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Pfarrkirche St. Matthias

Erbaut 1902-1904
Architekt Theodor Kremer
erweitert 1925 (Sakristei)
wiederaufgebaut 1949-1952
Architekt Dominikus Böhm
 

st_matthias_innenRebecca Cali

 

Die dreischiffige neugotische Hallenkirche wird überragt von einem ca. 70 Meter hohen Vierkantturm im Westen. Sie ist gegliedert in ein vierjochiges Langhaus mit zwei Kapellenanbauten im Norden und Süden, Querhaus, Vorchorjoch, Chor im 5/8 Schluss und drei Sakristeianbauten. Der unverputzte Backsteinbau ist vielfach gegliedert mit Sandstein und Basalt. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde St. Matthias mit veränderten Dächern, verkleinerten Fensteröffnungen und neuen Innenstützen wiederaufgebaut.
 

Der Vierkantturm mit Hauptportal bestimmt die Westfassade der Kirche. Gewände mit Säulen, Archivolten und Wimperg sind aus Werkstein gefertigt. Im Tympanon steht die Statue des Kirchenpatrons, des Hl. Matthias. Im Obergeschoss hat ein rundes Sprossenfenster das ursprüngliche Radfenster ersetzt. Das Glockengeschoss weist Giebel und vier polygonale Eckentürmchen und dazwischen eine Brüstung auf. Zwei spitzbogige Schallluken und ein achtseitiger Spitzhelm mit Schieferdach krönen den Turm. In der Westfassade der Seitenschiffe wurden ehemalige Maßwerkfenster nach dem Krieg zugemauert. In den Tympana der Seitenschiffportale aus Werkstein tragen Engelfiguren Schilde mit den Inschriften DOMUS MEA DOMUS ORATIONIS EST DICIT DOMINUS und HAEC EST DOMUS DEI ET PORTA COELI.

 

Auf der Südseite des Glockenturms windet sich ein fünfseitiger Treppenturm in die Höhe. Im ersten Seitenschiffjoch besitzt die Kirche einen polygonaler Kapellenanbau, die ehemalige Taufkapelle. 4 Strebepfeiler, 3 schmale Fenster mit spitzbogigem Abschluss (ohne Maßwerk). Satteldach des Hauptschiffs, Schleppdach des Seitenschiffs sowie Querhausdach aus Falzziegeln. Gliederung der Seitenschiffwand durch Strebepfeiler mit Basaltabdeckung. In den zugemauerten ehem. Maßwerkfenstern des Seitenschiffs 5 kleinere Rechteckfenster mit einer Fertigbetonstütze. Anstelle des Maßwerkfensters im Querhaus ein größeres Rechteckfenster mit vier Fertigbetonstützen. Im zweiten und dritten Joch (von W) vorspringender Mauersockel bis in Höhe der ehemaligen Sohlbänke. Bleiabdeckung. Im vierten Seitenschiffjoch (von W) vor dem Seiteneingang Windfang mit Pultdach aus Blei. Auf der Chorsüdseite rechteckiger Anbau mit Schieferdach als Nebengebäude der Sakristei. Auf der Süd- und Ostseite Strebepfeiler und je zwei spitzbogige Fenster.

 

Ostansicht

Polygonaler Chorschluss mit Schieferdach, 3 zugemauerte ehem. Maßwerkfenster. Dem Chor quer vorgelagert die Sakristei von 1925 mit mittigem Vorbau. Schieferdach, in das die Chorstrebepfeiler einschneiden. In der Sakristeifassade 9 spitzbogige Fenster, davon 3 im dreiseitigen Vorbau. Auf der Sakristeisüdseite Außentreppe zum Hauptgeschoss, profilierte Metalltüre. Weitere Außentreppe zum Keller.
 

