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Gib meiner Seele weiten Raum...

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Welche Wortverbindungen fallen uns spontan zum Begriff Raum ein? Welt-raum, Lebens-raum, Wohn-raum, Ruhe-raum, Gebets-raum; und sicher noch viele andere mehr.
Diese Worte lösen in uns empfindungsmäßig Gefühle von Begrenzung, aber auch von Geborgenheit und Weite aus, entsprechend dem Gebetsruf "Gib meiner Seele weiten Raum". Der Begriff Raum verrät also mehr als nur die geometrische Formel Höhe x Breite x Länge.

 

All den oben aufgeführten Bedeutungen ist gemeinsam: Wir Menschen müssen uns in den so beschriebenen Räumen einrichten.
In den Schriften jüdischer Weisheit gibt es dazu eine prägnante Zusammenfassung und zugleich eine Anfrage an jeden von uns: "Wie ist es zu verstehen, dass Gott, der Allwissende, zu Adam spricht: 'Wo bist du?' – Die Heilige Schrift ist ewig: Jede Zeit, jede Generation und jeder Mensch sind in ihr beschlossen. Darum auch fragt Gott zu jeder Zeit jeden Menschen: 'Wo bist du in deiner Welt?'" (Rabbi Schneur Salman)

 

Der von uns Menschen am meisten gefüllte Lebensraum ist unser Wohnraum. Es gibt viele Arten zu wohnen, aber es gibt nur ein Zuhause. Das Zuhause ist mehr als nur der Wohnraum. Es ist der Raum, der Schutz, Geborgenheit und Identität bietet. Man kann aus ihm ausbrechen, und man kann zu ihm zurückkehren. Solcher Raum schützt unser Alleinsein, aber er bietet auch die Möglichkeit zum Miteinander.
Und ganz wichtig: In der Geborgenheit des Zuhauses können Kinder und Enkel LEBEN lernen und sich entfalten. In den Anfangs­erzählungen der Bibel wird das dargestellt in den Bildern von Paradies und Arche.

 

Aus unserem Blickfeld dürfen wir diejenigen nicht ausblenden, die weder einen festen Wohnraum noch ein Zuhause haben und die ganz wenig Geborgenheit im Leben erfahren, frei nach Wolfgangs Borcherts Theaterstück "Draußen vor der Tür". Darin geht es um einen Menschen, der kein Dach über seinem Kopf und auch nicht über seiner Seele hat.

 

Im Gotteslob (Nr. 20,1) finden wir ein Gebet, das unsere Betrachtungen über Raum und Räume gut zusammenfasst:
"Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden. Gibt uns Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen."

 

Josef Embgenbroich (Pfarrer im Ruhestand)

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