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Die Pfarrkirche St. Pius in Köln-Zollstock

Die Kirchengemeinde St. Pius entsteht

Um das Jahr 1887 standen auf dem hiesigen Gelände weit zerstreut etwa 20 Häuser, in denen 38 Familien wohnten. Die meist katholischen Familien gehörten zur Pfarre Immendorf. Dieser große Pfarrbezirk erstreckte sich entlang des Rheines von Godorf bis zum Bischofsweg am heutigen Güterbahnhof Bonntor und umfasste die heutigen Pfarreien Godorf, Immendorf, Rondorf, Bayenthal, Raderthal und Zollstock. Die Pfarrkirche von Immendorf, in der auch die Trauungen und Taufen der Zollstocker Bewohner stattfanden, lag 1 1/2 Wegstunden von hier entfernt. Es ist verständlich, dass die Bewohner Zollstocks der Sonntagsmesse in den näher gelegenen Kirchen Kölns oder in der Kapelle des Hofgutes Weißhaus beiwohnten.
Im Jahre 1887 trennte sich Raderthal von der Pfarre Immendorf. Dem neugebildeten Rektorat Raderthal gehörte fortan auch Zollstock an. Die Raderthaler errichteten eine Notkirche an der Raderthaler Straße, die nun auch die Pfarrkirche der Zollstocker wurde. Trotzdem besuchten die meisten Zollstocker weiterhin die Kölner Kirchen.
Seit der Eingemeindung Zollstocks in den Stadtverband Köln am 1.4.1888 entwickelte sich hier eine stärkere Bautätigkeit, so dass die Bevölkerungszahl bis Ende 1900 auf etwa 1000 anstieg. Am 31. März 1901 gründeten die Katholiken Zollstocks einen Kirchenbauverein. Als Raderthal 1901 zur Pfarre erhoben wurde und diese im Jahre 1906 eine neue Kirche an der Brühler Straße erbaute, wurden die Zollstocker ob der fehlenden Fortschritte unruhig. Notrufe der Bürgerschaft an die katholische Behörde, ein Aufruf des Erzbischofs an die Katholiken Kölns und ein Aufruf des Katholiken-Komitees an die Kölner Pfarreien erbrachten leider keinen finanziellen Erfolg.