Nordseite
Auf der Chornordseite rechteckiger Anbau mit Schieferdach, dem südlichen Sakristeigebäude entsprechend. Im vierten Seitenschiffjoch (von W) vor dem Seiteneingang Windfang mit Bleidach. Türrahmen aus Sandstein. In zwei Jochen (vgl. die Südseite) vorspringender Mauersockel bis in Höhe der ehemaligen Sohlbänke. Bleiabdeckung. Im ersten Joch (von W) Anbau einer fünfseitigen Kapelle mit Strebepfeilern und zwei schmalen Fenstern mit spitzbogigem Abschluss (ohne Maßwerk), das mittlere dritte zugemauert.Im Innenraum wurden nach dem Krieg die zehn ursprünglich neugotischen Pfeiler mit Vorlagen mit Beton ummantelt. Zwischen den neugotischen Gurt- und Jochbögen erstreckt sich die mehrteilige Faltdecke aus Holzfaserplatten und -leisten. In der südlichen Seitenkapelle führt die 1928 eingebaute Treppe zur Orgelempore hinauf. In der nördlichen Seitenkapelle befindet sich die „Kriegergedächtnisstätte" für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges mit polychromen Wand- und Gewölbemosaiken mit Engeln und Cherubim (Entwurf und Ausführung Fa. P. Beyer, Köln, 1919/20). In den Seitenschiffen, deren ursprüngliche Fenster beim Wiederaufbau im Wesentlichen zugemauert wurden, sind nur noch die neugotischen WandkapiteIle ohne Dienste vorhanden. 1989/90 wurde der Chorraum mit neuem Altar umgestaltet. Im Chor sind noch vier neugotische Wanddienste mit Blattkapitellen aus der ursprünglichen Kirche erhalten. Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Turms sind neugotische Rippengewölbe mit vier Blattkonsolen in den Ecken erhalten.Nach Gründung der „Kölnischen Maschinenbau AG" 1856 kamen zahlreiche Siedler nach Bayenthal, die von der Pfarre St. Maternus in Rodenkirchen betreut wurden. 1862 errichtete Dombaumeister Vinzenz Statz an der Ecke Goltstein- /Bonifazstraße eine Matthiaskapelle, deren Weihe 1863 stattfand. Seit 1896 bestand eine selbstständige Pfarrgemeinde. Als 1898 die Kapelle durch einen Wirbelsturm beschädigt wurde, entschloss man sich zu einem großen Neubau nach den Entwürfen von Theodor Kremer. Die neugotische Pfarrkirche St. Matthias wurde am 25. September 1904 geweiht. Im Jahr 1925 errichtete der Architekt Dohmen die neue Sakristei am Chor der Kirche. 1927 wurden die Windfänge vor die Seiteneingänge gebaut und 1928 die in Höhe des Turmobergeschosses gelegene Orgelbühne umgebaut und bis zur ersten Pfeilerstellung erweitert (Architekten Heinrich Renard und Josef van Geisten).
St. Matthias in Köln-Bayenthal war bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg eine für das Rheinland typische neugotische Pfarrkirche des ausgehenden 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts. Ihr Architekt Theodor Kremer (gest. 1927) hat zwischen 1887 und 1905 acht Pfarrkirchen in den Vororten von Köln errichtet. Den Empfehlungen des Generalvikariats des Erzbistums Köln entsprechend, knüpfte Kremer an die Bauweise gotischer Vorbilder an. Hervorzuheben ist, dass das Kirchengebäude nicht mehr isoliert errichtet, sondern mit seiner Umgebung zusammen geplant wird. Mit dem Neubau der Pfarrkirche wird der Mathiaskirchplatz als Gartenplatz konzipiert und 1904 vom städtischen Gartendirektor Fritz Encke gestaltet. Die Kirchenfassade liegt in der Blickachse von Straße und Platz ,Mathiaskirchplatz' und ist als Bezugspunkt bereits von der Bonner Straße sichtbar. (Sichtachse zur Zeit durch Büsche beeinträchtigt).
