Geistliches Wort von Pfarrer Stephan Pörtner in Zeiten der Corona-Krise

Liebe Schwestern und Brüder,

gegenwärtig überschlagen sich nicht nur die Ereignisse, sondern auch die Versuche, sprachlich zu fassen, was geschieht und wie wir uns fühlen.

Wir sind herausgerissen aus unseren gewohnten Abläufen des alltäglichen Lebens, Arbeitens und Lernens. Wir spüren die großen Schwierigkeiten, unserer Verantwortung gegenüber unseren Familien, Eltern und Kindern gerecht zu werden. Wir denken an Menschen in unserer Umgebung, die auf Hilfe angewiesen sind. Wir werden konfrontiert mit unseren eigenen Unsicherheiten, Sorgen und Ängsten, Hilflosigkeiten.

Auch der Wegfall unserer Gottesdienste gehört in die Reihe plötzlich in Frage stehender Selbstverständlichkeiten.

Wir stehen in der Fastenzeit. Geistlich wird uns jetzt ein Fastenopfer ganz eigener Art aufgegeben.

Ich denke in diesen Tagen an das Volk Israel. Mehrfach muss dieses Volk leidvoll erfahren, dass es aus seinem Land vertrieben wird, dass der Tempel und die Gotteshäuser zerstört werden, es für die Gläubigen keine heiligen Orte der Versammlung und der Gottesverehrung mehr gibt. In dieser Zeit verstärkt sich im Volk Israel die Gestaltung der Sabbatkultur, die Heiligung der Zeit und besonders die Heiligung des „Tages des Herrn“. Die zahlreichen Sabbatgebote haben hier ihren Ursprung.

Jesus hat sich oft kritisch zu der allzu strengen Befolgung der Sabbatgebote geäußert und sie an einigen Stellen bewusst übertreten, um ihren eigentlichen Sinn wieder zugänglich zu machen: Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat (Mk 2, 27).

Vielleicht gelingt es uns in dieser schwierigen Zeit, da wir keinen Ort haben, die Zeit tatsächlich zu „heilen“ und zu „heiligen“: eine feste Gebetszeit, eine Hausandacht am Sonntag, die innere Mitfeier der Übertragungen der Gottesdienste in Fernsehen, Radio und Internet.

Bis auf Weiteres läuten jeden Abend um 19.30 Uhr die Glocken aller Kirchen im Erzbistum, ein Zeichen unserer Verbundenheit und Solidarität im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.

Bleiben wir verbunden und bleiben Sie und Ihr alle hoffentlich gesund!
Ihr
Stephan Pörtner, Pfr.