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Melchior Franck

* um 1580 in Zittau (Sachsen)

† 1. Juni 1639 in Coburg

 

Portrait

evangelischer Komponist an der Stilwende von der Spätrenaissance zum Frühbarock

 

Da die Kirchenbücher der Stadt Zittau in einem großen Stadtbrand vernichtet worden waren, konnten Geburts- und Taufdaten Melchior Francks nicht ermittelt werden. Über Melchior Francks Lebensumstände ist sehr wenig bekannt. Es ist kein Bild und kein Nachlass erhalten. Nur eine einzige Handschrift ist von ihm überliefert. Seine Werke zeigen eine gründliche Kenntnis des „niederländischen Stils“ der Lasso-Schule.

 

Melchior Franck war wahrscheinlich Schüler von Christoph Demantius in Zittau und gehörte der Kantorei von Adam Gumpelzhaimer in Augsburg an. Nach einem kurzen Aufenthalt in Nürnberg 1602 trat er 1603 die Stelle des Hofkapellmeisters bei Herzog Johann Casimir in Coburg an, unter dessen langer Regentschaft ein blühendes Musikleben entstanden war, das freilich nach 1632 den Kriegswirren zum Opfer fiel. Auch Franck wurde dadurch schwer getroffen; nach vielen Schicksalsschlägen, wie dem Tod seiner Kinder und seiner Frau, der Not des Dreißigjährigen Krieges und dem Tod von Herzog Johann Casimir, starb Franck in Armut.

 

Francks umfangreiches Schaffen, das sich über seine Lebzeiten hinaus einer großen Beliebtheit erfreute, ist in starkem Maße der Tradition des 16. Jahrhunderts verpflichtet, und nur behutsam und zögernd wandte er sich den neuen musikalischen Satz- und Ausdrucksmitteln zu.

 

Seine weltliche Vokalmusik - in den letzten 15 Lebensjahren fast ganz hinter dem geistlichen Schaffen zurücktretend - zeigt eine deutliche Vorliebe für ältere deutsche Volksliedweisen, volkstümliche Rufe u. ä. Charakteristisch ist für Franck auch die große Zahl von Quodlibets, mit denen er zum Hauptmeister dieser Gattung im frühen 17. Jahrhundert wurde.
Das Volkslied „Ach Tannenbaum“, eine Ursprungsversion des Liebesliedes O Tannenbaum, das später zum populären Weihnachtslied O Tannenbaum umgedichtet wurde, wird ihm zugeschrieben.

 

Francks geistliche Werke sind Orlando di Lasso, vor allem aber Hans Leo Haßler verpflichtet, durch den er auch mit dem venezianischen Stil des 16. Jahrhunderts vertraut wurde. Er vertonte lateinische Texte, deutsche Evangelien-, Andachts- und Choraltexte, vornehmlich zum Gebrauch im evangelischen Gottesdienst. Zahlreiche Motetten, Psalmvertonungen und andere Kirchenmusiken sind erhalten. Bekannt sind beispielsweise die vierstimmigen Gemmulae Evangeliorum (auch herausgegeben als Deutsche Evangeliensprüche für das Kirchenjahr) von 1623, einige Choräle sowie der Kanon Da Pacem Domine. In der musikalischen Gattung bewegt er sich zwischen den Polen einer liedhaft-akkordischen und einer kunstvoll imitatorischen Satzweise. Erst verhältnismäßig spät verwendete Franck den Generalbass und die konzertierende Satzweise, die zuerst in den Geistlichen Konzerten des Rosetulum musicum (1628) und auch später nur vereinzelt erscheint.

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 3, Verlag Herder Freiburg, 1992

Friedrich Wilhelm Bautz: Melchior Franck In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band II, BBKL Hamm 1990, ISBN 978-3-88309-032-0, Spalten 79-80

 

Werke

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/FranckMelchior.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Melchior Franck

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 09.11.2015


 
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