Erzbistum Köln     

Ich wünsch’ mir, dass was bleibt. Kirche nach Corona.

Ich wünsche mir nichts mehr, als dass diese Pandemie ein Ende hat. Dass wir das Virus besiegt haben. Dass Alte wie Junge nicht mehr an dieser tückischen Krankheit sterben oder ewig leiden. Dass wir uns wieder frei bewegen und begegnen können. Dass Kinder wieder Kinder sein können und junge Erwachsenen ihr Leben wieder bekommen! Dass Menschen wieder Arbeit haben. Dass wir wieder normal in die Kirche, die Messe gehen können.

 

Normal in die Messe gehen können..., wünsche ich mir das wirklich?

 

In Zeiten von Corona habe ich eine neue Form von Kirche, von Messe, von Gottesdienst kennengelernt. Online, über Zoom. „Punkt 12. Der Wohnzimmergottesdienst.“ Ohne Eucharistie (leider), ohne Orgelspiel (leider, aber großartig begleitet am Klavier), ohne Kirchenraum (leider).

Dafür aber mit völlig neuer Erfahrung von Gemeinde im Sinne von „Gemeinsam mit Gott und seinen Brüdern und Schwestern sein“. Zu Hause, im eigenen Wohnzimmer.

 

Was ist anders an einen Zoom-Gottesdienst?

1. Wir sehen uns während der Feier (an) – in der Kirche sitzen wir hintereinander und sehen unsere Rücken.

2. Wir sprechen nach dem Evangelium und dessen Auslegung miteinander (die Auslegung übrigens gehalten von Pastoralreferent*innen, die allesamt Theologie studiert haben und wissen, was sie tun) - in einer normalen Messe sprechen wir nicht. Nicht über die Ecken und Kanten des Evangelientextes, nicht über die Predigt und die Impulse, die sie gegeben hat, wir sprechen v.a. nicht miteinander.

3. Im Online-Gottesdienst formulieren wir spontan Fürbitten, die dann von Teilnehmer*innen vorgelesen werden. In der Kirche hören wir Fürbitten zu, die von wem auch immer vorher formuliert wurden. „Wir bitten Dich, erhöre uns“. Oft nur gemurmelt...

4. Wir singen, mit Noten und Text allein im Wohnzimmer – das ist blöd, aber mittlerweile empfinde ich auch das als so innig und stimmig, das ich es nicht mehr missen möchte.

5. Im Online-Gottesdienst geht es gemeinsamer zu. Wir sind nicht fixiert auf DEN Einen, der da vorne seinen Dienst tut. WIR tun den Dienst. WIR tragen uns durch die Feier, WIR öffnen uns dem/der Anderen, wir SEHEN uns im Gebet. Jesus im Nächsten. So sollte es doch sein....

 

Ich weiß nicht, was von diesem „aus-der-Not-geboren“-Format nach Corona in eine normale Messe übernommen werden kann. Ich fürchte, nicht viel. Ich wünsche mir, alles! Und wenn nicht alles, dann mögen wenigstens Dialog, Augenhöhe und das neue Miteinander bleiben.

 

Heike Marth, Mai 2021

 
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