Die Notkirche wird gebaut

Im Mai 1908 traf in Zollstock die Nachricht ein, dass die kirchliche Behörde in etwa sechs Wochen einen Geistlichen hierher entsenden wolle, wenn bis dahin ein Kirchenraum eingerichtet werden könne. Nach langem Hin und Her fiel die Wahl auf einen Schuppen, in welchem bis jetzt Zementsteine hergestellt wurden. Er lag in der Mitte des Ortes, an der Ecke Zollstockweg/Höninger Weg, etwa 2,50 m unter der Straßenhöhe. Nun wurde dieser unansehnliche Schuppen hergerichtet. Rührige Hände schafften Tag für Tag, und schließlich waren die Wände getüncht, die Fenster mit Buntpapier beklebt sowie Chor und Sakristei abgetrennt. Über der Eingangtüre zeigte ein flammender Stern mit IHS in der Mitte an, welchem Zweck dieses NotkircheGebäude dienen sollte. Eine Überdachung der Eingangstreppe und ein Türmchen mit Glocke vervollständigten den Bau. Kölner Kirchen schenkten einen Altar und altes, nicht mehr benutztes Mobiliar. Ende Juli 1908 teilten die Zollstocker der kirchlichen Behörde freudig mit, dass der gewünschte Bau hergerichtet sei.
Als ersten Geistlichen für das neugebildete Rektorat Zollstock entsandte das Generalvikariat den Pfarr-Rektor Paul Nießen aus Mönchengladbach, bisher Kaplan in Malmedy. Die feierliche Einführung erfolgte am 9. August 1908.  Ab dem 17. August 1910 war hier als Kaplan der Pfarre der spätere langjährige Oberhirte unseres Erzbistums Joseph Frings tätig.
Sieben Jahre lang mussten sich die Zollstocker mit der völlig unzureichenden Notkirche begnügen. Im Winter war es dort trotz der zwei großen Öfen mitunter grimmig kalt und im Sommer unausstehlich heiß. Dann bogen sich manchmal vor Hitze die Kerzen am Altar. Bei Regenwetter tropfte es durch das Pappdach und bei starken Gewitterschauern lief das Wasser von der hochliegenden Straße in den Raum. Aber traulich war es hier trotzdem, besonders in der Weihnachtsnacht, in der man glaubte, sich wirklich im Stall von Bethlehem zu befinden. Die Teilnahme am Gottesdienst hatte einen durchaus familiären Charakter, und mancher hat hier wohl andächtiger gebetet als in einer großen, prächtig ausgestatteten Kirche. Pastor Nießen
Eines Tages wurde das alte Glöckchen von Dieben entwendet und für drei blanke Taler an einen Althändler verkauft. Es gelang der Polizei, das Glöckchen aufzutreiben und wiederzubeschaffen, so dass es nun wieder wie früher mit hellem Klang zum Gottesdienst rufen konnte.
Später wurde das Glöckchen in einem Türmchen über der Muttergottes-Kapelle der Piuskirche zur dauernden Ruhe aufgehängt, wo es bis zum Ende des 2. Weltkrieges verblieb.
Als der damalige Kardinal Fischer einmal die Notkirche besuchte, betrat er den schlichten Raum mit den Worten: "O heilige Armut!" Dieser Besuch trug dazu bei, dass die Frage des Kirchenbaues stärker gefördert wurde und namhafte Geschenke von vielen Seiten einkamen. Im Mai 1913 wurde das Rektorat Zollstock von der bisherigen Mutterpfarre Raderthal abgetrennt und zur Pfarre erhoben.
Inzwischen war in der Gemeinde St. Pius durch den großen Einsatz des Pfarr-Rektors Paul Nießen und seiner Kapläne eine große Aufbauarbeit geleistet worden, durch die Bildung von aktiven Gemeinschaften der männlichen und weiblichen Jugend, der Männer und Frauen. So herrschte bald ein reges Vereinsleben inder St.-Pius-Gemeinde.

Der Bau der St.-Pius-Kirche (1913-1932)

