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Carl Heinrich Graun

* 7. Mai 1704 in Uebigau-Wahrenbrück bei Bad Liebenwerda (Sachsen), nach anderen Quellen zwischen
   9. August 1703 und 8. August 1704
† 8. August 1759 in Berlin

 

Repertoire

  • Fürwahr er trug unsre Krankheit

 

Portrait

Komponist und Tenorsänger

 

Carl Heinrich GraunCarl Heinrich Graun folgte 1714 seinem Bruder Johann Gottlieb Graun an die Kreuzschule in Dresden, die er bis 1720 besuchte. In Dresden wurde er nicht nur mit der deutschen Kirchenmusiktradition vertraut, sondern erhielt auch bleibende Eindrücke von der am Dresdner Hof gepflegten italienischen Oper. Seine schöne Stimme bildete zuerst der Kantor Johann Zacharias Grundig aus. Es folgten Studien in Gesang bei Christian Petzold und Komposition bei dem sächsischen Hofkapellmeister Johann Christoph Schmidt. 1725 trat er als Opernsänger in die von Georg Caspar Schürmann geleitete Kapelle des Herzogs von Braunschweig ein und avancierte bald zum Vizekapellmeister. Hier schrieb er neben Chorwerken für die Kirche eine Reihe deutscher Opern.

 

Graun führte am 13. Juni 1733 bei der Vermählung des Kronprinzen Friedrich von Preußen mit der Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig die von ihm komponierte italienische Oper Lo specchio della fedeltà auf. Sie gefiel dem Kronprinzen so gut, dass er Graun 1735 nach dem Tod des Herzogs Ludwig Rudolf an seine Kapelle in Rheinsberg bei Neuruppin berief, wo er zunächst italienische Kammerkantaten komponierte. Friedrich II. ernannte ihn 1741 zu seinem Kapellmeister und beauftragte ihn mit der Errichtung einer Oper in Berlin. Noch in demselben Jahr führte Graun im Komödiensaal des Schlosses seine Oper Rodelinda auf; es war die erste italienische Opernaufführung in Berlin. Nach der Anwerbung italienischer Sänger konnte er das von Knobelsdorff neuerbaute Opernhaus am 7. Dezember 1742 mit seiner Oper Cesare e Cleopatra eröffnen. Bis zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 schrieb Graun 28 Opern, unter denen besonders Semiramide (1754) hervorragt. Als Friedrich der Große 1756 bei Prag den großen Sieg erfochten hatte, schuf Graun das herrliche Te Deum.

 

Zu seinem großen Schülerkreis gehörten u. a. Friedrich der Große, Franz Benda und Johann Philipp Kirnberger.

 

Die Brüder Graun gelten als Hauptvertreter der sogenannten Berliner Schule, die, noch stark in der Tradition des 17. Jahrhunderts stehend, einen Mittelweg zwischen den „modernen“ italienischen Stilelementen und deutscher Kontrapunktik suchten. Carl Heinrich hat zwar auch zahlreiche Instrumentalwerke geschaffen, doch liegt der Schwerpunkt seiner kompositorischen Arbeit auf dem Gebiet der Vokalmusik.

 

Neben Johann Adolf Hasse gilt er als der deutsche Repräsentant der italienischen Opera seria. In seiner Jugend am Braunschweiger Hof noch experimentierfreudig, wurde er in Berlin zunehmend konservativer in der Gestaltung. Er bevorzugte die reichverzierte Arie italienischer Provenienz, entwickelte sich aber im Accompagnato und im Arioso zu einem Meister des schlichten Ausdrucks. Seine Spätwerke, vor allem der Montezuma auf ein Libretto des Königs, zeichnen sich durch eine Lockerung der stereotypen Form und einen dramatischeren Ablauf der Handlung aus. Frühklassische Stilelemente beherrschen auch sein Hauptwerk, die Passionskantate Der Tod Jesu, die am 26. März 1755 im Berliner Dom zum ersten Mal und bis 1884 fast alljährlich am Karfreitag in Berlin aufgeführt, bis sie dann endgültig von Bachs Matthäuspassion abgelöst wurde. Auch sein vierstimmiger Chor Auferstehn, ja auferstehn war weit verbreitet.

 

Werke

  • Große Passion Kommt her und schaut für Soli, Chor und Orchester (Graun WV B: VII: 5) (um 1730)
  • Passionskantate Der Tod Jesu für Soli, Chor und Orchester (1755) (Text: Carl Wilhelm Ramler)
  • Weihnachtsoratorium
  • Auferstehn, ja auferstehn für vierstimmigen Chor (1758) (Text: Klopstock)
  • Oper Lo specchio della fedeltà
  • Oper Montezuma, Libretto auf Friedrich der Große
  • Oper Cleopatra & Cesare
  • Oper Rodelinda

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 3, Verlag Herder Freiburg, 1992

Friedrich Wilhelm Bautz: Karl Heinrich Graun In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band II, BBKL Hamm 1990, ISBN 978-3-88309-032-0, Spalten 293-294

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Graun.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Carl Heinrich Graun

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 12.07.2017


 
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