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Hoffnung auf Erlösung?
Symbole haben auch die Funktion, offen zu sein und zu öffnen für eigene Deutungen, Assoziationen und Gedanken. Christoph Schmitz entfaltet seine Gedanken zum "Großen liegenden Christus" von Franz Gutmann in der Kirche St. Maternus.
Anfangs lag das Gutmann-Kreuz noch im Eingangsbereich von St. Maternus - nun liegt es dauerhaft im Hochchor. ©SilviaBins
In Sankt Maternus liegt das Kreuz am Boden. Das christliche Symbol schlechthin ist hier nicht erhöht, schwebt nicht über allem und jedem, sondern liegt am Boden, zerstört, auseinandergefallen, zweigeteilt, der Körper auf den Querbalken lediglich abgelegt. Ein riesiger alter Baum ist hierfür gefällt worden. Die Spuren sind auf dem Querbalken deutlich sichtbar: Die Messer der Kettensäge haben den Stamm zu einem Vierkant zurechtgeschnitten, sich ins Holz hineingefressen. Der Körper dagegen ist fast liebevoll bearbeitet, gerundet, geglättet. Die Maserung des Holzes gleicht den geschwungenen, wellenförmigen Linien eines Fingerabdrucks. Diese Figur hat eine Haut.
Die Füße allerdings mit ihren zehn fast gleich großen Zehen liegen brav übereinander und wirken
fast plump – volkstümliche Einfachheit, naive Schlichtheit, von den Qualen der Folter keine
Spur, bis auf das Loch im Fußspann, wo der Nagel fehlt. Die Tortur ist überstanden, der Leichnam
vom Kreuz abgenommen. Wobei die Beine nur bis auf Kniehöhe ausgearbeitet sind, der Körper ist nur
angedeutet, abstrahierte Wirklichkeit. So bleibt die Gestalt des Gekreuzigten ein wenig versteckt,
als wolle er sich einerseits nicht ganz offenbaren, und als habe andererseits den Künstler eine
gewisse Scheu davon abgehalten, deutlicher zu werden - um der Sache nicht zu nahe zu treten, nicht
aufdringlich zu werden, ein Geheimnis zu wahren? Oder mangelte
Der Bildhauer Franz Gutmann (geb. 1928 im Münstertal, Meisterschüler von Ewald Mataré) hat den "Großen Jesus" 1989 und 1990 aus zwei Eichen geschlagen. Zunächst lag die fünfeinhalb Meter lange und fast einen Meter breite liegende Holzskulptur im Eingangs-bereich von St. Maternus. Im Jahr 2007 kam sie als Leihgabe von Groß St. Martin in die Südstadt. Inzwischen ist sie dauerhaft in St. Maternus beheimatet und hat ihren Platz im Chorraum der Kirche gefunden. |
©SilviaBins