Tagesimpuls

13.04.: Ostermontag

Damals:

Zwei Jünger auf dem Weg.

Mit den Ereignissen in Jerusalem ist eine Welt zusammengebrochen.

Ein Dritter kommt hinzu.

Erörterung der Schrift, mit Blindheit geschlagen.

Brechen des Brotes, die Augen öffnen sich, sehen IHN aber nicht mehr.

 

Heute:

Leben mit dem Virus.

Unsicherheit und Ängste.

Distanz und neue Gemeinschaft, Augen öffnen sich.

Sehen den Nächsten.

Erleben Christus.

Halleluja!

 

Hermann-Josef Jung

Impulse des Pastoralteams zum "Triduum sacrum"

Gründonnerstag: Fußwaschung

„Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ (Joh 13,12)

Jesus wäscht Simon Petrus die Füße. Schon sehr lange bin ich von dieser Darstellung im 13. Kapitel des Johannes-Evangeliums ergriffen. Der, den sie – und wir mit ihnen – als Herrn und Meister verehren, beugt sich herab. Er übernimmt einen Dienst, der damals wie heute nicht zu den angenehmen Aufgaben und Diensten zählt. Nicht einmal unter Freunden. Dieser Fischer vom See Genezareth hat lange Wege zurückgelegt. Wahrscheinlich waren ihm die hygienischen Standards heutiger mitteleuropäischer Gesellschaften nicht vertraut. Vielleicht waren es Schweißfüße. Das wissen wir nicht. Es steht dort nicht geschrieben. Es hat Jesus nicht interessiert. Er übernimmt ganz selbstverständlich am Abend vor seinem Leiden den Dienst des Sklaven. Was hätte man in diesem Augenblick nicht alles machen können? Es gibt gewiss sinnvollere, spektakulärere, dem Anlass angemessenere Tätigkeiten in den letzten Stunden eines menschlichen Lebens. Aber Jesus zeigt seinen Jüngern, wer er wirklich ist – und: wer sie – und wir mit ihnen – sein sollen. Diener. Einer für den Anderen. Nicht fies vor unangenehmen Gerüchen und nicht bange vor entsetzten Blicken. 

Eines wird manchmal übersehen: Welche Herausforderung ist es für Simon Petrus, sich die Füße waschen zu lassen. Ihm ist es unangenehm. Doch auch das ist die Botschaft, ja vielleicht sogar die alles überragende Botschaft: Es ist der Herr, der zuallererst mir dient. Er macht den Anfang. Er gibt das Beispiel. Petrus – und wir mit ihm – muss sich überwinden: Schließlich aber macht er dem Herrn das Geschenk, ihm dienen zu dürfen. Wenn wir uns für diese frohe Botschaft öffnen, machen wir Gott das Geschenk, dass er uns dienen darf. Auch darin liegt das Wunder des christlichen Glaubens. Nicht nur am Gründonnerstag.

Tim Schlotmann, Pastoralassistent