Der 1901 gegründete Kirchenbau-Verein sammelte nicht nur fleißig Spenden zum Bau einer Kirche, sondern bemühte sich seit 1913 um die Suche eines Bauplatzes. Nachdem sich drei Bauplätze - einer am Komarweg neben dem Eifeltorbahnhof, einer am Höniger Weg gegenüber der Wirtschaft Ettelt und einer "Am Vorgebirgstor" aus verschiedenen Gründen als wenig geeignet erwiesen, richtete man ab 1907 die Aufmerksamkeit auf ein Grundstück in der Ortsmitte: Ecke Gottesweg/Bauerbankstraße, das je zur Hälfte dem Architekten Ferdinand Schmitz, Schaafenstraße, und der "Bau-Gesellschaft Vorgebirgstraße m.b.H. Bayenthal" gehörte. Am 3. November 1910 wurde mit den beiden Eigentümern ein notarieller Vertrag abgeschlossen, aus dem hervorgeht, dass ein Teil des Grundstücks geschenkt und der andere Teil preisgünstig erworben wurde. Ab diesem Termin - Zollstock war inzwischen auf 3900 Einwohner angewachsen - rückte die Kirchenbaufrage der Verwirklichung entgegen.
Die kirchliche Behörde schenkte ein namhafte Summe und übernahm die Garantie für die Zinszahlung einer Anleihe. Baumeister Eduard Endler veranschlagte für den Gesamtbau 180.000 RM. Da sich die Gemeinde vorläufig mit einem Teilbau begnügen musste, genügten zunächst 88.600 RM zuzüglich 10.000 RM für den Bauplatz. Der Bau des Chores und des Turmes wurden einer späteren Zeit vorbehalten.
Am 5. Oktober 1913 fand der erste Spatenstich statt. Bis zum folgenden Frühjahr war der Bau soweit fortgeschritten, dass am 10.Mai 1914 der Grundstein druch Erzbischof Felix von Hartmann feierlich eingesetzt werden konnte. St. Pius 1913Wenige Tag später brachen Diebe den Grundstein, in dem sie wahrscheinlich Wertsachen vermuteten, aus dem Mauerwerk und zertrümmerten ihn. Die in dem Stein eingeschlossene Pergamenturkunde verschwand spurlos. Am 13. April 1914 wurde die Kirche nochmals von Dieben heimgesucht, die alles ihnen wertvoll Erscheinende mitnahmen, darunter ein silbervergoldetes Ziborium, dessen Inhalt sie in frivoler Weise verschütteten. Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges im August 1914 wurde die Fertigstellung des Kirchenbaus hinausgezögert. Erst am 10. Mai 1915, genau ein Jahr nach der Grundsteinlegung, erfolgte die feierliche Konsekration der Kirche durch den damaligen Kardinal von Hartmann.
Volle 16 Jahre lang stand der Torso der Kirche auf einem ungepflegten Hügel. 1931 begann man endlich mit dem weiteren Ausbau der St.-Pius-Kirche. Nach der Herrichtung von Treppenaufgang und Umfassungsmauer wurde am 22. März 1931 mit dem Bau des Chores begonnen, das statt 15 Meter nur 10 Meter Tiefe erhielt. Gleichzeitig wurde die geräumige Sakristei  angebaut. Am 7. Juni 1931 wurde als Ersatz für den seinerzeit zerstörten und geraubten Grundstein feierlich ein neuer in die Ostwand des Chores eingesetzt. Als endlich die große Abschlusswand zwischen Kirchenschiff und Chor beseitigt wurde, kam die wuchtige Größe der gesamten Kirche erst voll zur Geltung.
Die feierliche Einweihung des Chores und die Konsekration des neuen Hochaltars aus Sandstein mit Granitplatte erfolgte am 26. September 1931 durch den Weihbischof Dr. Hammels. Der Turm harrte nunmehr noch seiner Vollendung. Im März 1932 wurde mit dem Aufbau begonnen, und im Juli war der Turm, der 7 x 7 Meter im Geviert maß, vollendet. In der Höhe von 28 Meter begann ein laternenartiger Aufsatz über 12 Meter. Die Laterne war zurückgesetzt, so dass oben ein Umgang entstand.
Beim Bau des Chores wurde unter diesem ein Jugendheim eingerichtet. Über der Sakristei befand sich gleichfalls ein ziemlich großer Versammlungsraum. Zur gleichen Zeit wurde die Heizung eingebaut.

Die St.-Pius-Kirche

Die Kirche wurde nicht in einem streng durchgeführten Stil, etwa dem romanischen oder dem gotischen, erbaut. Der Architekt und Baumeister Eduard Endler, der den Plan entworfen hatte, hatte die Weisung, etwas Besonderes zu schaffen, was ihm auch in guter Form gelang. Sein Grundgedanke war spätgotisch, es klingen aber auch Formen der Renaissance und des Barock an.
Patron der Kirche ist Papst Pius I, der um das Jahr 150 n.Chr. den Märtyrertod erlitt und in den Katakomben beigesetzt wurde. Sein Gedenktag ist der 11. Juli. Das Patrozinium ist verbunden mit dem Gedächtnis an den bedeutsamen Papst Pius X.
St. Pius 1932Nach dem Aufbau des Turmes 1932 beschaffte man zu der Glocke "Cäcilia", die im Dachreiter von 1915 bis 1932 den Läutedienst allein versehen hatte, aus freiwilligen Spenden noch vier weitere Glocken von der Fa Otto in Hemelingen bei Bremen. Die feierliche Weihe der drei kleineren Glocken erfolgte am 16. Oktober 1932. Die vierte und größte Glocke wurde 1933 als Geschenk der Gemeinde an den Pfarrer Nießen zu dessen 25-jährigem Ortsjubiläum gestiftet. Es war die Glocke St. Pius, die sich mit den Glocken St. Joseph, St. Maria und St. Albertus Magnus zu einem klangvollen Geläut vereinigte.       