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Pfarrkirche St. Matthias 1943 stark zerstört: die Gewölbe stürzten ein, die Pfeiler und Maßwerkfenster wurden beschädigt. Dominikus Böhm (1880-1955), der zur Pfarrgemeinde gehörte, wurde mit der Wiederherstellung beauftragt. Als Vertreter einer progressiven Architektur, der die historistische Bauweise des 19. Jahrhunderts ablehnte, plante er zunächst eine radikale Umgestaltung. Schließlich blieb der neugotische Kirchturm in seiner ursprünglichen Form bestehen. Dagegen wurden die Walmdächer der Seitenschiffjoche, die Giebel und Satteldächer des Querschiffs sowie der Dachreiter abgebrochen. An ihrer Stelle wurde ein Schleppdach im Anschluss an das Steildach des Hauptschiffs aufgebracht und auf diese Weise die vielgliedrige Dachlandschaft vereinheitlicht.
Weitere Baumaßnahmen ließ Böhm durchführen, um den Raumeindruck zu verändern. Die großen Fenster, deren Maßwerk weitgehend zerstört war, wurden im Chor ganz und in den Schiffen teilweise zugemauert. Stattdessen wurden in den Seitenschiffen rechteckige Ornamentfenster eingebaut. Im Querschiff entstanden zwei größere Fenster, die allerdings erst nach dem Tod des Architekten ihre Bleiverglasung erhielten. Die Raumkonzeption Böhms, welche die Lichtquellen in St. Matthias reduziert und Seitenlicht bevorzugt, steht in der Tradition seiner expressionistischen Bauten.
Im Bestreben, den historischen Kirchenraum neu zu formulieren, ließ Böhm auch Teile der neugotischen Bauornamentik von St. Matthias entfernen und verzichtete auf eine Wiederherstellung der Gewölbe. Im Chor blieben die Wanddienste und Kapitelle erhalten, in den Seitenschiffen hingegen ließ der Architekt die Dienste unterhalb der Kapitelle beseitigen. Im Mittelschiff wurden die Dienste, Kapitelle und Basen der neugotischen Freipfeiler abgeschlagen und diese anschließend mit Beton ummantelt, so dass schmucklose Rundpfeiler entstanden. Die neugotischen Gurt- und Jochbögen der Decke wurden belassen, die zerstörten Gewölbe jedoch nicht wiederhergestellt, sondern durch eine hölzerne Faltdecke ersetzt. (Ihre Farbfassung bei der Renovierung 1968 verändert). Durch die beim Wiederaufbau vorgenommenen Veränderungen suchte Böhm einen ,zeitgemäßen' Sakralraum zu schaffen. Nach dem Urteil von Kardinal Frings, der die Kirche 1952 wieder in Gebrauch nahm, handelt es sich um „eine schöpferische Restaurierung“.
Die neugotische Pfarrkirche St. Matthias wurde 1902-04 errichtet, nachdem Bayenthal sich zu einem städtischen Vorort entwickelt hatte und 1888 nach Köln eingemeindet worden war. Der Pfarrkirche ist daher bedeutsam für die Geschichte des Stadtteils Köln-Bayenthal. Das Kirchengebäude wurde in Verbindung mit dem Gartenplatz geplant. Der Backsteinbau mit seinem hochaufragenden Turm, der einen weithin sichtbaren Bezugspunkt bildet, hat eine stadtteilprägende Funktion. In seiner wiederaufgebauten Form ist St. Matthias ein Beispiel für den Umgang eines damals progressiven Architekten mit der Bausubstanz des 19. Jahrhunderts, die in der Nachkriegsepoche als unzeitgemäß galt und auch als nicht denkmalwert angesehen wurde. In der Summe der verschiedenen Aspekte ist die Pfarrkirche St. Matthias ein unverzichtbares Denkmal für den Stadtteil Köln-Bayenthal und als solches unbedingt zu erhalten.

