Präventionskonzept "Am Stommelerbusch"

 

 

Augen auf

3677  -  erinnern Sie sich an diese Zahl?

Als die Deutsche Bischofskonferenz im Herbst 2018 die Studie zur sexualisierten Gewalt durch Priester im Bereich der deutschen Kirche vorstellte, wurde sie genannt. Wenngleich die Dunkelziffer viel höher sein muss, konnten die Forscher 3677 Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Priester seit 1949 benennen. Diese Studie und die öffentliche Vorstellung sind kleine Schritte auf dem Weg der Aufarbeitung des Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch Priester in Deutschland. Der Weg ist noch nicht alt und die Studie erst der Anfang der Aufklärung.

In der Pflicht

Aufklären und Benennen sind wesentlich und unverzichtbar, hier ist unser Erzbischof Rainer Kardinal Woelki in einer besonderen Pflicht für unser Erzbistum Köln. Hier müssen Strukturen der Vertuschung ebenso wie falsche Loyalität gegenüber Kirche und ihrer Priester benannt werden. Dies sind Bausteine, um unsere Kinder und Jugendlichen auch in Zukunft besser schützen zu können.

Ein weiterer wesentlicher Baustein ist die Hoffnung, zukünftig den Missbrauch innerhalb kirchlicher Strukturen zu erschweren. Falls ein solches Verbrechen doch geschieht, muss es gesetzeskonform und ohne Vertuschung verfolgt werden.

Bewusstsein verändern

Diese Hoffnung braucht Öffentlichkeit, denn das Thema der sexualisierten Gewalt ist nicht nur eines von Kirche und Priestern, sondern ein gesellschaftlich relevantes. Hoffen allein reicht allerdings nicht. Deshalb hat schon Kardinal Meißner damit begonnen, ein Konzept zur Schulung aller Personen aufstellen zu lassen, die in den Gemeinden und darüber hinaus in kirchlicher Kinder- und Jugendpastoral engagiert sind. Es geht dabei nicht um einen Generalverdacht gegen jeden Priester und alle hauptamtlich und ehrenamtlich Tätigen, sondern darum, das Bewusstsein zu verändern. Ein Thema, welches auch öffentlich nicht genügend beachtet wurde, soll die gesamte Gesellschaft durchdringen, um so zu einem Klima der Achtsamkeit zu führen, damit Kinder und Jugendliche in Sicherheit und Geborgenheit aufwachsen und sich entwickeln können.

Risikoanalyse und Konsequenzen

Kardinal Woelki hat alle Gemeinden und Seelsorgebereiche aufgefordert, ein institutionelles Schutzkonzept zu erstellen. Darin sollen zunächst die verschiedenen Bereiche, in denen Kinder und Jugendliche  innerhalb kirchlicher Pastoral Kontakt zu Erwachsenen haben, genau betrachtet und auf mögliche Gefahrensituationen hin analysiert werden. Dann sollen klare Regeln und Maßnahmen festgelegt sowie Beschwerdewege genannt werden, um das Risiko sexualisierter Gewalt so weit wie irgend möglich zu reduzieren Ansprechpartner sind hier unabhängige Experten, die das Bistum benannt hat. Denn sollte ein solcher Fall eintreten, ist besonnenes und helfendes Handeln notwendig.

Klare Regeln für Haupt- und Ehrenamtliche

Auch wir haben für unseren Seelsorgebereich dank unserer Gemeindereferentin Marion Petry und vieler Ehrenamtlicher und Hauptamtlicher –beispielsweise in unserer Kindertagesstätte – ein Konzept erstellt. Es steht hier auf unserer Homepage zur Verfügung.
Ein Konzept allein schafft jedoch auch bei uns keine Sicherheit, weshalb wir viele Ehrenamtliche und Hauptamtliche in die Pflicht nehmen. Dazu gehören beispielsweise bei Firm- und Kommunionkatecheten Präventionsschulungen ebenso wie ein polizeiliches Führungszeugnis. Das ist aufwendig und kostet Zeit und Willen, aber dies ist ein vertretbarer Aufwand für das Ziel einer erhöhten Achtsamkeit bei uns hier Am Stommelerbusch.

2017 nennt die Polizeistatistik 13.500 gemeldete sexuelle Übergriffe in Deutschland, also täglich 36 Taten! Es ist nicht nur ein kirchliches Thema, sondern geht jeden Menschen an.
Wir können unseren Teil dazu beitragen, ein Klima zu schaffen, dass die Kinder und Jugendlichen mehr und mehr schützt. „Augen auf“ ist deshalb die Überschrift für die Prävention im Bistum!

Ihr

Christoph Hittmeyer, Pfarrer

Ansprechpartner

 

Pfarrverband Am Stommelerbusch: Das Pastoralteam

 

Erzistum Köln

  1. Hildegard Arz, Diplom-Psychologin, Tel.: 01520 1642-234
  2. Dr. rer. med. Emil G. Naumann, Diplom-Psychologe, Diplom-Pädagoge, Tel.: 01520 1642-394
  3. Hans-Jürgen Dohmen, Rechtsanwalt, Tel.: 01520 1642-126

weitere Informationen unter www.praevention-erzbistum-koeln.de