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Geteilter Reichtum - St. Severiner Bildungs-Patinnen und Paten verschenken ihre Berufserfahrung

„Wie sieht Deine Zukunft aus?“ – „Keine Ahnung, wahrscheinlich Hartz IV und dann mal gucken.“ Doch bei der Frage welcher Traumjob es denn sein soll, leuchten bei den Jugendlichen die Augen: Den Zehntklässlern der Hauptschule Rendsburger Platz wurde vom Leben bislang nicht so viel geschenkt. Und als Hauptschüler haben sie denkbar schlechte Voraussetzungen für den Traumjob.

  

Dabei könnte es für die Jungen und Mädchen, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, so einfach sein – denn es mangelt nicht am Ehrgeiz oder Interesse, vielmehr an Mut und persönlicher Unterstützung. Das so genannte „Patenprojekt“ wurde 2005 gemeinsam vom Katholikenausschuss der Stadt Köln und der katholischen Fachstelle für Jugendpastoral und Jugendhilfe aus der Taufe gehoben und ist inzwischen als festes Angebot in Köln und im Erftkreis etabliert. Das Engagement des Patenzirkels in St. Severin wurde unlängst anlässlich der Verleihung des Elisabeth-Preises von der Caritas-Stiftung mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Schülerinnen und Schüler auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, Foto: Helen Streich Schülerinnen und Schüler auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, Foto: Helen Streich

Koordiniert wird die ehrenamtlich arbeitende Gruppe der sieben Patinnen und Paten in St. Severin von Tilo Müller-Weinitschke und seinem Stellvertreter Peter Kolakowski. Die Begleiter schenken Jugendlichen nicht nur ihre eigene Berufs- und Lebenserfahrung mit wertvollen Tipps für den Start ins Erwachsenenleben, sondern auch etwas, was sie nur selten bekommen: Aufmerksamkeit, Verständnis, Respekt, Empathie und Solidarität. Die Patinnen und Paten werden dabei selbst überreich beschenkt: mit Dankbarkeit, frohen Herzen, Vertrauen und der Freude, Sinnvolles für junge Menschen tun zu können und ein Stück die Weichen für eine gelungene Zukunft gestellt zu haben.

 

Die Patinnen und Paten helfen ganz praktisch und konkret beim Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt. Sie ermitteln die Wunschberufe im Gespräch, entdecken Potentiale und Vorlieben und gießen sie dann in handfeste Tipps für die richtige Bewerbung. „Gezielte Kontaktaufnahme zu interessierten Ausbildungsbetrieben mit einer guten Vorbereitung ist dann fast schon ein Kinderspiel“, freut sich Peter Kolakowski, der hauptberuflich als Journalist arbeitet und u.a. kirchliche Institutionen, freie Wohlfahrtsverbände und sozialunternehmen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit berät. Kolakowski knüpft ständig Kontakte zu örtlichen Unternehmen, zur IHK und Handwerkskammer Köln. Unlängst konnte fast eine gesamte Klasse an der Hauptschule Rendsburger Platz in Ausbildung oder an weiterführende Schulen vermittelt werden.

 

Zusammen mit der engagierten Klassenlehrerin Helen Streich und mit Katharina Krupp vom Katholischen Jugendmigrationsdienst haben die meisten ihren Wunschberuf bekommen. Auch der 17-jährige Anil, der zunächst nur Absagen, doch mit Hilfe des Bildungspaten einen Ausbildungsvertrag zum Fachlageristen erhält und vor Glück weint. „Es ist mein absoluter Traumjob!“, strahlt der junge Mann.

 

„Ohne die wichtige Arbeit unserer St. Severiner Bildungspaten würden viele wahrscheinlich sofort in irgendeiner Maßnahme landen oder gleich in die Sozialsysteme abwandern, aber sicher nicht in ihrem Wunschberuf“, betont Kolakowski. „Die Potentiale sind da, man muss sie nur wecken und viel Geduld haben. Im neuen Schuljahr habe ich 23 Patenkinder, darunter eine angehende Tierärztin, zwei Psychologinnen, drei Physiotherapeuten, einen Erzieher und einen Fitness- und Ernährungsberater – alles Hauptschüler!“

 

Hauptschulrektor Remsky und das Lehrerkollegium rechnen fest mit einer Fortsetzung der Arbeit: „Sie haben den Schülern ein großes Geschenk gemacht; so eine hohe Erfolgsquote hat es an unserer Schule noch nicht gegeben!“

  

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