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Hans Leo Hassler
auch: Hans Leo Haßler von Roseneck

getauft 26. Oktober 1564 in Nürnberg
† 8. Juni 1612 in Frankfurt am Main

Repertoire

 

Portrait

Komponist, Uhrmacher und Verfertiger von Musikautomaten

 

Hans Leo Hassler Hans Leo Hassler gehörte einer berühmten Musikerfamilie an. Sein Vater Isaac (* um 1530 in Joachimsthal, Böhmen) war seit 1558 Organist an der Spitalkirche in Nürnberg und bildete ihn schon früh zum Organisten aus. Später erhielt er Unterricht bei Leonhard Lechner, ab 1584 bei Andrea Gabrieli in Venedig. 1585 wurde er in Augsburg Kammerorganist des Grafen Oktavian II. von Fugger und Organist an St. Moritz.

 

1590 erschien seine erste Sammlung Canzonette a quatro voci. Für seine Kompositionstätigkeit waren die Jahre 1596-1608 die fruchtbarsten seines Lebens. Von 1608 bis an sein Lebensende veröffentlichte er selbst kein einziges Werk mehr. In anderen Sammelwerken verschiedener Herausgeber finden sich weitere Stücke sakraler und weltlicher Art.

 

Pfingsten 1600 wurde er für ein Jahr neben seinen anderen Tätigkeiten noch Leiter der Augsburger Stadtpfeifer. Nach dem Tod des Grafen Oktavian ging er 1601 nach Nürnberg, wo er sich in erster Linie kaufmännischen Geschäften und der Entwicklung und Herstellung von Orgelautomaten widmete. Ab 1608 war er Kammerorganist des in Dresden residierenden Kurfürsten Christian II. von Sachsen.

 

Im Jahr 1595 wurde er von Kaiser Rudolf II. zusammen mit seinen Brüdern Caspar Hassler und Jakob Hassler in den Adelsstand erhoben. 1604 erhielten sie das Adelsprädikat von Roseneck.

 

Hans Leo Hassler starb 1612 auf einer Reise in Frankfurt am Main an Schwindsucht.

 

Werke

Hasslers Œuvre steht an der Stilwende von der späten Renaissance-Polyphonie zu venezianisch-frühbarocker Klangentfaltung sowie (in seinen Liedsätzen) zu schlichter, liedhafter Homophonie. Während seine Messen und Motetten meist noch dem kontrapunktisch-imitatorischen Prinzip in der Nachfolge eines Orlando di Lasso und eines Leonhard Lechners huldigen, entfalten seine mehrchörigen Werke, wie beispielsweise die 15-stimmige Motette Jubilate Deo oder sein 16-stimmiges Duo Seraphim bereits barocke Klangpracht nach dem Vorbild der venezianischen Mehrchörigkeit. Seine Werke zeichnen sich dabei nicht nur durch kontrapunktische Gelehrsamkeit, sondern auch durch höchste Anmut und Zartheit aus. In seinen vierstimmigen Bearbeitungen der gebräuchlichen Kirchenmelodien zeigt er, wie auch das Einfachste durch charaktervolle Bearbeitung bedeutsam werden kann.

 

Nicht weniger geschätzt als seine geistlichen Werke (Messen, Motetten etc.) waren seine Madrigale, Kanzonetten und deutschen weltlichen Lieder, darunter das später mit dem Text O Haupt voll Blut und Wunden in den protestantischen Kirchengesang aufgenommene Lied Mein G’müt ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart, welches sich nebst vielen anderen in seinem Lustgarten neuer deutscher Gesänge zu 4–8 Stimmen (Nürnberg 1601) findet. Eine neue Ausgabe seiner 1607 veröffentlichten Psalmen und christlichen Gesänge erschien 1777 zu Leipzig auf „Befehl einer hohen Standesperson“ (der Prinzessin Amalie von Preußen, die von ihrem Lehrer Johann Philipp Kirnberger dazu angeregt worden war).

 

Bedeutend sind auch seine - allerdings nicht sehr zahlreichen - Orgelwerke. Ausgehend vom italienischen Stil seines Lehrers Andrea Gabrieli findet er zu einem eigenen Stil, der, wie auch sein Vokalwerk, den Übergang von der Orgelmusik der Renaissance zu barocken Modellen vorwegnimmt und so für den deutschen Orgelstil des 17. Jahrhunderts Bedeutung erlangt. Seine bedeutendste Instrumentalkomposition ist aber ein Cembalowerk, das Variationswerk Ich gieng einmal spatieren 31 mal verendert durch Herren J.L.H., das in seiner Zeit durch die Länge der Komposition (etwa 42 Minuten) und den mit ihr verbundenen Anspruch einzigartig ist. Der Einfluss dieses durchkomponierten Werks findet sich bei den Liedvariationen des 17. Jahrhunderts, beispielsweise bei Sweelinck und Scheidt sowie noch bei Pachelbel.

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 4, Verlag Herder Freiburg, 1992

Friedrich Wilhelm Bautz: Hans Leo Hassler In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band II, BBKL Hamm 1990, ISBN 978-3-88309-032-0, Spalten 587-589

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Hassler.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Hans Leo Hassler

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 18.05.2017

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