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Aus der Reihe getanzt …
An der Pforte eines Klosters in Westfalen Ende der 60er Jahre:
Wir haben uns zu einem Gespräch über ihre mutigen Lebensentscheidungen getroffen. Als sie mir von dem Tag ihres Eintritts ins Kloster erzählt, denke ich an meine 17-jährige Tochter; genau so alt war Marianne damals. Bei meiner Tochter erscheint mir eine solche Entscheidung, überhaupt irgendeine Entscheidung von solcher Tragweite, unvorstellbar.
Die ersten drei Jahre dienten der Ordensausbildung. Mit fünf weiteren jungen Schwestern lebte Marianne Ricking abgeschirmt von der übrigen Klostergemeinschaft, zu der damals 60 Frauen gehörten. Das Hineinwachsen ins geistliche Leben – Kennenlernen der Ordensregel, regelmäßige Teilnahme am gemeinschaftlichen Gebet und das Leben in der Ordensgemeinschaft – war Ziel dieser Ausbildungsjahre. Damit verbunden war die Einschränkung vieler persönlicher Freiheiten, wie es damals in den meisten Orden üblich war. Der Tag war so eng strukturiert, dass keinerlei persönliche Gestaltung möglich war; der Hauptakzent lag immer auf gemeinsamem Tun. "Alle beruflichen Pläne, alle Lebenswünsche und Träume sollten wir zurückstellen, die Verbindung zu Gott sollte so gestärkt werden. Das fiel uns schwer, wir waren alle sehr jung", erinnert sie sich.
Tagsüber arbeitete sie im Kindergarten, am Abend kümmerte sie sich mit um die Bewohnerinnen des Altenheims und ging den älteren Schwestern zur Hand. Kindergarten und Altenheim wurden von den Ordensschwestern geführt. Nicht selten saß sie nachts bei den Sterbenden und war auch an den Wochenenden in viele Pflichten eingespannt. Zum ersten Mal kam sie an ihre Grenzen. Sie war erschöpft, fühlte sich ausgelaugt. "Ich glaube, was dann folgte, würde man heute als Burnout bezeichnen", kommentiert Marianne Ricking ihre damalige Situation. "Das Paradoxe war, ich lebte im Kloster, konnte aber mein geistliches Leben nicht mehr finden; das hatte ich mir so nicht vorgestellt!" Sie war der täglichen Auseinandersetzung mit dem Leben in zwei Welten – Orden und Kindergarten – müde geworden. "Für mich begann ab diesem Zeitpunkt ein langer Prozess des Nachdenkens: Bleiben oder Gehen, in der auch die Erwartungen meiner Familie eine wichtige Rolle spielten!"
Eine existentielle Herausforderung für einen Menschen, der 17jährig aus der Familie ins Kloster gegangen ist.
Mit Marianne Ricking sprach
(Der Orden, dem Marianne Ricking angehörte, ist die Kongregation der Schwestern der christlichen Liebe, gegründet 1849 durch Pauline v. Mallinckrodt; das Mutterhaus befindet sich in Paderborn)
Habt Mut
Marianne Ricking |
Aus Marianne Ricking wurde Schwester Eva-Maria. Foto: privat