ERZBISTUM KÖLN | TagesLiturgie     

Werkbeschreibung | Felix Mendelssohn Bartholdy

Drei Motetten op. 69

 

Die Drei Motetten op. 69, das »Nunc Dimittis«, das »Jubilate Deo« und das »Magnificat«, waren ursprünglich für den anglikanischen Gottesdienst bestimmt, mit dessen reicher chorischer Tradition Mendelssohn auf seinen zahlreichen Englandbesuchen vertraut geworden war. Mendelssohn komponierte diese Werke im Jahr seines Todes 1847 und verwendete Texte der Bibel.

 

1. Herr, nun lässest du deinen Diener op. 69 No. 1, MWV B 60

Deutsches Nunc dimittis (Canticum der Komplet), Lk 2,29-32 mit Doxologie

 

Im Tempel von Jerusalem. Der greise Simeon erkennt in einem Kind den erwarteten Heiland. Die Weissagung erfüllt sich: Erst jetzt, da seine Augen den Verheißenen geschaut haben, darf er sterben. Die Vertonung der Verse aus dem Lukas-Evangelium ist für den anglikanischen Gottesdienst bestimmt. Mendelssohn schreibt sie im Juni 1847. Am 13. Mai ist, ohne Vorwarnung, der Mensch gestorben, der ihm am nächsten steht, seine Schwester. Felix Mendelssohn erleidet den ersten von mehreren Schlaganfällen. Wenige Monate später stirbt er selbst, am 4. November.

 

Liedtext »Nunc Dimittis«

Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du verheißen hast.
Denn mein Auge hat deinen Heiland gesehn, den du bereitet vor allen Völkern,
dass er ein Licht sei den Heiden, und zu Preis und Ehre deines Volkes Israel.
Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, mein Auge hat deinen Heiland gesehn,
welchen du bereitet, dass er ein Licht sei den Heiden, und zum Preise deines Volkes Israel.
Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren.
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist.
Wie es war zu Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Besetzung:

Chor SATB

 

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 5-7 Minuten

 

2. Jauchzet dem Herrn alle Welt, op. 69 No. 2, MWV B 58

Ps 100 mit Doxologie

 

Nur dem Namen nach geht es hier um Jauchzen und Frohlocken. Mendelssohns Musik drückt nur verhaltene Freude aus, zurückhaltenden Jubel und sehr leises Lob. Der Schlüsselsatz dieses Psalmes ist: O geht zu seinen Toren ein mit Danken. Mendelssohn legt das ruhige, abgeklärte Danken diesem Chor als Stimmung zu Grunde. Dank kommt, seinem Ursprung nach, von Denken: sich Gedanken machen, was jemand uns Gutes getan hat.

 

Liedtext »Jubilate Deo«

Jauchzet dem Herrn, alle Welt!
Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken.
Erkennet, dass der Herr Gott ist.
Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
O geht zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben,
danket ihm, lobet seinen Namen.
Denn der Herr ist freundlich, und seine Gnade und Wahrheit waltet ewig.
Denn der Herr ist freundlich.
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Wie es war zu Anfang, jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

 

Besetzung:

Chor SATB

 

Die Aufführungsdauer beträgt ca 6 Minuten

 

3. Mein Herz erhebet Gott, den Herrn op. 69 No. 3, MWV B 59

Lk 1,46-55 mit Doxologie

 

Die Verehrung der Mutter Jesu, wie auch jeder anderen Frau, ist in der protestantischen wie auch in der anglikanischen Kirche umstritten bis verpönt, bestenfalls geduldet. Warum hat Mendelssohn einen Text vertont, der aus der Verkündigungsszene stammt? Warum nur wenige Wochen nach dem Tod seiner über alles geliebten Schwester? Warum in einer Tonart, die nichts Trauriges an sich hat? Könnte Mendelssohns Magnificat eine liebevolle Hommage an Fanny sein, ein sich Ver-gewiss-ern, dass es ihr gut geht, in jener anderen Welt?

 

Liedtext »Magnificat«

Mein Herz erhebet Gott, den Herrn, und es freuet sich mein Geist Gottes, meines Heilandes.
Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd freundlich angesehen.
Sieh, mich preisen selig alle Kindeskinder von nun an; denn er, der da mächtig, dess Name heilig ist, hat Großes an mir getan.
Und Barmherzigkeit erzeigt der Herr an allen, die ihn fürchten.
Mit der Gewalt seines Arms hat er alle zerstreut, die im Herzen hoffärtig sind;
von ihrem Stuhle stößt er die Gewaltigen, und richtet auf, die elend und niedrig sind.
Er erfüllet die Hungrigen alle mit Gütern, und die Reichen gehen leer von ihm hinweg.
Er gedenket der Barmherzigkeit, und hilft seinem Diener Israel auf.
Wie er zugesagt mit seinem Worte, Abraham und seinem Samen ewiglich.
Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem Heiligen Geist.
Wie es war zu Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Besetzung:

Soli SATB, Chor SATB

 

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 11 Minuten

 

Notenmaterial und Übungsdateien

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Mendelssohn_op69.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 08.05.2018


 
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