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Langes Warten auf GleichberechtigungDr. Annette von Alemann vertritt die Soziologieprofessur für Soziale Ungleichheit und Genderforschung an der Universität Duisburg-Essen. Ungleichheit von Männern und Frauen ist eines ihrer Forschungsthemen. In diesem Beitrag geht sie der Frage nach, wie sich die Gleichberechtigung in Gesellschaft und Kirche entwickelt hat. Neben ihrer Arbeit bringt sie gemeinsam mit ihrem Sohn musikalische Talente in das Severiner Gemeindeleben ein. "Männer und Frauen sind gleichberechtigt", heißt es in Artikel 3 des Grundgesetzes (1949). Dieser Artikel war ein wichtiger Meilenstein auf dem langen Weg der Frauen zur Gleichberechtigung. Schon während der Französischen Revolution entstanden erste Frauenclubs, die Gleichberechtigung und Wahlrecht für Frauen forderten, während die allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte noch auf Männer beschränkt waren. In Deutschland wurden Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Frauenvereine gegründet, auch wenn sich Frauen noch nicht offiziell politisch betätigen durften. Wählen und gewählt werden durften sie erst ab 1918.
Heute entscheiden Männer und Frauen frei über ihr Leben. Sie haben ähnliche Wünsche und
Lebensziele, und Beruf und Familie sind ihnen gleich wichtig.
Und auch in der Kirche hat das Warten kein Ende. In der evangelischen Kirche wurde 1958 die erste Pfarrerin ordiniert. Aber erst seit 1969 dürfen Pfarrerinnen auch heiraten. Und bis in die 1990 Jahre durften Pfarrer ein Veto gegen Kolleginnen einlegen. Noch heute ist Elternzeit von Pfarrerinnen und Pfarrern eine Seltenheit.
Die Geschichte der Gleichberechtigung ist also eine Geschichte des langen Wartens. Ein Warten, das immer wieder belohnt wurde: Frauen sind vor dem Gesetz gleichberechtigt, dürfen alle Ausbildungswege und Berufe ergreifen und erreichen inzwischen bessere Noten und Bildungsabschlüsse. Aber sie verdienen immer noch weniger Geld als Männer, übernehmen mehr unbezahlte Pflege- und Familienarbeit und dürfen in der katholischen Kirche keine Weihe-Ämter ausüben (und auch in der evangelischen Kirche sind sie in den höheren Positionen unterrepräsentiert). Viele Ungleichheiten haben sich eben doch nicht geändert – oder verändern sich nur langsam.
Leseempfehlung aus unserer Bücherei:Demel, Sabine: Frauen und kirchliches Amt. Grundlagen – Grenzen – Möglichkeiten (Re 4.3 Demel) Eckholt, Margit: Ohne die Frauen ist keine Kirche zu machen. Der Aufbruch des Konzils und die Zeichen der Zeit (Re 4.3 Eckho) |
Frauen leiten seit vielen Jahren Wort-Gottes-Feiern.