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Brüder: Kain und AbelDem einen gelingt alles, was er in die Hand nimmt; der andere scheitert trotz allem Bemühen. Und es sind nicht die Schlechtesten, denen so vieles misslingt. Was ist der Grund für das unverdiente Glück des einen und die Erfolglosigkeit des anderen? Ist es Schicksal, ist es Zufall? Diakon Dr. Barthel Schröder geht dieser Frage nach.
Kain scheint so ein Pechvogel gewesen zu sein, Abel ein Glückspilz, wenn die biblische
Geschichte ernstgenommen wird.
Warum der Ewige so handelt, darauf gibt die Bibel auf den ersten Blick keine Antwort. Sie konfrontiert uns mit einer nicht erklärbaren, rätselhaften Seite Gottes. Die Schriften trauen Gott durchaus zu, dass er auch Böses macht: "Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?" (Hiob Kapitel 2, Vers 10).
Der Name Abel bedeutet im Hebräischen Windhauch, Vergänglichkeit, Nichtigkeit. Wer seine erstgeborenen Tiere opfert, kann nicht sicher sein, ob weitere geboren werden. Das Opfer Abels und die Lebensweise als Nomade zeigen eine gewisse Unabhängigkeit von Besitz.
Wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass das Sich-Bekriegen mit der Sesshaftigkeit aufs Engste
verbunden ist.
Entgegen der Erwartung straft Gott den Kain nicht. Die für ihn negativen Folgen ergeben sich direkt aus seiner Tat. Wer sich an der Gesellschaft versündigt, muss ohne sie leben: "Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein". Erde, auf der Blut vergossen wurde, wird auf Dauer wertlos: "Wenn du den Erdboden bearbeitest, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen".
Wenn die Bibel auf diese Weise den kulturellen Fortschritt der Menschheit auf den Mörder Kain zurückführt, so will sie uns dazu anhalten, über die damit verbundene Gewalt nachzudenken und alles zu unternehmen, dass sie abnimmt: "Wenn du gut handelst, darfst du aufblicken; wenn du nicht gut handelst, lauert an der Tür die Sünde. Sie hat Verlangen nach dir, doch du sollst über sie herrschen". Barthel Schröder |