ERZBISTUM KÖLN | TagesLiturgie     

Werkbeschreibung | Wolfgang Amadeus Mozart

Sancta Maria, Mater Dei KV 273

 

Das Sancta Maria gehört zu denjenigen Gesängen der Liturgie, die sich nach der Zeit des Kirchenjahres oder dem jeweiligen Heiligenfest richten.

 

Vergleicht man die Dichtung Sancta Maria mit den De tempore-Gesängen zum Fest Mariä Namen (12. September), für das Mozarts Werk möglicherweise geschrieben wurde, so findet man sowohl im Graduale als auch im Offertorium, nicht zuletzt in der Postcommunio Gedanken, die der unbekannte Dichter in sein Gebet an die Gottesmutter übernommen hat.

 

In den Schlusszeilen der Dichtung »in vita protege, in mortis discrimine defende« tritt deutlich der Bittcharakter hervor.

 

Der vollständige Titel der Handschriften und der veröffentlichten Partituren lautet »Sancta Maria mottetto de B.V.M.« oder »Graduale ad festum B.M.V. "Sancta Maria"«.

 

Das mit »Sancta Maria« unterschriebene und mit »Salzburg, 9. September 1777« datierte Autograph war wohl kaum, wie Alfred Einstein angenommen hat, für das Fest Mariä Geburt (8. September) bestimmt. Die französischen Mozart-Forscher Théodore de Wysewa und Georges de Saint-Foix gehen wohl nicht fehl, wenn sie aus der Vertonung des innigen Gebets schließen, dass das Werk »un acte formel de consécration du jeune Mozaret à la Vierge, avant son départ« darstelle. Mozart machte sich am 23. September 1777 mit seiner Mutter auf den Weg nach Augsburg, Mannheim und Paris, wo sie starb.

 

Ob der 21-jährige Mozart seine Komposition nun zum Fest Mariä Geburt oder Mariä Namen komponierte, sind sich die Mozart-Forscher im 21. Jahrhundert wohl nicht ganz einig.

 

Die Kompositionsstruktur ähnelt derjenigen von Mozarts letzter Motette Ave verum corpus KV 618. Wie dort lehnt sich das Orchester eng an den homophonen Vokalsatz an, dessen Sopranstimme von der 1. Violine entweder wörtlich oder mit instrumentalen Auszierungen übernommen wird. Dem Text folgend ist die formale Struktur dreigliedrig, wobei erster und dritter Teil sich zueinander wie Exposition und Reprise eines Sonatensatzes verhalten, während der mittlere Teil im Tonartenbereich sowie nach Themenwahl und -verarbeitung einer Durchführung entspricht. Das Werk ist, wie Alfred Einstein vermerkt, »kunstvoll und liedhaft zugleich; es ist ebenso tief wie einfach«.

 

Liedtext

Sancta Maria, Mater Dei,
ego omnia tibi debeo,

sed ab hac hora singulariter
me tuis servitiis devoveo,

te patronam,
te sospitatricem eligo.

Heilige Maria, Mutter Gottes,
alles verdanke ich Dir,
aber von dieser Stunde an
weihe ich mich einzig Deinem Dienst;
Dich erwähle ich als meine Patronin,
Dich als meine Beschützerin.

Tuus honor et cultus

aeternum mihi cordi fuerit,

quem ego nunquam deseram,
neque ab aliis mihi subditis
verbo factoque violari patiar.

Deine Ehre und Verehrung
liege mir auf ewig am Herzen,
von ihr möge ich niemals ablassen,
noch dulden, dass sie beleidigt wird von anderen mir Untergebenen,
sei es durch Wort oder Tat.

Sancta Maria, tu pia,
me pedibus tuis advolutum recipe,
in vita protege,
in mortis discrimine defende.
Amen.
Heilige Maria, du Gütige,
nimm mich an, zu deinen Füßen niederkniend,
im Leben beschütze mich,
in Todesgefahr stehe mir bei.
Amen.

 

Besetzung:

Chor SATB, 2 Violinen, Viola, Basso continuo

 

Notenmaterial, Hörproben und Übungsdateien

  • Sancta Maria, Mater Dei

    © 2009 by Choral Public Domain Library, CPDL, Michael Gibson

  • Sancta Maria

    Mozart-Archiv Deutschland, Mozart-Turm, Darmstadt

 

  • Übungsdateien
    Sopran
    Alt
    Tenor
    Bass

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

Willi Schulze: Vorwort zu Wolfgang Amadeus Mozart: Sancta Maria, Mater Dei KV 273, 1. Mai 1981, Carus 40.053/03, Carus-Verlag, Stuttgart, 1982, m.w.N.

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Mozart_KV273.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 01.02.2020


 
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