 

 

 

Die Pius-Gemeinde nach dem 1. Weltkrieg Kirche von innen

Nach dem Weltkrieg 1914/18, der mancherlei Lücken in die Pfarrgemeinde gerissen hatte, begann man 1919 wieder mit dem Aufbau der kirchlichen Organisationen. Neben dem Jungmännerbund und der weiblichen Jugend bildeten sich wieder der Katholische Arbeiterverein (gegründet 1911 und geleitet von dem Kaplan Joseph Frings, dem späteren Kardinal Joseph Frings) und andere kirchliche Gemeinschaften. Hier zeigte sich die große Organisationsgabe des Pfarrers Nießen, der mit seinen Kaplänen alle diese Vereinigungen aufbaute und mit Leben erfüllte. In erster Linie galt seine Sorge der heranwachsenden Jugend, für die er sich unermüdlich einsetzte. Das rege Leben in der Pfarre St. Pius war beispielhaft für viele Pfarreien in Stadt und Land. (Siehe: Erinnerungen eines Chorknaben an die Zeit von 1934 bis 1945).
Das änderte sich aber, als die Nationalsozialisten im Jahre 1933 ihre Herrschaft antraten. Bald wurde die kirchenfeindliche Haltung der Nazis offenbar: der seit 25 Jahren bestehende Kindergarten der Pfarre wurde zu einem nationalsozialistischen Kindergarten erklärt, der Katholische Beamtenverein wurde aufgelöst und der Religionsunterricht in den Schulen verboten. Dafür wurden "Seelsorgestunden" für Schulkinder im Pfarrheim eingerichtet. Am 1. Februar 1938 wurde der Jungmännerverein durch die Gestapo aufgelöst mit der Beschlagnahme aller Fahnen, Wimpel und Kassen. Das pfarrliche Leben beschränkte sich immer mehr auf den Besuch der Gottesdienste, da allen kirchlichen Gemeinschaften stets größere Schwierigkeiten erwuchsen.

