Erzbistum Köln     

Als ich selbst in der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter war, muss ich gestehen, hat mich das mit der Homosexualität noch irritiert. Weil ich selbst mich zu gleichaltrigen Frauen hingezogen gefühlt habe und es nicht nachempfinden konnte, das Mann andere Männer attraktiver fand. Beim weiblichen Geschlecht war ich eher enttäuscht, weil attraktive junge Frauen sich nicht für mich, sondern für andere attraktive junge Frauen interessierten. Da war ich chancenlos – sehr schade. Irritiert hat mich aber auch meine eigene Sexualität, weil die Frage nach der richtigen Partnerwahl einen jungen Menschen ganz „wuschig“ im Kopf machen kann. Das ist wirklich keine leichte Zeit für Heranwachsende.

 

Geärgert hat mich schon damals, dass homosexuelle Frauen und Männer Zielscheibe von zotigen Witzen oder offenen Anfeindungen und Ausgrenzungen geworden sind. Weil ein enger Freund, viel mit mir darüber gesprochen hat, wie sehr er darunter leidet, seine Liebe zum Partner verstecken zu müssen und ich erlebt habe, wie viel es ihn gekostet hat, am Ende doch noch eine glückliche Beziehung eingehen zu können, habe ich eine Abneigung gegen diejenigen entwickelt, die glauben, über lesbische Frauen oder schwule Männer Witze, oder abfällige Bemerkungen machen zu müssen. Nein, es war und ist nicht leicht, selbst in unserer freiheitlichen Gesellschaft, homosexuell zu sein!

 

Bestürzt bin ich über die Haltung meiner Kirche. Kardinal Höffner, den ich zu Beginn meines Theologiestudiums noch erlebt habe, wusste zu unterscheiden, dass Homosexualität an sich keine Sünde sei, es sei aber sehr wohl eine Sünde „es“ zu tun. In der Zwischenzeit sind Bischöfe etwas vorsichtiger, sprechen nicht mehr ganz so unbeholfen vom „es“ und vermeiden auch den Begriff der Sünde, wenn sie über Homosexualität reden. Nichts desto trotz bleibt die Grundaussage dieselbe. Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff hat vor einiger Zeit in einem YouTube Video im Domradio darüber gesprochen, dass es für ihn kein Problem sei, dass jemand schwul oder lesbisch ist und dass er dem oder der Einzelnen nicht den Segen verweigern würde. Es sei aber etwas ganz Anderes die homosexuelle Partnerschaft zu segnen, denn die sei entgegen der göttlichen Schöpfungsordnung. Dieselbe Haltung in anderem Wortgewand. Dass die theologisch - philosophische Grundlage dieser Argumentation, die sogenannte Naturrechtslehre, in der Theologie umstritten ist, sei hier nur am Rande erwähnt.

 

Wie unbarmherzig diese Haltung ist, wird deutlich, wenn man sich einen Satz des verstorbenen Kölner Erzbischofs Joachim Meisner in Erinnerung ruft, den er unzählige Male und zu vielen Gelegenheiten gesagt hat und nicht selten mit dem für ihn so typischen erhobenen Zeigefinger: „An Gottes Segen ist alles gelegen!“

Ausgerechnet Kardinal Meisner zu zitieren, der weit davon entfernt war Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare zu befürworten, mag verwundern. Aber ungewollt hat er es auf den Punkt gebracht. Zu segnen, also Menschen und deren Leben Gottes Gegenwart und damit Glück und Wachstum, Hoffnung und Schutz zuzusagen, ist Auftrag der Kirche!

 

Wenn sie diesen Zuspruch verweigert, darf sie sich nicht wundern, dass ihre Gläubigen sich nicht mehr sicher sind, ob sie noch Teil dieser Kirche sein wollen. Theologische Erklärungen, die zwischen dem Segnen von einzelnen Menschen und dem Segnen von Lebensentwürfen ebendieser Menschen unterscheiden, können kaum darüber hinwegtäuschen, dass es nach wie vor um Ausgrenzung geht, darum, dass es nicht zu genügen scheint Geschöpf Gottes zu sein, sondern darauf zu beharren, dass Gott offenbar Menschen ins Leben stellt, die seiner eigenen Schöpfungsordnung nicht entsprechen. Ein verstörendes Gottesbild - zudem eines, dass nichts mit demjenigen zu tun hat, dass Jesus gezeichnet hat.

 

Aber ein Hoffnungsschimmer bleibt, wenn der Vorsitzende der Bischofskonferenz Georg Bätzing nach der Verlautbarung aus Rom sagt: "Die von der Glaubenskongregation heute vorgebrachten Gesichtspunkte müssen und werden selbstverständlich in die Gespräche des Synodalen Wegs Eingang finden.“ Auch andere deutsche Bischöfe, wie Franz Josef Overbeck aus Essen, gehen zur römischen Verlautbarung auf Distanz.

Die Hoffnung stirbt zuletzt - aber gut geht es ihr nicht.

 

Markus Dörstel, Pastoralreferent

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