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Was feiern wir an Gründonnerstag eigentlich?

 

Vielerorts ist es üblich, an Gründonnerstag grüne Speisen z.B. Spinat zu essen. Aber was soll dieser Brauch? Was hat der grüne Spinat mit den tatsächlichen Hintergründen dieses Tages zu tun? Vermutlich wenig.

 

Der Donnerstag vor dem Karfreitag ist der Tag, so beschreibt es die biblische Überlieferung, an dem Jesus mit seinen Freunden zum letzten Mal vor seinem Tod  das Passahlamm gegessen hat, wie es bei den Juden Brauch ist. Sie tun dies, um an den glücklichen Auszug aus der Sklaverei in Ägypten zu erinnern.

 

Das letzte Passahmahl aber, das Jesus mit seinen Jüngern gehalten hat, bekam durch ihn eine neue, vollkommen andere Bedeutung:  Jesus verweist auf seinen nahen Tod am Kreuz und fordert seine Jünger auf, künftig dieses Mahl aber weiter zu feiern: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“. Für die Jünger zunächst rätselhaft waren vermutlich seine Worte, die er sprach, als er ihnen Brot und Wein reichte. Und vermutlich erst später verstanden sie, dass er mit „Das ist mein Leib“ und mit „Das ist mein Blut“ seine wirkliche Anwesenheit meinte, wenn Christen sich in seinem Namen versammeln und dieses Abendmahl immer wieder feiern bis heute – nicht nur zur Erinnerung, sondern zur Vergegenwärtigung von Jesus mitten unter uns.

 

So ist der Donnerstag vor Karfreitag, der Tag an dem Jesus uns das Sakrament der Eucharistie geschenkt hat. Eigentlich ein Tag der Freude, müsste man meinen – aber das passt so gar nicht auf die nachfolgenden Ereignisse: Wir wissen, Jesus ist nach dem Essen mit einigen seiner Freunde in den Garten Gethsemane gegangen und hat dort vor Todesangst geweint und gefleht: „Bitte lass das an mir vorüber gehen...!“. Er wurde dann im Garten von einem seiner Anhänger, von Judas, verraten und von den Soldaten der Jerusalemer Priesterschaft gefangen genommen. Schließlich verurteilte ihn der römische Statthalter Pontius Pilatus zum Tode am Kreuz.

 

Womöglich hat der Gründonnerstag von daher seinen Namen, von dem alten deutschen Wort „greinen“, was so viel wie „weinen“ oder „klagen“ bedeutet. Jesus war eben nicht der coole Typ, der über den Dingen stand und als „Sohn Gottes“ schon den Ausgang der Dinge vorausgesehen hat. Der bevorstehende Tod und die Angst vor dem eigenen Leid gingen nicht spurlos an ihm vorüber, sondern haben auch  ihn zweifeln lassen.

In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag denken Christen in Gebetswachen und Andachten an das Weinen und Klagen und vergegenwärtigen sich die Todesangst von Jesus.

 

Aber dass mit dem Tode Jesu eben nicht alles vorbei war, das feiern wir an Ostern drei Tage später, und die Freude über das Geschenk der Gegenwart Jesu in der Eucharistiefeier, in der Vergegenwärtigung des letzten Abendmahls in der Heiligen Messe, das feiern katholische Christen an Fronleichnam – aber das ist eine andere Geschichte…

(rd)

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