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Alles hat seine Zeit

Warten in einem Wartezimmer ist uns allen vertraut, meist beim Arzt, im Krankenhaus, oder, oder... Manche Warteräume sind nüchtern und kahl, andere freundlich und ansprechend gestaltet. Wartende sind oft angespannt oder beunruhigt – der Atmosphäre des Wartezimmers kommt da eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. 

F. Lehmann (psychologische Psychotherapeutin) hat in ihrem kleinen Warteraum sehr bewusst ein Bild mir dem biblischen Text aus dem Buch Kohelet "Alles hat seine Zeit" aufgehängt. Auch wenn man bei ihr nicht lange warten muss, so stellt sie doch fest, dass dieser Text für die Wartenden von großer Bedeutung ist.


"Wer therapeutische Unterstützung in Anspruch nimmt, weil er denkt, es ist etwas mit den eigenen Gefühlen, mit den eigenen Handlungsweisen nicht so, wie es sein soll, hat zugleich fast immer das Gefühl, versagt zu haben. Die Menschen denken, sie müssten das Problem doch selbst in den Griff kriegen, und wenn das nicht gelingt, sind sie oft beschämt. Und Scham ist ein sehr intensives Gefühl", stellt die erfahrene Therapeutin fest. Nach ihrer Erfahrung ist es den Klienten sehr wichtig, dass möglichst niemand von diesem gefühlten Unvermögen weiß.


Da vermittelt sie mit dem Bild im Wartezimmer sehr bewusst und gewollt eine ganz andere Botschaft: In diesem biblischen Text aus dem Buch Kohelet werden alle Pole unterschiedlicher Lebensvollzüge genannt, sie stehen nebeneinander, und sie werden nicht bewertet. Alles hat seine Zeit, alles ist berechtigt da zu sein ... Und genau das ist essentiell in der Psychotherapie, sie eröffnet die fundamental wichtige Erfahrung eines bewertungsfreien Raumes. Es gibt das Versprechen, in einer Atmosphäre der Nicht-Bewertung zu entdecken, welche Veränderungen möglich sind. Therapie kann helfen herauszufinden, wann was an der Zeit ist.


Nicht selten wird Lehmann auf das Bild im Wartezimmer angesprochen – nur wenige kennen den biblischen Text, aber alle sind berührt von den Aussagen und ziehen oft spontan Parallelen zum eigenen Leben.     

 

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