Die St.-Pius-Pfarre im 2. Weltkrieg

Dann begann im September 1939 der 2. Weltkrieg. Im Laufe der Kriegsjahre wurden viele Väter und junge Männer zum Militär und Kriegsdienst eingezogen. Groß waren die immer mehr zunehmenden Verluste durch Gefallene: bis Ende 1943 waren es in der Piuspfarre 112. Am 20. April 1942 wurden die vier Glocken von St. Pius beschlagnahmt und eingeschmolzen. Je länger der Krieg dauerte und je mehr Köln von Fliegerangriffen heimgesucht wurde, um so mehr Menschen verließen ihren Wohnort. Aber die restliche Gemeinde von St. Pius hielt fest zusammen und blieb ihrer Kirche treu. Am 17. Juni 1943 gab es am Kirchengebäude den ersten Fliegerschaden. Ein Phosphorkanister durchschlug Kirchendach und Gewölbe  und verbrannte einige Kirchenbänke. In der Schreckensnacht zum 29. Juni 1943 erhielt die Kirche viele Treffer durch Brandbomben, die alle Dach Zerstörte Pfarrkircheund Gewölbe durchschlugen, aber nicht zündeten. Die meisten Fenster wurden zerstört. Am Samstag, dem 28. Oktober 1944 geschah das, was alle schon befürchtet hatten: Gegen 16 Uhr wurde bei einem Fliegerangriff die St.-Pius-Kirche mit der gesamten Einrichtung zerstört. Eine Luftmine riss das Kirchengebäude auseinander, nur die Fassade und das westliche Seitenschiff blieben einigermaßen erhalten. In diesem Teil konnte vorerst der Gottesdienst notdürftig gehalten werden. Oft genug mussten die Gläubigen bei Kälte und Regen mit dem geöffneten Schirm dem Messopfer beiwohnen. Als im Dezember 1944 die Kälte unerträglich wurde, richtete man in den beiden durchgehenden Zimmern im Erdgeschoss des Pfarrhauses eine Notkirche ein.
Die Pfarre, die vor dem Krieg mehr als 10.000 Seelen gezählt hatte, schmolz durch die zunehmende Evakuierung nach den furchtbaren Angriffen vom Oktober 1944 auf ca 600 zusammen. Viele von diesen fanden bei der zunehmenden Gefahr Trost und Kraft zum Leben im täglichen Gottesdienst. Sonntags wurden in der Notkirche 2 Messen gelesen, an denen schätzungsweise ca 250 Gläubige teilnahmen.
Am 6. März 1945 besetzten die Amerikaner den Stadteil Zollstock.
Trotz aller Zerstörungen war der Wille zum Überleben und die Kraft zum Wiederaufbau bei den wenigen Gemeindemitgliedern lebendig. Schon am 1. April 1945, also noch in den letzten Wochen des Krieges, wurde die erste Sammlung zum Wiederaufbau der Kirche gehalten. Bald reichte der Raum im Pfarrhaus nicht mehr aus. Das westliche Seitenschiff, zum großen Teil noch erhalten, wurde zur offenen Trümmerkirche, die oft die Gläubigen nicht zu fassen vermochte. Im Herbst fand der Gottesdienst oft bei strömendem Regen statt.
Am 15.7.1945, dem Tag des Patroziniums der Pfarre, verstarb Pastor Paul Nießen. [mehr zum Tod von Pastor Nießen]
  Pastor WirtzAm 4. November 1945 wurde der bisherige Pastor von Rövenich, Heinrich Wirtz, als neuer Pfarrer in St. Pius feierlich eingeführt.
Als dann im Dezember 1945 eine starke Kälte einsetzte, wobei sogar der Wein im Kelch gefror, war der Bau einer größeren Notkirchefür den neuen Pfarrer die dringendste Aufgabe. Mit Hilfe einer Reihe tatkräftiger Helfer konnten das erforderliche Baumaterial und die Inneneinrichtung beschafft werden. Die Weihnachtsmette 1945 wurde als erster Gottesdienst in der notdüftig hergerichteten zugigen Notkirche gehalten. Sie befand sich vor den Fenstern der Beichtkappelle im westlichen Seitenschiff. Durch ein Blechdach war das Gewölbe etwa 9 Meter ins Hauptschiff hinein verlängert worden. Es war bewundernswert, wie sich einsatzfreudige Pfarrmitglieder trotz der großen persönlichen Sorgen um Verbesserung und Verschönerung der Notkirche bemühten. Für Heizmaterial sorgten die Gläubigen durch mitgebrachte Briketts. Zur Innenausstattung wurden Bilder und Statuen, Bänke und ein altes Harmonium gespendet. Der Aufenthalt in der Notkirche, die sonntags bis auf den letzten Platz gefüllt war, gab den Gläubigen ein Gefühl der Verbundenheit und Geborgenheit.

Der Wiederaufbau der St.-Pius-Kirche (1946-1950)

