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Trost für die Polizei?

Dr. Dominik Schultheis ist Seelsorger für die Landespolizei; er arbeitet im Team gemeinsam mit evangelischen und katholischen pastoralen Kräften. Alfred Gehrmann sprach mit ihm.

<em>Dr. Dominik Schultheis: 'Die zersplitterte Autoscheibe bringt die Zerbrechlichkeit des Lebens zum Ausdruck.' Foto: VU-Team Düsseldorf</em> Dr. Dominik Schultheis: 'Die zersplitterte Autoscheibe bringt die Zerbrechlichkeit des Lebens zum Ausdruck.' Foto: VU-Team Düsseldorf

Polizisten und Polizistinnen werden in der Öffentlichkeit zunächst als Ordnungs- und Kontrollinstanz wahrgenommen. Woher bekommen sie Beistand und Trost?
Wenn sie über ihren Alltag sprechen, wird besonders der mangelnde Respekt von Leuten auf der Straße als belastend empfunden – nicht nur von Gewalttätern und Radikalen, sondern auch von Leuten aus der Mitte der Gesellschaft. Die Bereitschaftspolizei berichtet von körperlichen Gefahren bei Angriffen mit Steinen und Pyrotechnik, vor allem aber von Menschenverachtung, wenn die Einsatzkräfte beschimpft oder gar angespuckt werden. Viele Polizistinnen und Polizisten freuen sich schon, wenn sie mal nett gegrüßt werden und ein Dankeschön oder die Aufmerksamkeit von Kindern bekommen.
Tröstlich sind Erfolge: Wenn es bei der furchtbaren Suche nach Opfern von sexueller Gewalt gelingt, einzelne Kinder vor weiterem Schaden zu bewahren. Die gegenseitige Ermutigung im kollegialen Kreis ist wichtig, und natürlich Gespräche mit Menschen wie uns von der Seelsorge, wenn es beruflich oder privat mal hakt.

 

Woran erkennen Sie, dass jemand Trost sucht?
Wenn wir die Beamtinnen und Beamten im Einsatz oder auf Streife begleiten, kommen die Themen schnell. Vorgesetzte machen uns aufmerksam, wenn Unterstützung gebraucht wird. Ein Mitarbeiter verstarb kürzlich an Covid, was viele in seinem Umfeld bewegte. Wir haben uns mit dem Kollegenkreis getroffen, eine Kerze angezündet und über den Verstorbenen gesprochen. Alle konnten ihre Gefühle, Gedanken und Ängste aussprechen, und das wurde als sehr tröstlich empfunden. Mir sagte mal jemand: "Trösten heißt, der Trauer Raum geben." Das haben wir hier gemacht.

 

Welche Herausforderungen stellen sich dem Tröstenden?
Das hat viel mit Erfahrung zu tun. Ich muss gut mit meinem Gegenüber im Kontakt sein, aber auch mit mir selbst. Wenn ich merke, dass ich zu sehr betroffen bin, ist es besser, an einen Kollegen abzugeben.

 

Wurden Sie für diese Aufgabe professionell ausgebildet?
Ich habe neben meiner Supervisions- und Coachingausbildung und der langen seelsorglichen Ausbildung und Praxis noch einmal eine Ausbildung zum Fachberater für Psychotraumatologie gemacht. Ich habe gelernt, Traumata zu erkennen und mit potenziell traumatisierten Menschen angemessen umzugehen, damit nach furchtbaren Erlebnissen aus normalen Stressreaktionen keine Traumata entstehen. Das ist auch eine Dimension des Tröstens: den Menschen nicht bedauern, sondern ihm fachlich zur Seite stehen.
Das lässt sich nicht alles nur theoretisch erlernen. Es braucht Erfahrung, Intuition oder das Wirken des Geistes, um im richtigen Moment das Richtige zu tun. Und manchmal ist es das Beste, einfach nur zu schweigen, da zu sein und mit auszuhalten.

 

In welchem Maße sind Polizeikräfte auch  Trösterinnen und Tröster in Uniform?
Es ist eine Herausforderung, neben den offiziellen polizeilichen Aufgaben immer den Menschen im Blick zu behalten. Viele Einsatzwagen sind mit Trost-Teddybären ausgestattet, um dadurch mit Kindern in Kontakt zu kommen, die aus Notsituationen gerettet werden und verängstigt sind. Wenn eine Frau immer wieder zu ihrem gewalttätigen Ehemann zurückkehrt und misshandelt wird, dann braucht sie nicht Herablassung, sondern Opferschutz und Hilfe auf der Suche nach Auswegen aus ihrem Teufelskreis. Wenn Todesnachrichten zu überbringen sind, müssen Polizistinnen und Polizisten verstehen, welches Unheil sie in die Familie bringen, wenn sie an der Haustür klingeln. Sie müssen sehr sensibel sein und aushalten, was ihnen an Reaktionen entgegenschlägt. Das ist die wohl größte Herausforderung beim Trösten, nie zu wissen was kommt.

 

Und wer tröstet Sie?
In der Situation selber spüre ich meistens genügend Kraft, aber danach ist es gut und wichtig, mit den Kolleginnen und Kollegen in der Seelsorge zu sprechen. Ich nehme auch Supervision in Anspruch, dazu geistliche Begleitung. Vieles nehme ich mit ins Gebet – nicht notwendig fromm vor dem Tabernakel, sondern auch, wenn ich mit dem da oben ringe und mir das beim Joggen von der Seele laufe. Bisher konnte ich immer alles, was mich schwer belastet hat, an die Frau oder an den Mann bringen. In mir alleine ist es nicht geblieben.

  

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