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Werkbeschreibung | Joseph Haydn

Missa brevis Sancti Joannis de Deo | Kleine Orgelsolomesse Hob. XXII:7

 

Die Missa brevis Sancti Joannis de Deo B-Dur (Hob. XXII:7) ist die 7. Messkomposition Joseph Haydns.

 

Das Datum der Komposition ist nicht sicher, da das Autograph kein Datum trägt. Die Messe entstand wahrscheinlich zwischen 1773 und 1777. Der Widmungsträger ist der 1550 verstorbene portugiesische Mönch Johannes Ciudad, genannt Johannes von Gott.

 

Johannes von Gott ist der Gründer des Ordens der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt. Haydn lebte in Eisenstadt und arbeitete für den Hof von Nikolaus II., Prinz Esterházy. Die kleine Orgel (I/8, Ped.) in der Barmherzigenkirche Hl. Antonius von Padua, 1732 von Johann Franz Frey aus Wiener Neustadt/Niederösterreich gebaut, wird auch »Haydnorgel« genannt, da Joseph Haydn selbst auf dieser Orgel spielte und für dieses Instrument die Kleine Orgelsolomesse verfasste.

 

Die Messe ist für Sopransolo, vierstimmigen Chor und das Wiener Kirchentrio geschrieben. Diese Besetzung umfasst zusätzlich zur Orgel lediglich zwei Violinen und Bass (Cello oder Kontrabass).

 

Wegen der Einfachheit der musikalischen Mittel bei gleichzeitiger hoher melodischer Ausdruckskraft gehört die Kleine Orgelsolomesse zu den meistaufgeführten Kirchenwerken Haydns.

 

Aufbau

Das Gloria dieser insgesamt kaum eine Viertelstunde dauernden Brevis-Messe rauscht aufgrund seiner Polytextur in einer knappen Minute vorbei; genauer gesagt handelt es sich um eine »Quadrupel-Textur«, denn die vier Chorstimmen tragen den Text geschichtet in vier gleichzeitig erklingenden Abschnitten vor, um sich bei Cum Sancto Spiritu wieder zu vereinen. Dadurch wird zwar der gesamte liturgisch vorgeschriebene Text vorgetragen, ist jedoch für den Hörer nicht verständlich.

 

Die Messe wurde auch in Salzburg verwendet, wo die Textkomprimierung als »inakzeptabel« eingestuft wurde. Daher fertigte Joseph Haydns Bruder Michael später eine erweiterte, textlich aufgefächerte Fassung dieses Satzes an und erweiterte das Gloria von 31 auf 118 Takte. Dabei verwendete er den ersten Teil des Agnus Dei und baute ihn mit verändertem Text als Mittelteil in das Gloria ein.

 

In den Rahmenteilen des dreigliedrigen Credo verfährt Haydn ähnlich wie im Gloria, während er Et incarnatus est und Crucifixus vergleichweise breit gestaltet.

 

Im gleichfalls breiter angelegten Benedictus korrespondiert das reich verzierte Orgelsolo - daher der Beiname Kleine Orgelsolomesse - mit der ruhiger dahinfließenden, aber durch exponierte Lage und große Sprünge recht anspruchsvolle Kantilene des Solosoprans.

 

Im Agnus Dei sorgt Haydn für dramatische Kontraste in der Dynamik und setzt Agnus Dei als homophonen Fortissimo-Ruf einem Pianissimo-Gebet Dona nobis pacem gegenüber. Das Ende ist mit »perdendosi, senza organo« (absterbend, ohne Orgel) und einem Pizzicato-Bass gekennzeichnet.

 

Besetzung:

Solo (S), Chor (SATB), 2 Violinen, Violoncello/Kontrabass und Orgel

 

Eine Aufführung dauert ca. 15 min

 

Notenmaterial und Übungsdateien

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

Michael Wersin (Hrsg.): Reclams Führer zur lateinischen Kirchenmusik, Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart, 2006

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/Werkbeschreibung/Haydn_HobXXII-07.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 15.07.2019

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