Die Seelenzahl der Pfarre war im Laufe des Jahres 1945 von etwa 300 auf ca 5000 angestiegen. Die Jugend hatte sich im Turmkeller durch Selbsthilfe schon im Oktober 1945 ein gemütliches Heim eingerichtet. Im Frühjahr 1946 konnte der Raum unter dem Chor der zerstörten Kirche vom wiedererstandenen Kirchenchor und von der Jugend benutzt werden.
Die Not unter der Bevölkerung war groß, aber der Aufbauwille war noch größer. Trümmersteine wurden in großen Mengen aufgekauft. Dann gewann die Pfarre den Kirchenbauer Regierungsbaumeister Karl Band für den Wiederaufbau der Kirche. Die Firma Halfenberg aus Zollstock, die schon beim ersten Kirchenbau 1913/15 die Bauarbeiten ausgeführt hatte, wurde mit dem Wiederaufbau betraut. Am 14. Juli 1947 begann nach den Vorarbeiten der Aufbau. Die Fundamente, durch die Luftmine beiseite gedrückt, mussten gerichtet und mit Zement ausgegossen werden. Nach dem Aufrichten der umgestürzten Pfeiler wurden die beiden östlichen Bögen wiederhergestellt. Gegen Ende 1947 war die östliche Hochwand (Bauerbankstraße) fertig. Steinmetze richteten die Steine für Gesimse, Strebepfeiler und Fensterlaibungen her. Das Sandsteinmaterial wurde aus den Trümmern zerstörter Großbauten (Banken und Verwaltungsgebäuden) erworben. Ziegelsteine wurden von Pfarrangehörigen unentgeltlich herangeholt und geputzt. Die Beschäftigung der Bauarbeiter hatte damals seine Schwierigkeiten, denn neben dem Lohn musste die Pfarre die volle Verpflegung der Leute mit gutem Essen übernehmen. Mitte 1947 wurde im Pfarrhaus für 28 Personen gekocht.
Die Währungsreform am 20. Juni 1948 erbrachte wieder die Kaufkraft des Geldes. Ein Darlehen von 30.000 DM wurde aufgenommen und ein weiterer Kredit von 15.000 DM beantragt.
Trotz vieler Schwierigkeiten ging der Wiederaufbau der Kirche einigermaßen vorwärts. Bauholz für den Dachstuhl und Dachziegel mussten z.T. in der neuen Währung bezahlt werden. Man beschloss, bei Gemeindemitgliedern ein Darlehen in Höhe von 45.000 DM aufzunehmen. Zum Chor hin wurde eine Mauer gesetzt, um dahinter das Chor in völlig neuem Stil - größer und höher als der ursprüngliche - mit großen Fenstern, Eisenbetonmaßwerk und einer interessanten Decke zu gestalten.
Am 5.3.1951 konnte der Abbruch der Notkirche in Selbsthilfe vorgenommen werden. Im Mittelschiff wurde eine Holzkassettendecke eingezogen, und alle Fenster verglast. Zu Ostern 1951 konnte in dem Gotteshaus das erste heilige Opfer dargebracht werden. Sechs Jahre hatte nun die Gemeinde geplant, gespart, geopfert und oft mit Hand angelegt. Dann war es endlich soweit: Zur Freude aller wurde am 22.Juli 1951 die Kirche feierlich eingeweiht. Kardinal Dr. Joseph Frings, ehemaliger Kaplan in St. Pius von 1910 bis 1913, feierte aus diesem besonderen Anlass ein stark besuchtes Pontifikalamt.
1951/52 erhielt die Kirche Heizung und Bänke.
OrgelAm notwendigsten war nun die Anschaffung einer Orgel. Auf Vorschlag des Domorganisten Professor Zimmermann sollte ein Orgel mit 34 Registern auf drei Manualen und Pedal angeschafft werden. Dir Firma Romanus Seiffert & Sohn, Kevelaer, erhielt Ende 1952 den Auftrag, diese Orgel zu liefern (Preis 44.700 DM). Im Februar 1954 traf die langerwartete Orgel ein. Am 7. März 1954 war die feierliche Orgelweihe mit kirchenmusikalischer Andacht und Orgelkonzert (zur Disposition der Orgel).

Der weitere Ausbau der Piuskirche (1952-1958)

Es standen 1952 immer noch wichtige Arbeiten an, für die 160.000 DM benötigt wurden: Abbruch und Wiederaufbau des Turmes sowie die Fertigstellung wesentlicher Bauarbeiten. Zum Bau des neuen Turmes musste die Pfarre rund 20.000 DM aus eigenen Mitteln aufbringen. 1955 wurde der Turm aufgestockt. Er war nun 60 Meter hoch und wurde zu einem Wahrzeichen Zollstocks und der Südstadt. Im November 1956 war der Turm fertiggestellt. 