 

 

Ausstattung der Kirche St. Matthias

Tabernakel

Entwurf und Ausführung: Hanns Rheindorf, Köln, 1952
Motiv: Jesus und die Emmaus-Jünger

 

Leuchter

Entwurf und Ausführung: F.Stirner, Schweiz, 1970
Medaillons: Pfingsereignis

 

Kreuz

Entwurf: Prof. Dominikus Böhm, Köln, 1952
Zunächst an der Apsiswand angebracht ohne Korpus. Nach der Umgestaltung der Kirche

wurde das Kreuz in der Vierung über den Altar gehängt.
Am 12.9.1984 durch Corpus von Prof. Baum, Köln ergänzt.

Geschenk der Gemeinde an Pfr. Ruthard Heberling zum 65. Geburtstag.

Kosten 11.000 DM.
Corpus besteht aus einer Stahlkonstruktion mit versilberter Bleimasse.

Dornenkrone = Pfeile mit Bleizacken. Seitenwunde klaffend. Lendenschurz ragt über den Corpus seitlich hinaus.

Arme nach vorn gebogen = alles umfassend.

 

Fenster

stmatthias_südfenster

 

 

 

 

stmatthias_Fenster

 

 

Südliches Querschiff („Postseite“)
„Die neun Chöre der Engel“
Entwurf: Kunstmaler Eduard Horst, Bad Honnef;

Ausführung: Glaserei Dr. Reuter, Köln, Rolandstr,

eingesetzt 9. August 1963, Größe ca. 27 qm.
Kosten: Entwurf: 2.500 DM, Ausführung: 8.450 DM.
Gestiftet von der Gemeinde zum Goldenen Priesterjubiläum von Pfr. Panten (1948-1964).

Lt. Kölnische Rundschau hatte die Gemeinde 1962 einen Wettbewerb für den Entwurf ausgeschrieben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nördliches Querschiff („Krankenhausseite“)
„Kölner Heilige gruppieren sich um das Lamm Gottes“
Entwurf: Kunstmaler Eduard Horst, Bad Honnef;

Ausführung: Glaserei Dr. Reuter, Köln, Rolandstr,

eingesetzt Ende 1964, Größe ca. 27 qm.
Kosten: Entwurf: 8.000 DM, Ausführung: 9.000 DM.
Darstellungen in fünf Reihen:
1. Reihe: Hermann Josef (oben)
Bruno (unten)
2. Reihe: Severin (oben)
Ursula (unten)
3. Reihe: Petrus (Patron des Kölner Domes und der Erzdiözese) (oben)
Lamm Gottes (Mitte)
Matthias (unten)
4. Reihe: Kunibert (oben)
Albertus Magnus (Mitte)
Adelheid von Willich, Äbtissin an St. Maria im Kapitol (unten)
5. Reihe: Engelbert (oben)
Heribert (unten)

 

  Madonna

st.matthias_madonna

Nachschnitt der „Aachener Madonna“ von 1430.
Original im Suermonth-Museum, Aachen.
1952 gestiftet von der Gemeinde. Zunächst auif dem rechten Seitenaltar aufgestellt.

Nach der Liturgiereform (Verlegung des Tabernakels auf den rechten Seitenaltar)

wurde eine Nische am rechten Querschiff geschaffen, in der die Statue seitdem aufgestellt ist.

 


 Kreuzweg

Entwurf und Ausführung: Prof. Paul Plontke, Berlin/Tübingen, 1924.
14 Stationen gemalt auf Leinwand.
1956 von der Gemeinde käuflich erworben.
Nach der Renovierung der Kirche wurden die Bilder 1990 in der Kirche

verteilt aufgehängt. Dadurch ist es nun möglich, den Kreuzweg „zu gehen“.

 

Orgel

Ursprünglich von Fa. Seifert, Köln-Raderthal, mit 11 Registern 1952 gebaut.
Heutige Orgel ist ein elektronisches Instrument.

 

Heiligenfiguren

St. Josef Lindenholz, geschnitzt von J. Kopp, Fill in Tirol,

gestiftet von Kaplan Breidenbach, 1954
St. Judas Thaddäus
St. Antonius von Padua, gestiftet von Frau Kehr
 

 

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