ERZBISTUM KÖLN  TagesLiturgie     

Das Jahr steht auf der Höhe [GL 465]

Den Text des Mittsommerliedes dichtete Detlev Block, geboren am 15. Mai 1934 in Hannover, evangelischer Pfarrer im Ruhestand, Professor (h.c.), Schriftsteller, Lyriker und Kirchenlieddichter, 1978.

 

Die Melodie schrieb Johannes Steuerlein 1575, ursprünglich wohl mit einem weltlichen Text, die im evangelischen Kirchengesang unter dem von Martin Behm verfassten Frühlingslied Wie lieblich ist der Maien (EG 501) bekannt ist.

 

Der Komponist und gekrönte Dichter Steuerlein, 1547 in Schmalkalden geboren, war anfänglich Stadtschreiber in Wasungen, später Kanzleisekretär und schließlich Stadtschultheiß in Meiningen, verstarb 1613 in Meiningen.

 

Liedportrait

Detlev Block nimmt einen ganz bestimmten Zeitpunkt zum Anlass: die Jahresmitte, den Sommeranfang, der nach dem aufblühenden Frühling gewiss zu den schönsten Zeiten gehört und uns meist in Urlaubsstimmung antrifft.

 

Aber selbst auf der Höhe des Wohlbefindens gibt es Grund zur Nachdenklichkeit. Auf Blüte und Reife folgt regelhaft Ernte und Absterben, nach dem längsten Tag werden die Tage wieder kürzer und die Nacht nimmt zu.

 

Der Zyklus der Jahreszeiten nimmt vorweg, was unserem ganzen Leben beschieden ist. Von der Mitte an ist auch an einen näher kommenden Abschied zu denken. Wir müssen frühzeitig lernen, loszulassen, unsere Vergänglichkeit anzunehmen.

 

Das kann leichtfallen, je klarer das wahre Ziel des Lebens vor Augen steht: Gottes Ewigkeit, in die sein Sohn auferstanden ist. Der Ostermorgen ist die bleibende Antwort auf unsere Ängste.

 

Am 21. Juni ist Sommeranfang und damit der längste Tag des Jahres. Danach werden die Tage wieder kürzer. Das Bild von der Waage beschreibt diesen Schwebezustand: Zwischen dem Auf und Ab der beiden Waagschalen gibt es nur einen Punkt des Gleichgewichts. So ist es auch mit dem Tageslicht im Jahreslauf. Die Waage erinnert uns daran, auf das Heute zu achten und die Zeit zu nutzen. Darum sagt das Lied: „Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin.“ Wir werden aber auch an die Vergänglichkeit unseres Daseins erinnert und zur Wachsamkeit ermahnt: „Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit. Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit.“  

 

Die christliche Überlieferung hat dieses Bild von der Waage an der Gestalt Johannes des Täufers festgemacht, der im Blick auf den kommenden Jesus sagte: »Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.« (Joh. 3,30) Johannes zeigt den Menschen den Weg zu Jesus. Darum begehen wir seinen Geburtstag am 24. Juni, wenn die Tage kürzer werden. Genau gegenüber der Christgeburt zu Weihnachten, am 24. Dezember. Dann nimmt das Licht von Tag zu Tag wieder zu.

 

Im Gotteslob, Ausgabe 2013 hat es unter der Nummer 465, mit einer 2012 entstandenen Änderung der 4. Strophe seinen Platz gefunden.

 

Liedtext

1. Das Jahr steht auf der Höhe,
die große Waage ruht.
Nun schenk uns deine Nähe

und mach die Mitte gut.
Herr, zwischen Blühn und Reifen

und Ende und Beginn.
Lass uns dein Wort ergreifen
und wachsen auf dich hin.

 
2. Kaum ist der Tag am längsten,
wächst wiederum die Nacht.
Begegne unsren Ängsten
mit deiner Liebe Macht.
Das Dunkle und das Helle,
der Schmerz, das Glücklichsein
nimmt alles seine Stelle
in deiner Führung ein.
 
3. Das Jahr lehrt Abschied nehmen
schon jetzt zur halben Zeit.
Wir sollen uns nicht grämen,

nur wach sein und bereit,
die Tage loszulassen
und was vergänglich ist,
das Ziel ins Auge fassen,
das du, Herr, selber bist.

 
4. Dein Jahr nimmt zu für immer,
und unser Jahr nimmt ab.
Dein Tun hat Morgenschimmer,
das unsre sinkt ins Grab.
Gib, eh der Sommer scheitert,
der äußre Mensch vergeht,
dass sich der innre läutert
und zu dir aufersteht.
Du wächst und bleibst für immer,
doch unsre Zeit nimmt ab.
Dein Tun hat Morgenschimmer,
das unsere sinkt ins Grab.
Gib, eh die Sonne schwindet,
der äußre Mensch vergeht,
dass jeder zu dir findet
und durch dich aufersteht.
  Detlef Block, 1978 Detlef Block, 2012

 

Hörproben

Marcus Dahm arrangierte 2013 im Auftrag von Vincent Heitzer eine Fassung für Chor, Orgel und Blechbläser. Die Uraufführung fand am 23. Juni 2013 in einem Festgottesdienst in Sankt Marien, Bonn anlässlich der Verabschiedung von Pfarrer Peter Adolf durch die Chöre der Kirchengemeinde Sankt Petrus, Bonn unter der Leitung von Vincent Heitzer statt.

  • Das Jahr steht auf der Höhe

     

    Uraufführung am 23. Juni 2013, St. Marien, Bonn |
    Chorgemeinschaft Sankt Marien, Kirchenchor Sankt Joseph, Stifts-Chor Bonn · Blechbläserensemble ·
    Richard Brasier, Orgel · Stefan Mohr, Chororgel · Vincent Heitzer, Leitung | Aufnahme und Gestaltung: Vincent Heitzer

 

Literaturnachweis, Quellen, weiterführende Links:

Gotteslob (GL), Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Ausgabe für das Erzbistum Köln.
2013, Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart (Nr. 465)

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/dokumente/werkbeschreibung/GL465.html

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 12.07.2017

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