chorraum 1955 Nun sammelte die Gemeinde fleißig für ein neues Geläute. Am 4. Dezember 1957 wurden die Glocken in Gescher/Westfalen bei der Firma Petit & Gebr. Edelbrock gegossen. Die feierliche Glockenweihe des siebenstimmigen Geläutes (Preis: 56.240 DM) fand am 15. Dezember 1957 statt. Damals besaß die St.-Pius-Kirche nach dem Kölner Dom das größte Geläute in der Stadt. In fast 60 Metern Höhe des Turmes hingen nun die sieben Glocken [zur Hörprobe] in einer Glockestube von 12 Metern: Marien-Glocke (2.500  Glockenweihe mit Prälat Lewenkg), Ton c' . Michael-Glocke (1.750 kg) Ton d' , Hl.Drei Könige-Glocke (980Pastor Wirtz Glockenweihe kg)Ton f' , Ursula-Glocke (660 kg) Ton g', Pius-Glocke (450 kg) Ton a', GlockeCäcilien-Glocke (260 kg) Ton c'', Florian-Glocke (180 kg) Ton d''. (Der ursprünglich in Stahl ausgeführte Glockenstuhl wurde im Jahre 2000 saniert und durch einen Glockenstuhl auch Eichenholz ersetzt.) "Das Geläut hebt sich in Komposition und Charakter ganz originell von allen übrigen Kölner Gläuten ab, ist außergewöhnlich reich in seinem Melodieaufbau und ebenso wie das in seinem Aufbau freilich ganz anders geartete St. Pantaleonsgeläut als eine Meisterleistung der Firma Petit & Gebr. Edelbrock anzusprechen, die umso mehr zu bewundern ist, als die vollendete Harmonie der sieben Glocken im Guss erzielt wurde und keinerlei Korrektur bedurfte. Das Geläut ist Zierde und Wahrzeichen der St. Pius-Kirche geworden und trägt vom hohem Turme her seine Klänge weit über die südlichen Vororte" (Gerhard Hoffs, Amtlich bestellter Glockensachverständiger der Erzdiözese Köln). [zu den Geläutemotiven]

Infolge einer ernsten Erkrankung musste Pfarrer Heinrich Wirtz im Januar 1960 sein Amt niederlegen. Am 28.Juli 1962 starb er in Köln-Müngersdorf.
Pastor WittebruckIn der anschließenden Amtszeit von Pastor Dr. Wilhelm Wittebruck (1905-1992) wurde der Innenausbau der Kirche fortgesetzt. Die bunten Fenster im Langhaus wurden 1960 eingesetzt, im Januar 1961 im Hochchor an der Stirnwand ein Hauptkreuz angebracht. Im selben Jahr erhielt die Kirche einen neuen Kunststeinplattenbelag. Im Mai 1961 wurden neue Portaltüren aus Esche eingesetzt.
Der Giebel des Gotteshauses wurde grundlegend geändert: Er wurde bis zur Hauptdachhöhe aufgemauert und begradigt. 1962 erhielt der Vorplatz eine neue, heute noch sichtbare Gestalt. Zu Weihnachten 1962 wurde die Kanzel mit einem künstlerisch gestalteten Behang versehen, im Juli 1963 der Seitenaltar mit der Madonna eingeweiht. Weihnachten 1963 erstrahlte das Chor im Glanz eines neuen Tabernakels. Im Hinblick auf die Erneuerung der Liturgie durch das Zweite Vatikanische Konzil begann man im Mai 1965 mit den Arbeiten für die neue Chorgestaltung. An der Stelle des bisherigen Altars wurde eine hohe Sakramentssäule mit dem Tabernakel aufgestellt; ein neuer Altar wurde geschaffen, der nun vorne im Chor stand. Der Altar wurde am 15.11.1967 von Kardinal Frings geweiht. Schließlich kam auf die rechte Seite des Altarraumes ein Lesepult aus Bronze, und das bisher an der Stirnwand hängende Chorkreuz wurde mitten im Chor über dem Opfertisch des Altars angebracht. Die abschließende Ergänzung des neugestalteten Chorraumes bildete ein Osterleuchter.
Über den Eingang der Kirche wurde ein Fassadenfenster in Opalglas eingefügt und schließlich im April 1972 ein Kreuzweg angeschafft.

1973 endete die Amtszeit von Pastor Dr. Wittebruck.


