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Baum des LebensEin siebenarmiger Leuchter in St. Maternus - was hat der jüdische Leuchter, die Menora, die in allen Synagogen steht und die Flagge des Staates Israel sowie das Parlament ziert, in einer christlichen Kirche zu suchen? Diakon Dr. Barthel Schröder geht der Frage nach.Zunächst soll der siebenarmige Leuchter daran erinnern, dass Jesus Jude war, und dass das Erste
Testament Wurzel unseres Glaubens ist. Damit sind die Juden unsere älteren Geschwister, die es zu
ehren gilt. Daher schreibt Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: " ... wenn du als Zweig
vom wilden Ölbaum in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest und damit Anteil erhieltest an der Kraft
seiner Wurzel, so erhebe dich nicht über die anderen Zweige. ... Nicht du trägst die Wurzel,
sondern die Wurzel trägt dich."
Siebenarmiger Leuchter vor der Holzskulptur von Franz Gutmann in der Chorapsis. ©SilviaBins Die sieben Arme sind ein Zeichen für die Vielfalt in unserer Kirche. Sie enden alle auf gleicher
Höhe, so dass kein Zweig einen Vorrang hat. Keiner alleine, auch das Lehramt nicht, verfügt über
die absolute Wahrheit. Das, was Gott für die Menschen ist und will, ist nur auf Basis einer
einheitlichen Wurzel in Vielfalt zu verstehen. Wirkliche Einheit braucht also gegensätzliche
Sichten. So ruft der Leuchter zum Dialog auf.
Im Internet wurde eine Menora angeboten, die sehr wahrscheinlich aus der in der "Reichskristallnacht" zerstörten Synagoge Krefeld-Linn stammt. Meine Frau und ich haben sie erworben, damit sie nicht als bloße Dekoration dient. Sie erinnert mich täglich an die Wurzel meines Glaubens, an die Notwendigkeit stetiger Erneuerung im Dialog mit vielfältigen Glaubenssichten, an ein verheißenes Leben ohne Trauer, Schmerz und Tod und daran, dass ich mit Jesus von Nazareth ein Licht habe, das mir gerade auch in dunklen, schweren Stunden einen Weg weist. ♦ Barthel Schröder |