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Ludwig Senfl
auch: Senffl, Ludovicus Senfelius helveticus, Sänfli, Sempffel, Senflius, Sennfel, Senfli

* um 1486 (möglicherweise auch 1488 oder 1490) in Zürich (oder Basel)
† zwischen 2. Dezember 1542 und 10. August 1543 in München

Repertoire

 

Portrait

Deutsch-schweizerischer Komponist

 

Ludwig SenflLudwig Senfl kam bereits als Kind in die Kapelle König Maximilians I. (1496) und wurde dort von deren Leiter, dem flämischen Hofkomponisten Heinrich Isaac, in die Musik eingeführt. Dieser Kapelle, die den König und späteren Kaiser regelmäßig auf seinen Reisen - so nach Augsburg, Wien und Konstanz - zu begleiten pflegte, gehörte er mit kurzen Unterbrechungen und in verschiedenen Positionen mehr als 20 Jahre an. Im Gefolge von Isaac reiste er vielleicht auch nach Italien, insbesondere nach Florenz. Jedenfalls zeigte sich Senfl in einem autobiographischen Lied (Lust hab ich ghabt zur Musica, Gesamtausgabe 2, Nr. 36) Isaac tief verpflichtet; dieser wie auch Josquin des Prés haben sein gesamtes musikalisches Schaffen am stärksten beeinflusst.

 

Belegt ist Senfls Züricher Anwesenheit beim Freischießen im August und September 1504. Senfl, der während des Konstanzer Reichstages (1507/08) katholischer Kleriker wurde, zeigte später zumindest deutliche Zeichen der Sympathie für die Reformation. Auch Korrespondenzen mit Martin Luther (1530–1533) und Herzog Albrecht von Preußen (1526–1540) bezeugen reformatorische Neigungen. 1529 heiratete er die Tochter des Passauer Schiffmeisters Ambros Neuburger, mit der er mindestens eine Tochter zeugte, die im Mai 1537 geboren wurde.

 

Ungeklärt ist, wann Senfl Hofkapellmeister bei Kaiser Maximilian I. wurde, aus dessen Schatulle er ab ca. 1510 eine Pension bezog: möglicherweise trat er bereits 1512 dieses Amt an, als Heinrich Isaac nach Florenz aufbrach; denkbar ist aber auch, dass er erst 1517 nach Isaacs Tod dessen Stellung übernahm.
Als Kaiser Maximilian 1519 starb, wurde die Kapelle im folgenden Jahr aufgelöst. Senfl übersiedelte um 1520 nach Augsburg, wo er Isaacs „Choralis Constantinus“ vervollständigte und den „Liber selectarum cantionum“ als ersten gedruckten Motetten-Band in Deutschland (Augsburg, 1520) veröffentlichen konnte. Dieser Band enthält außer eigenen Werken vor allem repräsentative Motetten hochangesehener Komponisten der Zeit: Pierre de La Rue, Heinrich Isaac, Josquin des Prés, Jacob Obrecht und Jean Mouton.

 

1523 gelang es Herzog Wilhelm IV. von Bayern, Senfl als »fürstlichen Componist zu München« respektive »musicus intonator« an seinen Hof zu ziehen. Unter ihm begann die Blütezeit der Domkantorei der Münchener Frauenkirche, die bis zum Ende des 16. Jahrhunderts andauern sollte und ihre Neuorganisation u. a. Senfl verdankte, der erstmals nur ausgebildete Sänger und Musiker engagierte. Senfl selbst schuf für die Gottesdienste die mehrstimmigen Proprien zu Messe und Stundengebet und ließ das Repertoire mit Werken anderer Komponisten erweitern. Damit hatte er die wichtigste Funktion in der Kantorei inne, obwohl er nicht mit dem Amt des Kapellmeisters betraut war.

 

Ludwig Senfls Todesdatum ist nicht eindeutig zu ermitteln; Katasterurkunden legen den Zeitraum zwischen dem 2. Dezember 1542 und dem 10. August 1543 nahe. Senfl wurde höchstwahrscheinlich auf dem Friedhof St. Peter bei der Kreuzkirche in München beigesetzt.

 

Werke

Ludwig Senfls Œuvre bildet den Höhepunkt der altdeutschen Musik zur Reformationszeit. Es entspricht der Niederländischen Tradition, dass Senfls musikalisches Lebenswerk Messen, Motetten und Lieder umfasst. Das Latein der Liturgie bleibt den geistlichen Werken vorbehalten, das deutsche Lied repräsentiert das weltliche Repertoire. Senfls geistliches Hauptwerk kulminiert in der Komposition von Ordinarium und Proprium der Messe, in Magnificats, Psalmodien, Hymnen und Responsorien, ferner Vertonungen von Orationen, Salutationen, Texten aus dem Alten Testament und den Evangelien sowie in einigen Psalmen. Gleichzeitig war Senfl in jener Zeit mit seinen über 250 qualitativ hochwertigen Liedern zur Gattung des Tenorliedes der wichtigste Vertreter des deutschen Gesellschaftsliedes. Sein Ansehen ist u. a. begründet in seiner polyphonen Motetten- und Liedkunst. Senfl schuf außerdem Instrumentalwerke für Krumhorn und Laute.

250 mehrstimmige weltliche Lieder, u. a.

  • Lust mag mein Herz
  • Es waren zwei Königskinder
  • Lust hab' ich g'habt zur Musica

6 sicher zuzuweisende Messen, u. a.

  • Missa Ferialis
  • Missa Paschalis zu 5 Stimmen
  • Missa dominicalis L’homme armé (1530)
  • Messe „Nisi dominus“

240 geistliche lateinische Motetten, u. a.

  • Calicem salutaris accipiam
  • Deus misereatur nostri, Vertonung des Ps 67 (1522)
  • Ecce quam bonum et quam iucundum habitare fratres in unum, vierstimmige Motette (1530)
  • Gregor-Motette Sancte Pater (1515/16)
  • In pace in idipsum, vierstimmige hypomixolydische Motette über Ps. 4,9; 131,4 (1530)
  • Marienmotette Mater digna Dei („Oratio ad incomparabilem Virginem Mariam“)
  • Mollis inertia cum tantam diffuderit imis
  • Non moriar, sed vivam, vierstimmige hypomixolydische Motette über Ps 117,17 (1530)
  • Non usitata nec tenui ferar
  • Petti, nihil me sicut antea juvat
  • Quid retribuam Domino
  • Sic Deus dilexit mundum, sechsstimmige hypomixolydische Motette

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 7, Verlag Herder Freiburg, 1992

Klaus-Gunther Wesseling: Ludwig Senfl In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XXIV, BBKL Nordhausen 2005, ISBN 978-3-88309-247-8, Spalten 1326-1336

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Senfl.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Ludwig Senfl

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 18.03.2018


 
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