Pastor Msgr. Peter Haanen wurde am 26. März 1973 als vierter Pfarrer in St. Pius eingeführt. Die Gemeinde zählte damals noch etwa 8000 Seelen.  Von 1987 bis 2002 war er auch Dechant des Dekanates von Köln-Bayenthal,  von 1981 bis 2001 Vorstandsvorsitzender der Pax-Bank, seitdem ihr Aufsichtsratsvorsitzender; im Januar 2002 wurde er durch Joachim Kardinal Meisner zum Ehrendechanten ernannt. In seine Amtszeit fielen insbesondere die grundlegende Sanierung des Kircheninneren, die Errichtung des Altarbildes im Chorraum im Jahr 1990 sowie die Aufstellung der Statue des Hl. Pius I auf dem Kirchplatz am 14. August 1999, die der in Sinzig-Löhndorf ansässige Bildhauer Titus Reinarz schuf und die maßgeblich finanziert wurde aus Spenden der Gemeinde anlässlich des silbernen Ortsjubiläums von Pastor Msgr. Haanen im Jahre 1998. Sie wurde im Beisein von Herrn Kardinal Meisner feierlich vor der Pfarrkirche aufgestellt und eingeweiht.(Siehe:  Rundgang durch unsere Kirche)

Mit Zustimmung des Erzbistums Köln hat die Stadt Köln am 7.Dezember 1982 die Pfarrkirche St. Pius in die Denkmalliste eingetragen und unter Denkmalschutz gestellt.
Im August 2004 wurden die Prarrgemeinden St. Pius und Zum Heiligen Geist durch den Erzbischof zum "Kirchengemeindeverband Köln-Zollstock" (KGV) zusammengeschlossen. Seit 2010 gehört die Pfarrgemeinde St. Pius zum Seelsorgebereich Am Südkreuz Köln.

In seiner Amtszeit bildeten sich viele neue Gruppierungen von Jung und Alt. Weitere Baumaßnahmen wurden in dieser Zeit durchgeführt, wie z.B. die komplette Sanierung des Innenraums der Pfarrkirche. Hier wurden viele Nachkriegsschäden entdeckt, die mangels geeigneter Baumaterialien nach dem Krieg entstanden waren. Das Pfarrheim musste mehrmals umgebaut werden, um den neuesten technischen Voraussetzungen zu entsprechen. Die Zeiger der Kirchturmturm wurden in einer einmaligen Aktion vom Turm geholt und neu vergoldet. Der Glockenstuhl  bekam wieder ein Holzgerüst, nach dem Krieg hatte man eines aus Metall gebaut, was nun vor sich hin rostete. Im Jahr2004 übernahm er auch die Leitung der  Pfarrgemeinde „Zum Heiligen Geist“. Bedingt durch die Sparmaßnahmen des Erzbistum mussten in seiner Zeit die Hortgruppe unseres Kindergartens geschlossen, der Kindergarten der Pfarrgemeinde Zum Heiligen Geist in eine andere Trägerschaft übergeben und das Pfarrheim dieser Gemeinde abgerissen werden. Die Gemeinden müssen nun für den Unterhalt der Pfarrheime zur Hälfte aufkommen, was nicht alle Gemeinden  schaffen können.
Während seiner Amtszeit wurde der Kindergarten St. Pius umgebautund erweitert, so zuletzt im Jahr 2010. Die große Orgel in der St. Pius-Kirche  wurde 2010 aufwendig instandgesetzt und im gleichen Jahr löste sich der Kirchenchor St. Pius nach über 100 Jahren auf. Pastor Haanen war auch bekannt als „Medienpfarrer“; 1980 sprach er in der ARD mehrmals der „Wort zum Sonntag“, wöchentlich erschienen in der „Kölnischen Rundschau“ seine „Worte zum Sonntag“, die später auch als kleine Büchlein aufgelegt wurden, oder er sprach im WDR die Morgenandachten.
Am 22. Februar 2012 konnte Pastor Haanen sein Goldenes Priesterjubiläum mit der Gemeinde feiern. Gleichzeitig verließ er die Gemeinde um nach 38 Jahren in den Ruhestand zu treten.
Er wohnt nunmehr in Köln-Lindenthal und ist in der Pfarrgemeinde St. Stefan als Subsidiar tätig.

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