis nach Ästhetik und Vollkommenheit, wird niemals der Idee von Schönheit näher kommen als in dieser Zeit.

Anfang der Dreißiger Jahre werfen dunkle Zeiten ihr Schatten voraus. Lilli verliebt sich in den falschen Mann und erlebt einen schweren Verlust, an dem sie sich bis zum Ende ihres Lebens die Schuld geben wird. Als die Nationalsozialisten an die Macht kommen, wächst die Gefahr für sie und um sich zu retten, wird sie das Liebste und Schönste, das sie je besessen hat, opfern müssen.

Nun, am Ende ihres Lebens ist Lilli in ihr Elternhaus zurückgekehrt und trauert um all die Menschen, die sie verloren hat. Diese Trauer wird ihr nicht abgenommen, aber aus unerwarteter Hand erhält sie doch noch ein Geschenk, das sie von ihren Schuldgefühlen erlösen wird.

 

“Ein neues Blau” ist ein wunderbarer, kluger, einfühlsamer Roman über zwei ungewöhnliche Frauen, über Kindheit und Erwachsenwerden, über Familie und Freundschaft, Wünsche und Hoffnungen, Verzweiflung und Verrat. Tom Saller nimmt den Leser mit in eine ästhetisch anspruchsvolle, kultivierte Welt, er vermittelt unaufdringlich Wissen über die Porzellanherstellung, die jüdische Religion, über japanische Gartenkunst und Teezeremonien. Und er schenkt dem Leser unglaublich lebendige, überzeugende, ans Herz wachsende Figuren.

Ein meisterhaft geschriebenes Buch: poetisch und elegant, anregend und anrührend. Trinken Sie beim Lesen einen Tee, am besten aus einer schönen Porzellantasse!

 

BKE

Tom Saller: Ein neues Blau. List Verlag. 416 Seiten.