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Werkbeschreibung | Reinhard Keiser

Passio secundum Marcum (Markus-Passion) | früher Reinhard Keiser zugeschrieben
Authentizität zweifelhaft, wahrscheinlich von Friedrich Nicolaus Bruhns (1702) oder Gottfried Keiser

 

Die wohl im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts entstandene Markus-Passion eines bislang nicht näher bekannten Komponisten namens Kaiser ist nur in verschiedenen Abschriften erhalten.

 

In Bachs Notenbibliothek nimmt sie einen prominenten Platz ein, denn sie ist die einzige fremde Passionsmusik, die Bach mindestens drei Mal (1712 in Weimar, 1726 und zwischen 1743 und 1748 in Leipzig) - in jeweils unterschiedlicher Gestalt - zur Aufführung brachte. Dabei stellte er von dem Werk, wie damals üblich, eine eigene Version her, bei der die jeweiligen Erfordernisse und Gegebenheiten der Besetzung berücksichtigt wurden. In der Weimarer Fassung etwa fügte Bach zwei Choräle hinzu. Ob er ihr Autor ist, ist angesichts der etwas ungelenken Harmonieführung allerdings zweifelhaft. In der dritten und letzten Fassung ersetzte er sieben Arien von Keiser durch Arien aus der Brockes-Passion von Georg Friedrich Händel.

 

Keisers Passion war in vieler Hinsicht das Vorbild für Bachs Passionen. Dies fällt bereits beim formalen Aufbau auf. Bach übernahm die Abfolge von Chören, Evangeliumserzählung, Arien und Chorälen. Auch in der Arientechnik und in der Behandlung der Rezitative gibt es Parallelen. Besonders deutlich ist dies bei den Jesus Worten, die bei Bach und Keiser mit einem weichen Streicher-Akkompagnato unterlegt sind. Auf Bach abgefärbt hat im übrigen der Sinn des ausgewiesenen Theatermusikers Keiser für Dramaturgie.

 

Die Markus-Passion, der Bach für seine Matthäus-Passion die Idee entnahm, die Jesus-Rezitative mit Streichern zu begleiten, passt nicht in Keisers Schaffen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Keiser der Komponist ist; aber »es fehlt an einem Nachweis, daß er mit dieser liturgischen Art der Passionsmusik im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts zu tun hatte.« 1).

 

Wie Kaiser seine Passion selbst aufgeführt hat, ist unbekannt. Eine Originalversion des Werkes wurde bislang nicht gefunden. Was wir heute davon wissen, beruht auf mehr oder weniger bearbeiteten Aufführungsmaterialien verschiedener Kantoren. Nicht zuletzt deswegen wird teilweise angezweifelt, ob die Passion von Keiser stammt.

 

Das gedruckte Libretto der Markus-Passion ist hinsichtlich der Autorschaft mehrdeutig und lässt offen, ob der Hamburger Dommusikdirektor Friedrich Nicolaus Bruhns 1707 lediglich eine Aufführung leitete oder aber als Komponist genannt wird.

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

1) Daniel R. Melamed / Reginald L. Sanders: Zum Text und Kontext der ‚Keiser‘-Markuspassion, in: Bach-Jahrbuch 85 (1999), S. 36

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Keiser_Markuspassion.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 03.02.2020

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