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Einen Schatz finden

Was es mit diesem Schatz auf sich hat und wie in der katholischen Kindertagesstätte St. Josefshaus gebetet wird, das erzählt Marianne Ricking, langjährige Leiterin der Einrichtung.


Gehört das Beten eigentlich zum pädagogischen Auftrag der Kindertagesstätte?
Es ist integriert in den Alltag, Teil eines großen Ganzen, nichts Separates. Vor 35 Jahren, als ich anfing zu arbeiten, war das noch anders. Da wurden die großen Feste des Kirchenjahres mit den Kindern gefeiert, und ansonsten wurden eher zusammenhanglos Gebete gesprochen, die nichts oder wenig mit der Erfahrungswelt oder dem Sprachverständnis von Kindern zu tun hatten. Bevor wir heute beten, kommt erst etwas anderes.


Was ist das andere?
Wir vermitteln den Kindern: Es ist schön, dass du da bist. Es ist gut, dass es dich gibt. Du bist etwas Besonderes. Gott liebt dich. Wir möchten ein Bewusstsein schaffen dafür, dass wir uns und unser Leben Gott verdanken. Und dann kommt erst das Gebet, mit dem wir danken, in dem wir loben oder bitten. Unter dem Titel „Komm, wir finden einen Schatz!" feiern wir jedes Jahr einen Gottesdienst mit den Kindern, bei dem sie erfahren, dass sie selbst dieser Schatz sind.
In unserem Alltag mit den Kindern erzählen wir von Jesus, der in unserer Mitte ist. Der elementare – und nicht nur kindliche – Wunsch, dazu zu gehören, gesehen und wichtig zu sein, verbindet sich hier mit einer religiösen Erfahrung. Gott ist uns nah, indem wir gut miteinander umgehen und indem wir etwas miteinander teilen. Darum geht es auch in der „Emmausgeschichte" (Lukas, Kapitel 24, Verse 13-35), in der erzählt wird, dass die Jünger Jesus am Teilen des Brotes erkannten. Die Bedeutung dessen können auch kleine Kinder unmittelbar verstehen.


Wie und wann wird gebetet?
Das Tischgebet ist uns besonders wichtig, da beten wir entweder einen festgelegten Text oder formulieren ein freies Gebet, wir singen, wir beten mit Gesten – das finden die Kinder besonders schön. Oft beten wir auch am Morgen, und da haben wir ganz eigene Rituale, und natürlich feiern wir auch Gottesdienste miteinander.


Bringen die Kinder eigentlich Gebets­erfahrungen aus ihrem Elternhaus mit?
Viele haben keine Erfahrungen. Die Eltern bringen ihre Kinder zu uns, weil wir eine konfessionelle Einrichtung sind. Sie haben den Wunsch und die Erwartung, dass ihre Kinder bei uns religiöse Erfahrungen machen und in Inhalte des Glaubens eingeführt werden. Viele Eltern sind darin selbst unsicher, sind Suchende, möchten ihren Kindern etwas weitergeben, das in ihnen selbst nicht (mehr oder noch nicht) lebendig ist. Immer wieder gibt es Gespräche mit Eltern über Glaubensfragen.


Führen also die Kinder die Eltern wieder zum Glauben?
Ja, gar nicht so selten. So kann man es sagen. Manchmal höre ich, dass zu Hause wieder ein Tischgebet gesprochen wird, weil das Kind diese Erfahrung aus der Kindertagesstätte mitbringt. Mache Eltern sind selbst völlig „glaubensfern" erzogen worden, haben keinerlei religiöse Erfahrungen gemacht, oder sie haben sich nach religiös geprägter Kinderzeit im Jugend- und Erwachsenenalter entfernt. Mit der Geburt ihres Kindes haben sie die Aufgabe übernommen, ihr Kind in die Welt zu führen, und sie spüren, dass dazu auch gehört, es mit Gott bekanntzumachen. So machen sie sich selbst neu mit ihrem Kind auf den Weg. Sie lassen sich berühren von den religiösen Erfahrungen ihrer Kinder, besuchen mit ihnen unsere Gottesdienste. Einige treten wieder in die Kirche ein, oder sie entscheiden sich, ihr Kind taufen zu lassen.


Dann ist es also wichtig, dass eine katholische Kindertagesstätte nicht nur offen ist für katholische Kinder?
Auf jeden Fall! Natürlich liegt es uns am Herzen – und wir sind auch gehalten – vorrangig katholische Kinder aufzunehmen. Aber wir sind offen für Kinder, die keiner Konfession angehören oder auch für Kinder aus anderen Glaubensrichtungen. Muslimische Eltern suchen oft bewusst eine konfessionelle Einrichtung für ihr Kind. Es sind auch Kinder orthodoxen Glauben bei uns und evangelische Kinder. Uns ist es wichtig, dass die Kinder auch etwas von anderen Religionen erfahren. „Gott hat viele Namen - wir öffnen unsere Hände und bitten Gott, dass er sie füllt."


Das Gespräch mit Marianne Ricking führte Ingrid Rasch.

 

 
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