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21 | 07 | 2019

Klangwellen früher - Übersetzung aus dem Monnemer Platt

24. Juli 2014; Paul Scharrenbroich

Das kurzatmige Harmonium hatte in der Notkirche, der Turnhalle der Katholischen Volksschule an der Lottenstraße, seinen Dienst versehen, für Sankt Gereon reichte es jedoch nicht – aber in der Marienkapelle am Rhein könnte es noch Messen und Andachten mitgestalten. So hatten Pastor und Kirchenvorstand sich das ausgedacht. Weil der Umzug möglichst wenig, wenn es sich machen ließ, gar nichts kosten sollte, überredete man den Steinmetz, Meister Püster, der beim Kirchneubau beschäftigt war.


Der Meister war nett und hilfsbereit, und so kam es, dass eines Samstagnachmittags der Lkw vom Meister Püster auf dem Schulhof parkte, er hatte auch Hilfskräfte mitgebracht und der Hausmeister Johann Fenger musste auch noch mit anpacken. So wurde das gewichtige Gerät durchs Treppenhaus und lange Gänge ins Freie geschleppt und mit viel In-die-Hände-Spucken und unter Hau ruck! -Rufen auf die Ladefläche des Lkws gehoben. Zwei Personen blieben mit dem Instrument zum Festhalten dort oben, und in langsamer Fahrt ging es durch die Lottenstraße zur Kapelle.
Ich kannte das Harmonium schon Jahre lang, weil ich im Kinderchor von Allen die längsten Arme gehabt hatte, durfte ich dem Küster/Organisten oft „den Blasebalg treten“, besser gesagt „pumpen“: seitlich ragte aus dem Instrument aus einem Schlitz ein Hebel, der auf- und abwärts bewegt werden musste, um in das Harmonium die erforderliche Luft zu befördern. Ohne Luft keine Musik!
Von daher rührte auch der am späten Samstagsabend oft zu hörende Ausspruch zum Feierabend: Ich muss morgen früh die Deutsche Singmesse pumpen.


Im Wirtshaus „An dr Kapell“ holte ich den Schlüssel bei der Familie Dormann, das Kapellchen wurde geöffnet und das Harmonium abgeladen und ins Gotteshaus getragen. Unterhalb der Empore wurde es abgestellt, und jetzt kam die Erfahrung des Meisters Püster im Umgang mit schweren Brocken zum Einsatz. Unter der Decke wurde ein „Hebebäumchen“, so nannte er das, befestigt, das Instrument wurde in dicke Stricke verpackt und dann kam der Flaschenzug zum Einsatz. Viel Kettengeklirr und wenig Kraftaufwand hoben das Harmonium bis über die Brüstung der Orgelbühne, alle packten nochmal an und bald stand es in Positur, so dass der Organist den Altar, die Gemeinde und den Spieltisch gleichzeitig im Auge hatte.
Und dann kam der mir unvergessliche Moment: Mein Vater wurde zum Luftpumpen engagiert, hauchte dem Teil den erforderlichen Atem ein, und Meister Püster schaute, zufrieden mit dem Geleisteten und voller Vorfreude auf das Kommende glücklich auf die Tasten und dann brauste es durch das Gotteshaus „Großer Gott, wir loben Dich“.


Man muss dazu wissen, dass der Meister keine Noten lesen konnte, dafür aber jedes Instrument bedienen, wenn er sich erst einmal damit vertraut gemacht hatte. Aus vollem Herzen und mit totalem Einsatz spielte der Künstler, es war eine feierliche Stimmung, entstanden aus Dankbarkeit, Andacht und Freude an der Musik. Von heute aus betrachtet ein früher Vorläufer der Klangwellen 714.
Wer den Meister Püster gekannt hat, kann sich denken, dass nach dem Te Deum noch andere Töne erklangen. Vater pumpte nach besten Kräften, die Volks- und Brauchtumsmusik wurde intoniert und zum Schluss kam noch die Frage ohne Antwort:
Wer soll das bezahlen????

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