|
|
Von Macht und Ohnmacht der Priester
A. Gehrmann: Es gab eine Zeit, da waren die Autoritäten im Dorf der Arzt, der Schutzmann, der Lehrer und der Pastor. Existierte dieses Bild noch in der Zeit, als Sie sich für den Priesterberuf entschieden?
Die Institution Kirche spielte ja in dieser Zeit stärker noch als heute eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Wie empfanden Sie sich als Vertreter dieser Instanz?
Wie stark war die Kirche damals in der Gesellschaft?
Aber war die Bewegung für Willy Brandt nicht eigentlich auch in Ihrem Sinne?
Irgendwann hätte dann aber Ihre Generation mit ihren neuen Ideen in der Kirche an die Macht kommen müssen. Wenn wir uns die Kirche heute ansehen, ist das offensichtlich nicht passiert. Sehe ich das richtig?
Hat sich die Kirche so entwickelt, wie Sie sich das gewünscht hätten?
Aber offensichtlich funktioniert das nicht, weil wir ein seit über tausend Jahren dressiertes Kaninchen sind. Da machen es sich die Priester zu einfach. Immer noch werden auch Lappalien im Alltag der Pfarre von der Geistlichkeit mitentschieden, auch in Gemeinden, in denen eine insgesamt offenere Atmosphäre herrscht.
Hat der Priester dadurch Macht, dass nur er die Eucharistie vollziehen darf?
Wem gibt Jesus die Macht, zu binden und zu lösen?
Und damit sind wir dann beim Missbrauch von Macht: Entsteht der durch die strenge Ordnung, der Priester sich unterwerfen müssen?
Erleichtert das System den Missbrauch priesterlicher Macht, sei er sexueller, sei er finanzieller Art?
Sind die Verweigerung, das Fernbleiben, der Austritt die einzige Möglichkeit für Laien, Macht auszuüben? Und hat das dazu geführt, dass jetzt bloß noch die in der Kirche sind, die keine Veränderung mehr wollen? V. Weyres: Das glaube ich nicht. Ich erlebe eine leise Entwicklung des Neubeginns, zum Beispiel wenn Eltern ihre Kinder zur Taufe bringen. Da ist noch ein Potential von Leuten.
|