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Werkbeschreibung | Wolfgang Amadeus Mozart

Missa brevis in C „Piccolomini-Messe“ KV 258

 

Mozart komponierte die Missa brevis in C-Dur KV 258Piccolomini-Messe“ 1775 für vierstimmigen Chor, Soli und Orchester. Der durch Pauken und Trompeten entstandene feierliche Charakter der Messe wird durch später hinzugefügte Oboen-Stimmen weiter hervorgehoben. Dem Gebot der Kürze kommt große Beachtung zu. Einige Besonderheiten weist das stark komprimierte Schlussfugato des Gloria und das die Trinität darstellende Unisono im Credo auf. Das Benedictus stellt sich im Allegro mit voller Besetzung und vokaler Doppelchörigkeit gegen die leise und getragene Tradition dieses Satzes. Das Dona nobis pacem ist in die Gesamtform des Agnus Dei eingebunden.

 

Gelegentlich trägt die Missa brevis KV 258 den Beinamen „Piccolomini-Messe“, dessen Herkunft jedoch ungeklärt ist. In der Vergangenheit war die Messe auch unter dem Beinamen „Spaur-Messe“ bekannt. Leopold Mozart hatte 1778 in einem Brief an Wolfgang Amadeus eine Messe erwähnt, die dieser 1776 anlässlich der Konsekration von Ignaz von Spaur zum Weihbischof von Brixen komponierte. In der Mozart-Forschung herrschte lange Zeit Unsicherheit darüber, um welches Werk es sich bei dieser „Spaur-Messe“ genau handelte. Alfred Einstein bedachte die Messe KV 258 mit dem Spitznamen „Spaur-Messe“, ohne dies näher zu begründen.

 

Neuere Forschung geht einhellig davon aus, dass es sich bei der „Spaur-Messe“ um die Messe C-Dur KV 257 handelt. Dies hatte der Musikwissenschaftler Alan Tyson 1987 durch Vergleiche der von Mozart verwendeten Notenpapiere plausibel machen können. Bestätigt wurde dies 2007 durch den Fund eines Stimmensatzes in Brixen mit handschriftlichen Eintragungen von Wolfgang Amadeus und Leopold Mozart.

 

Aufbau

Das lebhafte Kyrie Kyrie läuft im Allegro durch und ist durch den ständigen Wechsel von Chor und Soli mit entsprechender instrumentaler Begleitung geprägt. Auf das vom Chor forte gesungene Kyrie eleison folgt jeweils das von den Solisten piano vorgetragene Christe eleison.

 

Im straff durchkomponierten und mit einem knappen Fugato endenden Gloria Gloria sind die Singstimmen beherrschend. Den chorischen Anfang mit dem Wort Gloria gestaltet Mozart durch punktierten Rhythmus betont akklamatorisch, so wie er in ähnlicher Weise auch die Worte Gratias und Quoniam akzentuiert und damit den hymnischen Charakter des Satzes unterstreicht.

 

Das Credo Credo gliedert sich in drei Teile mit Et incarnatus est und Crucifixus als langsamen Mittelabschnitt. Das Et incarnatus est wird vom Solotenor gesungen, während das anschliessende Crucifixus nicht wie üblich rein chorisch ist. Vielmehr singt der Chorbass allein viermal chromatisch aufsteigend das drohend wirkende Crucifixus, während die Worte Crucifixus etiam pro nobis den drei oberen Solostimmen zugewiesen sind, bevor der Chor vierstimmig mit passus et sepultus est den Vers beschliesst.

Wie im Gloria wird auch im Credo die feierliche Kürze durch die im Vergleich zu den Missae solemnes deutlich geringere Zahl von Wortwiederholungen erzielt.

 

Das Wort Sanctus Sanctus erklingt auf den beiden ersten Vierteln konform mit den Trompeten und Pauken mit anschliessender Halbepause, die von den Oboen und den Streichern in Sechzehntelbewegungen überspielt werden. Auf den langsamen, majestätischen Beginn des Satzes folgt der schnellere Teil. Das Hosanna ist ein Fugato und geht in kurze Rufe über.

 

Das Benedictus Benedictus ist ein ausgedehnter, temperamentvoller Allegro-Satz, in dem sich Chor und Soli fortwährend abwechseln, verschränken und verbinden. Es findet eine Art Dialog zwischen dem Solistenensemble und dem Chor statt, der in gewissen Abständen immer nur das Wort Benedictus wiederholt, bevor es an zwei Stellen zu Doppelchörigkeit kommt. Mozart setzt keine der Solostimmen wirklich solistisch ein, sondern behandelt das vollständige Quartett wie einen zweiten kleinen Chor. Die Streicher begleiten den Satz mit Tonleiterfiguren in Achteltriolen. Der Einsatz der Oboen, Trompeten und Pauken verleiht dem sonst verhaltenen Satz einen besonders feierlichen Charakter.

 

Das im Adagio durchkomponierte Agnus Dei Agnus Dei beginnt im strahlenden C-Dur-Tutti und wendet sich erst beim Einsatz des Soloquartetts kurzzeitig nach c-Moll. Bemerkenswert ist, dass Mozart im Chorsatz die Worte qui tollis stets subito piano singen lässt, wodurch das folgende Wort peccata im Forte besonders betont wird. Auffallend ist auch der Schluss, wo Mozart das Dona nobis pacem nicht wie in anderen Messen fast wie ein auftrumpfender Kehraus dem Miserere nobis anhängt, sondern aus dem Miserere hervorwachsen und ohne Takt- oder Tempowechsel ausklingen lässt.

 

Besetzung:

Soli (SATB), Chor (SATB), 2 Violinen, 2 Trompeten, Pauken, Bass und Orgel

 

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 16 Minuten.

 

Notenmaterial, Hörproben und Übungsdateien

    • Kyrie
      Kyrie
    • Gloria
      Gloria
    • Credo
      Credo
    • Sanctus
      Sanctus
    • Benedictus
      Benedictus
    • Agnus Dei
      Agnus Dei

Mozart-Archiv Deutschland, Mozart-Turm, Darmstadt

 

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:
Folco Galli: Werkeinführung Dominicus- und Spaur-Messe, S. 8 ff | Berner Kammerchor
Noten für Uraufführung von Mozarts „Spaur“-Messe in Brixen identifiziert Artikel vom 22.06.2007 | Autonome Provinz Bozen Südtirol, Pressedienst
Mag. art. Dr. phil. Hildegard Herrmann-Schneider: Rätsel der Internationalen Mozart-Forschung in Tirol gelöst - Die "Spaur-Messe" jetzt definitiv: KV 257 | Institut für Tiroler Musikforschung Innsbruck

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Mozart_KV258.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 10.09.2017


 
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