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24 | 02 | 2020

KKV-Gesprächskreis "Christen treffen Muslime"

23. Januar 2015;

   

KKV-Gesprächskreis "Christen treffen Muslime" diskutiert über Bedeutung des Kopftuchs im Islam

 

„Das Kopftuch im Islam – welche Bedeutung hat es für Muslime?“ dieses Thema diskutierten vor kurzem die Mitglieder des KKV-Gesprächskreises "Christen treffen Muslime" im Eki-Haus Aynur Kaldik und Beyza Akpolat, zwei junge Muslima legten aus ihrer persönlichen Sicht dar, warum sie ein Kopftuch tragen bzw. nicht tragen. Renate und Peter Buter, zwei Mitglieder des Gesprächskreises, gaben zu Beginn einen Überblick über die Geschichte der Kopfbedeckungen von Frauen sowie über biblische Aussagen hierzu. In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde die Thematik vertieft. Tenor: Jede Muslima sollte sich als erwachsene Frau bewusst entscheiden, ob sie ein Kopftuch tragen möchte oder nicht. Von daher sollten auch Mädchen noch nicht dazu angehalten werden, ein Kopftuch zu tragen. Bernd-M. Wehner, der Sprecher des Gesprächskreises, plädierte deshalb auch dafür, solche bewusste Entscheidungen von muslimischen Frauen zu respektieren.

 

Renate Buter wies bei ihrem historischen Rückblick darauf hin, dass es bei den meisten alten Völkern des Orients für Frauen üblich gewesen sei, den Kopf ganz oder teilweise mit einem Schleier oder Tuch zu bedecken. Möglicherweise sei es für viele zunächst auch nur ein Schutz vor Sonne und Staub gewesen. Erst später habe es sich zu einer religiösen und sozialpolitischen Sitte entwickelt. So markierte beispielsweise vor 3000 Jahren der Schleier vor allem in Assyrien – dem heutigen Irak – soziale Grenzen. Nur Frauen der Oberschicht trugen einen Schleier, Sklavinnen war das verboten. In Europa sei später das Kopftuch bzw. die Haube ein Zeichen für verheiratete Frauen gewesen. Von daher stamme auch der Ausdruck „sie ist unter die Haube gekommen“, wenn Frauen geheiratet hätten.

 

Auch im orthodoxen Judentum sei es für verheiratete Frauen Brauch gewesen, ihr Haar zu bedecken, erläuterte sodann Peter Buter. Im Neuen Testament gebe es im Übrigen nur eine Stelle, nämlich im 1. Brief des Apostels Paulus an die Judenchristen in Korinth, in der von einer Vorschrift für das Tragen eines Schleiers die Rede sei. Hier heiße es: „Eine Frau entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei nicht ihr Haupt verhüllt“

(1 Kor 11,5). Die Vorschrift, dass Frauen beim Gebet oder im Gottesdienst ihr Haupt verhüllen müssen, habe dann nur für die juden-christlichen Gemeinden gegolten. In späteren rein christlichen Gemeinden sei es Sitte für Frauen gewesen, in der Kirche ein Kopftuch oder einen Schleier zu tragen. Kirchenrechtlich habe diese Verordnung noch bis 1903 gegolten. Erst durch das zweite Vatikanische Konzil sei diese Vorschrift für katholische Frauen 1965 offiziell aufgehoben worden.

 

Kopftuch – quadratisch, praktisch, gut

 

Aynur Kaldik, die inzwischen berufsbedingt in Essen wohnt und bis dahin in der CDU in Monheim aktiv war, berichtete, dass sie seit zehn Jahren ein Kopftuch trage. Sie habe sich lange mit dieser Frage auseinandergesetzt und aus eigener Überzeugung mit 23 Jahren dann für das Tragen des Kopftuches entschieden. Sie wolle damit nicht nur Gott näherkommen, sondern auch nach außen zeigen, an was sie glaube. Im Übrigen sei das Kopftuch für sie „quadratisch, praktisch und gut“. So müsse sie beispielsweise nicht erst ein Kopftuch mitnehmen, wenn sie in der Moschee bete. Da sie zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung bereits auf Lehramt studierte, habe man ihr zu bedenken gegeben, dass sie als Kopftuchträgerin möglicherweise den Beruf einer Lehrerin gar nicht ausüben könne. Hier sei sie aber optimistisch gewesen und habe sich gesagt, das wird schon irgendwie möglich sein. Jedenfalls hätte das Lehrerkollegium an ihrer Schule in Duisburg ihre Entscheidung auch akzeptiert und es habe deshalb keine Probleme gegeben. Im Übrigen würde sie ihre Kopftücher auch bewusst nach modischen Gesichtspunkten aussuchen.

 

Die 23-jährige Beyza Akpolat erläuterte sodann, dass sie sich bisher noch nicht reif genug fühle, um ein Kopftuch zu tragen. „Denn wenn ich ein Kopftuch trage, muss ich mich dafür vielfach vor anderen rechtfertigen, und hierzu bin ich noch nicht bereit.“ Auch wenn sie selbst eine gläubige Muslima sei und bereits als Kind schon im Monat Ramadan gefastet habe, habe sie diese Entscheidung für sich bisher noch nicht treffen können. Im Übrigen sei sie auch nie von ihrer Familie dazu gedrängt worden, ein Kopftuch anzuziehen.

 

Für den Glauben ist das Handeln entscheidend

 

Anschließend diskutierten die rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch lebhaft über diese Thematik. Dabei waren sich die Anwesenden einig, dass Pauschalierungen bezüglich des Kopftuchs immer falsch seien. Auch wenn das Tragen des Kopftuches eine Form der Religiosität darstelle, so sei für den Glauben letztlich das jeweilige Handeln entscheidend. Von daher sei es auch falsch, den Glauben muslimischer Frauen danach zu beurteilen, ob sie nun ein Kopftuch trügen oder nicht. Beide Entscheidungen seien legitim und müssten akzeptiert werden.

 

Zum Schluss dankte der Sprecher des Gesprächskreises, Bernd-M. Wehner, allen Beteiligten für die offene und konstruktive Diskussion. „Nur wenn Christen und Muslime den Dialog miteinander pflegten, sei ein Verständnis für den jeweiligen Glauben des anderen möglich“ so Wehner wörtlich. Toleranz werde zwar immer wieder gefordert, aber vielfach selbst nicht praktiziert. Wilhelm Busch habe dies Phänomen auf den Punkt gebracht, wenn er feststelle: “Ein jeder ist für Toleranz, nur wenn’s drauf ankommt nicht so ganz.“

 

Der KKV-Gesprächskreis „Christen treffen Muslime“ wurde im Juni 2005 gegründet. Er trifft sich seitdem mit den türkischsprachigen Muslimen in Monheim. Darüber hinaus nehmen seit längerer Zeit auch evangelische Christen und seit kurzem auch Mitglieder der marokkanischen Moscheegemeinde an den vierteljährlich stattfindenden Gesprächen teil. 

Ziel des Gesprächskreises ist es, im gemeinsamen Dialog zwischen Christen und Muslimen einander besser kennenzulernen, gegenseitige Vorurteile und Missverständnisse zu beseitigen, um so im gegenseitigen Respekt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Glauben des Anderen festzustellen.

 

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