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Karl Kempter

* 17. Januar 1819 in Limbach bei Burgau
† 11. März 1871 in Augsburg

 

Portrait

Komponist und Kirchenmusiker; Domkapellmeister in Augsburg

 

Karl KempterKarl Kempter wurde am 17. Januar 1819 als siebtes und jüngstes Kind einer musikalischen Lehrerfamilie in Limbach bei Günzburg in Bayerisch-Schwaben geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.

 

Sein Vater erkannte schon bald die hohe Musikalität seines Sohnes und war bemüht, diesem eine solide musikalische Grundausbildung zu erteilen. Zunächst gab Mathias Kempter seinem Sohn die musikalischen Kenntnisse weiter, die er selbst bei seinem Onkel Pater Bernhard Kempter im Kloster Mechthal (Württemberg) erworben hatte.

 

Ab 1. Dezember 1831 erhielt der Zwölfjährige die weitere Musikausbildung in den Fächern Gesang, Klavier- und Orgelspiel sowie Komposition bei Michael Keller, der Organist und Chorregent an der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg war. Nach sechs Jahren Lehrzeit übernahm er im Alter von 18 Jahren die Organistenstelle an St. Ulrich und Afra, während sein Lehrer Michael Keller die Stelle als Organist am Augsburger Dom übernahm.

 

Am 1. November 1839 holte Michael Keller, der einen Monat zuvor zum Domkapellmeister ernannt worden war, seinen Meisterschüler an den Augsburger Dom als Domorganist nach. Dieses Amt hatte Kempter 25 Jahre lang inne.

 

Neben seinem Organistendienst erteilte Kempter sowohl privat als auch am Augsburger St. Stephanstift Musikunterricht.

 

Von 1843 bis 1867 war er Mitglied der seit 1843 bestehenden und von Johann Rösle gegründeten Augsburger Liedertafel und sang dort im Tenor mit. Für die Liedertafel hat Karl Kempter Kompositionen geschrieben, u. a. einen Huldigungschor an Felix Mendelssohn Bartholdy.

 

Obwohl Kempter Augsburg kaum verlassen hat, war sein Radius weit gespannt. So gab es Kontakte nach Kremsmünster/Österreich, zum Chorherrnstift St. Florian, zum Kloster Einsiedeln/Schweiz, nach Prag und Budapest.

 

Seit 1. März 1865, nach dem Tode seines Lehrers und Freundes Michael Keller, bekleidete Karl Kempter - zum Domkapellmeister ernannt - das höchste Amt im kirchenmusikalischen Bereich Augsburgs; Papst Pius IX. berief ihn zum Ehrenmitglied des römischen kirchenmusikalischen Zirkels der Academica Caecilia.

 

Kempters letzte Jahre sind durchzogen von einem Nervenleiden und einer Lähmung bedingt durch einen Schlaganfall, der ihn 46-jährig während einer Unterrichtsstunde im Institut St. Stephan ereilt hatte. Bedingt durch seine Krankheit musste er 1867 das Amt des Domkapellmeisters aufgeben. Sein Nachfolger wurde sein Schüler Karl Kammerlander, der wie Kempter einer Lehrerfamilie entstammte.

 

Ein Unfall mit der Folge einer Gehirnerschütterung verschlimmerte seinen körperlichen und geistigen Verfall noch. Auch die Todesfälle innerhalb der Familie - seine Frau, die er 1841 geheiratet hatte, starb im Jahre 1869, seine jüngste Tochter 1870 - machten ihm schwer zu schaffen.

 

Vereinsamt, körperlich und seelisch ausgezehrt starb Kempter am 12. März 1871 in seiner letzten Wohnung, dem heutigen Stephansplatz 9. Er wurde auf dem Augsburger Hermanfriedhof beigesetzt.

 

Quellen und weiterführende Links:

 

Werke

Kempter komponierte überwiegend kirchenmusikalische Werke, Messen, Gradualien, Oratorien (Johannes der Täufer, Maria, Die Hirten von Bethlehem, Die Offenbarung) und gab ein Kirchengesangsbuch heraus. Vor allem der Volksgesang, insbesondere beim Gottesdienst, war Mittelpunkt seines Schaffens: Musizierbarkeit mit den den Landchören verfügbaren Mitteln und für die ihnen eigene Mentalität lag ihm am Herzen. Viele Kompositionen, wie etwa der Hymnus Adoro te und die so genannte Kleine Pastoralmesse, konnten den Weg zu den Kirchenchören überall im Land finden. Selten schuf er auch weltliche Kompositionen, so u. a. eine Hymne an König Ludwig und einen Festmarsch für Klavier zu vier Händen.

 

Großen Wert legte Kempter darauf, dass seine Kompositionen sowohl von kleinen Laienchören als auch in üppiger Besetzung mit großem Chor und vollem Orchester aufgeführt werden können. Seine lateinische Messe in G, op. 15, z. B. sei „zum Gebrauche gut besetzter Land- und kleinerer Stadt-Chöre“ geeignet.

 

Mit 31 Jahren vollendete er sein wohl bekanntestes Werk, die große Pastoralmesse in G-Dur op. 24. Die Uraufführung erfolgte in der Christmette 1851 im Hohen Dom zu Augsburg.
Die Instrumentalbesetzung besteht aus einem obligaten Streichquartett (2 Violinen, Viola, Violon) und Orgel, sowie Flöte, zwei Klarinetten, zwei Hörnern, zwei Trompeten und Pauken ad libitum. Diese Instrumentierung ermöglicht bei der Aufführung eine große Flexibilität. Durch den zusätzlichen Einsatz von Bläsern und Pauken wird ein besonders festlicher Charakter erzielt. Wegen ihrer eingängigen Melodik hat diese Weihnachtsmesse besonders in Süddeutschland eine überaus weite Verbreitung gefunden.

 

  • Lateinische Messe in D op. 9 für 4 Singstimmen, 2 Violinen, Viola, Violon und Orgel obligat,
    Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Trompeten und Pauken nicht obligat
  • Festmesse Nr. 1 in B op. 11 für Soli, Chor und Orchester
  • Lateinische Messe in G op. 15 für Chor, 2 Violinen, Viola, Violon & Orgel obligat,
    Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Trompeten u. Pauken nicht obligat
  • Pastoralmesse in G op. 24 für Soli, Chor und Orchester
  • Laurentiuskoor Oudorp · Solisten: Stefanie Besteman, Ria Heemskerk, Frits Harkema, Elbert-Jan Lamaker ·
    Leitung: Yiorgo Moutsiaras; Radiosendung 15.11.1989 | Laurentiuskoor Oudorp | Repertoire

     

  • Missa Pastoritia in C op. 114 für gemischten Chor, Orchester (ad libitum) und Orgel
  • Messe in D op. 96
     
  • Hodie Christus natus est, Pastoral-Graduale op. 25 für Chor, 2 Violinen, Viola, Violon oder Orgel obligat,
    1 Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken u. Violoncello nicht obligat
  • Ave Maria op. 90 für dreistimmig gemischten Chor

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Kempter.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Karl Kempter

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 08.11.2015


 
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