Die katholische Kirche hat nach dem II. Vatikanischen Konzil die Zahl der Lesungen, die die
Gottesdienstbesucher hören können, dadurch vergrößert, dass für den Sonntag drei Zyklen
zusammengestellt wurden, die Lesejahre A, B und C. Diese Lesejahre gelten auch für die großen
Feste. Das jeweilige Lesejahr beginnt nicht mit dem 1. Januar, sondern mit dem 1. Advemt des
Vorjahres. Grundlage für die Lesejahre sind die Evangelisten Matthäus (Lesejahr 1), Markus,
(Lesejahr 2), Lukas (Lesejahr 3). An den Festtagen wird der Text aus dem jeweiligen Evangelium
genommen, außerhalb der Festkreise wird das Evangelium kontinuierlich gelesen. Das
Johannesevangelium hat kein eigenes Lesejahr, es wird vor allem in der Osterzeit gelesen. Die 1.
Lesung wird an den meisten Sonntagen und vielen Festtagen aus dem Alten Testament entnommen. Der
Text entspricht thematisch dem Text aus dem Evangelium. In der 2. Lesung wird kontinuierlich ein
Brief aus dem Neuen Testament gelesen.
Für die Zeiten zwischen dem 6.Januar und Aschermittwoch sowie zwischen Pfingsten und dem
1. Advent sind die Sonntage durchnumeriert. Es bleiben in der Regel 34 Sonntage, in manchen Jahren
weniger, nämlich wenn in die Weihnachtszeit viele Sonntage fallen. Der Sonntag nach Epiphanie wird
als 1. Sonntag im Kirchenjahr gezählt. Er hat immer das Evangelium von der Taufe Jesu, das sich bei
jedem Evangelisten findet. Nach dem Aschermittwoch beginnen die Sonntage der Fastenzeit. Die
Sonntage der sog. Vorfastenzeit sind mit der Liturgiereform abgeschafft worden, sie heißen
Septuaginta, Sexuaginta, Quinquaginta. Nach Pfingsten wird die Reihe der Sonntage im Jahreskreis
fortgesetzt. Wenn keine 34 Sonntage übrig geblieben sind, wird vom letzten Sonntag des
Kirchenjahres zurückgerechnet. Es entfallen dann die Sonntage, die nicht mehr berücksichtig können,
so daß die Zählung immer mit dem 34. Sonntag endet.
Die Lesungen für die Wochentage orientieren sich an der Nummer des jeweiligen Sonntags. Da
der Sonntag der erste Tag der (jüdischen) Woche ist, folgt z.B. auf den 12.Sonntag im Jahreskreis
die 12. Woche, die jeweils am Samstagabend um 18 Uhr endet. Daher kann man am Samstagabend bereits
den Sonntagsgottesdienst feiern.
Für die Zählung der Sonntage und damit der Wochen noch ein Hinweis: Früher wurden diese als
„Sonntage nach Epiphanie" und „Sonntage nach Dreifaltigkeit“ oder nach
Pfingsten (und war darum der evangelischen um einen Zähler voraus) gezählt. Mit der Liturgiereform
nach dem II. Vatikanischen Konzil, die 1969 in Kraft trat, wurden die oben beschriebenen
Leseordnungen und die Zählung der Sonntage eingeführt.
Um herauszufinden, welcher Sonntag gerade gefeiert wird und welche Lesungen für die
Wochentage vorgesehen sind, gibt es in jeder Sakristei ein sog. Direktorium. In Kirchenzeitungen
finden sich ebenfalls für die kommende Woche die Angaben. Im Direktorium ist für jeden Tag
angegeben, was gefeiert wird. Das ist nicht nur wegen der Sonn- und Feiertage wichtig, sondern auch
für die einzelnen Wochentage. Denn die Heiligenfeste sind nicht nach dem Wochenrhythmus festgelegt,
sondern nach dem Monatsdatum. Wie Weihnachten auf verschiedene Wochentage fallen kann, so auch z.B.
der Gedenktag des heiligen Franziskus am 4.Oktober. Wenn kein größeres Fest und auch kein
Heiligengedenktag auf den Wochentag fallen, wird die Messe „vom Tag“ mit ihren Lesungen
zugrunde gelegt. Für die Wochentage gibt es nicht drei, sondern nur zwei Zyklen. Sie heißen
Lesejahr I und II. Es ändert sich, anders als bei den drei Zyklen für die Sonn- und Feiertage,
nicht die Auswahl der Evangelientexte, sondern nur die sog. 1. Lesung, da hierfür die Auswahl sehr
viel größer ist. Während für die Lesung aus den Evangelien nur vier Evangelien zur Verfügung
stehen, kann für die 1. Lesung aus dem gesamten Alten Testament sowie aus der Apostelgeschichte,
den Briefen und der Geheimen Offenbarung des Neuen Testaments ausgewählt werden.
Übersicht
der Leseordnung 2008 - 2018 zum Download