Auferstehung ohne Karfreitag?

Was bedeutet Ostern? Diese Frage beschäftigt uns in diesem Pfarrbrief zur Osterzeit. Was wird nach dem Tod? Diese Frage verunsichert. Nur selten ist sie in unserem Denken, denn Verunsicherung können wir nicht gut aushalten.
Zwei Gedanken:
Ostern ohne Karfreitag geht nicht, denn die Auferstehung bedarf des Todes und somit ist der Tod die Voraussetzung. Jedoch hat Jesus uns doch das Anbrechen des Reiches Gottes schon im Hier und Jetzt verheißen. Also könnte es doch Auferstehung schon mitten im Leben geben…
Tode erleben wir im Alltag leider viel zu häufig. Da sind die Tode von lieben Menschen, die uns begleiten, da sind aber auch Krankheiten, Abschiede und Unglücke, die uns schon hier mitten im Leben den Tod sehr nahebringen, ja, schon hier ein Stück von uns sterben lassen.
Tod ist Lebensrealität. Doch Jesus verheißt uns in jedem Tod den Neuanfang – denken Sie nur an den verlorenen Sohn (Lk 15,11-32), der wieder Anteil am Leben erhält, ja als Sohn wieder ins Leben zurückkehrt. Jesus verheißt uns sogar dann eine neue Lebensrealität, wenn wir die alte verwirken.
Wo wir Leben befördern, Menschen also eine neue Lebensperspektive schenken können, sind wir als Kirche gefragt. Dieses Geschenk ist schließlich jedoch kein Geschenk der Kirche, es ist vielmehr das Geschenk des Gottes, der uns in diesem Leben Heil und schon heute Anteil an seinem Reich schenkt.

Wir erleben eine tiefe Krise der Kirche in der ganzen Welt. Wer verkündet uns also dieses Heil? Es sind die Menschen in unseren Gemeinden, deren Einsatz ich täglich erlebe: Sie schenken Leben. Ihr Engagement für Ältere, Sterbende, Kinder oder auch Flüchtlinge sind Beispiele für eine lebendige Kirche. Ich bin so dankbar für diese Menschen, auch sie sind Kirche und eine gute Kirche. Diese Kirche ist nötiger denn je.

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Tod ist die Nadelprobe! Der zweite Gedanke führt uns ans Ende unseres Lebens. Gedanklich können wir zwar soweit voranschreiten. Was wir jedoch wirklich empfinden, hoffen, ja glauben, wenn es dann soweit ist, können wir jetzt nicht wissen. Wir können also nur Üben. Ich meine damit, dass wir im Hier und Heute Auferstehung leben können und es dann auf die letzte Stunde ankommen lassen. Wenn wir uns bewusst machen, dass es Gott heute gut mit uns meint, dann dürfen wir auch darauf vertrauen, dass er uns nicht im Tod fallen lässt. Um diese Hoffnung sollten wir immer neu ringen, sie erringen, wie Jakob mit dem Engel kämpft und seinen Segen erhält (Gen 32,23-33). Ich erfahre immer wieder, wie sehr diese Hoffnung Leben schenkt bei allem Tod, den ich erlebe, bei allem Kummer, den ich erfahre. Ostern zeigt sich schon im Heute.

Ich wünsche Ihnen ein Fest der Auferstehung und auch meiner Kirche Auferstehung aus dem Dunkel dieser Zeit. Auferstehung ist zuerst Sterben, vieles muss sterben in der Kirche bevor neue Wege sich öffnen. Aber sie können sich öffnen, wenn wir nur darum ringen!

 

Ein gesegnetes Osterfest,
Ihr Ch. Hittmeyer, Pfr.

Pfarrbrief Ostern 2019

 

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