Kaplan Thorsten Kluck

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Was würde Jesus wohl sagen?


Eigentlich habe ich seit meiner Kindheit Erfahrungen mit dem Gemeindeleben machen können. Angefangen habe ich als Messdiener, war später in der Leiterrunde, als Lektor und ehrenamtlicher Küster tätig. Im Grunde war es um die Zeit der Erstkommunion, als bei mir das Interesse an der Kirche geweckt wurde. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es nicht nur kindliche Faszination war, sondern etwas, was immer irgendwie da war und auch geblieben ist.
Auch während meiner Ausbildung und Tätigkeit als Notarfachangestellter habe ich diese Verbundenheit und das Gefühl, zum Dienst an Gott und an den Menschen gerufen zu werden, nie ganz verloren. Es war mal mehr, mal weniger spürbar, erschien mal mehr und auch mal weniger drängend, ist aber nie ganz verschwunden. Ich muss sagen, dass ich trotzdem lange überlegt habe, ob ich tatsächlich den Schritt in die Priesterausbildung machen soll oder nicht. Letzten Endes wurde mir klar, wenn ich ihn nicht machen würde, würde ich immer das Gefühl haben, meine wahre Aufgabe verfehlt zu haben. Also habe ich mich im Jahr 2010 beworben und dann mein Studium und die praktische Ausbildung bis zu meiner Priesterweihe im Jahr 2017 begonnen.
Bei meiner Arbeit ist für mich ganz entscheidend, mich immer zu vergewissern, in wessen Auftrag ich meinen Dienst tue. Das ist das Maß, an dem ich versuche, mich selbst zu messen, indem ich mir auch immer wieder selbst die Frage stelle, was würde Jesus in der konkreten Situation wohl sagen. Ich persönlich denke, bei dieser Frage können wir nie falsch liegen, wenn wir uns bemühen, eine Kirche mit Herz zu sein. Eine Gemeinschaft also, die die Liebe Gottes nicht nur mit großen Worten verkündet, sondern ganz selbstverständlich im Alltag lebt und bezeugt. Eine hochtrabende und sich selbst mit Konzepten und Thesen erdrückende Pastoral ist mir fremd. Es braucht klare Ordnung und Strukturen und auch die Achtung der jeweils eigenen Kompetenzen der verschiedenen Dienste, damit eine Gemeinschaft funktionieren kann. Aber alle diese Strukturen haben nur dann einen Sinn, wenn sie nicht unser Hauptanliegen sind, sondern der Erfüllung unseres eigentlichen Auftrags dienen. Die Nähe zu den Menschen, der unmittelbare Dienst und Kontakt auch jenseits der Liturgie, an dem teilzunehmen, was die Menschen wirklich interessiert und bewegt, ist mir dabei besonders wichtig. Ich möchte nicht von dem reden, was ich gerne hätte, sondern wahrnehmen, was ist, und dann den Menschen helfen, Antworten zu finden auf die Fragen der konkreten Zeit, in der wir gemeinsam Kirche und Gesellschaft gestalten wollen.

Hinsichtlich der Aufgabenverteilung wird sich sicher noch das ein oder andere ergeben. Es würde mich in jedem Fall freuen, wenn ich dazu beitragen kann, dass sich viele Menschen auf ihrem Glaubensweg ermutigt fühlen, vielleicht auch diejenigen, die bisher wenig Berührungspunkte mit der Kirche hatten. Ein im Alltag überzeugend gelebtes Christentum ist kein Leistungssport, den nur wenige Auserwählte umsetzen können, es ist im Grunde genommen nicht einmal schwer, wenn wir uns denn gemeinsam auf den Weg machen, dabei stützen und zuversichtlich nach vorne sehen. Ich jedenfalls freue mich auf die nächsten Jahre in und mit unserer Pfarrgemeinde.

 

Ihr Thorsten Kluck

Beitrag aus: "Solingen auf katholisch", Advent 2020