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Neueste Bauforschung des LVR  

von Frau Dr. Ulrike Heckner

Im Jahr 1118 gründete ein Kölner Bürger mit Namen Heidenreich (Heidinricus) ein Männerstift bei dem Dorf Dünnwald. Die Kirche, die Heidenreich mit Erlaubnis des Kölner Erzbischofs errichten ließ, existiert noch heute: St. Nikolaus in Köln-Dünnwaldwird jetzt als Pfarrkirche genutzt. Im Rahmen von Instandsetzungsarbeiten am Außenbau im Jahr 2005/2007 hatte das Referat Bauforschung des Landschaftsverbandes Rheinland/Rheinisches Amt für Denkmalpflege Gelegenheit zu einer Untersuchung des Kirchengebäudes. Dabei konnten einige Fragen zur Baugeschichte geklärt werden, die eine Neubewertung des frühromanischen Baus und seiner späteren Veränderungen nahe legen. 

Die Forschung ging bislang davon aus, dass nur der Ostteil zum Gründungsbau gehöre, während der Westbau im Zuge der Umwandlung in ein Prämonstratenser-Frauenkloster erst um die Mitte des 12. Jahrhunderts dazugekommen sei. Die jüngste Untersuchung kommt dagegen zu einem Ergebnis, dass auch der Wetteil Bestandteil des Gründungsbaus vin 1118 ist. Der kleine Kirchenbau am rechten Ufer des Rheins besaß von Beginn an eine eindrucksvolle Zweiturmfassade, die den Baukörper deutlich akzentuierte und aufwertete, womit die Dünnwalder Kirche auch in bautypologischer Hinsicht einen neuen Stellenwert erhält. Als dreischiffige Basilika mit zweitürmigem Westbau markiert der "Dünnwalder Bautypus" einen wichtigen Fifpunklt in der Ordensarchitektur des Rheinlandes im 12. Jahrhundert: Der ursprünglich für ein Männerstift errichtete Bau wurde zum Vorbild für frühe Kirchenbauten der Prämonstratenserinnen. Noch 60 Jahre später ließen die Prämonstratenserinnen des neugegründeten Frauenklosters in Wesel-Oberndorf eine Kirche nach dem gleichen Muster errichten, die 1587 abgerissen wurde und nur noch durch eine Illustration in einer mittelalterlichen Handschrift überliefert ist.
 
In Dünnwald bildet der romanische Baukörper auch heute noch den Kern der bestehenden Kirche, die jedoch im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert wurde. Vom ursprünglichen westbau sind der Nordturm und der Mittelgiebel erhalten, zweifellos hat jedoch auch der Südturm bestanden. Dies bezeugen Spuren im Mauerwerk, die praktisch als
"Negativabdruck" des ehemaligen Turms zu deuten sind. Anfangs des 16. Jahrhunderts sind die spätgotischen Veränderungen der Fenster anzusetzen. Nach dem Abbruch des Südturms im späten 16. oder früchen 17. Jahrhundert wurde das Mittelschiff erhöht uns das große westfenster eingebaut, nach 1643 das nördliche Seitenschiff umgebaut. 1861 errichtete man das eingestüzte südliche Seitenschiff neu. 

Durch zahlreiche Einzelbeobachtungen konnte eine zeichnerische Rekonstruktion des Ursprungbaus vorgenommen werden, die in der Ausgabe der Zeitschrift. "Denkmalpflege im Rheinland" erstmals publiziert werden konnte. Bei der Vorstellung am 03.04.2006 werden die Ergebnisse der Bauuntersuchung und die zeichnerische Rekonstruktion der Kirche zum ersten Mal öffentlich präsentiert.

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