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Dr. h.c. Igor Fjodorowitsch Strawinsky
auch: Strawinski/Stravinsky/Stravinski

* 5. (17. Gregorianischen Kalender) Juni 1882 in Oranienbaum (seit 1948 Lomonossow) bei St. Petersburg
† 6. April 1971 in New York

Repertoire

  • Pater Noster für vierstimmigen Chor a cappella (2016 unter Georg Korte neu einstudiert)

 

Portrait

Russischer Komponist, Pianist, Dirigent, Schriftsteller.
Seit 1936 französischer, seit 1945 amerikanischer Staatsbürger

 

Igor Strawinsky entstammte einer musikalischen Familie: Sein Vater, Fjodor Ignatiewitsch (1843-1902), zählte zu den bedeutendsten Opernsängern des zaristischen Russlands. Neben einer humanistischen Schulbildung erhielt Strawinsky Klavier-, Harmonielehre- und Kompositionsstunden und zeigte bald eine auffallende Begabung zur Improvisation. Anschließend studierte er - wie sein Vater - ab 1899 zunächst Rechtswissenschaften in St. Petersburg mit Abschluss 1905, wandte sich dann aber doch unter der Anleitung von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow dem Kompositionsstudium zu, das er 1905-1908 mit Sorgfalt und Fleiß absolvierte. Seine frühen Werke (u. a. Syhmphonie op. 1) zeigen keine Eigenart, erst die ersten Orchesterwerke modernen Zuschnitts, das Scherzo fantastique und die Fantasie Feu d'artifice, zeigen den brillanten Instrumententator, der über das Vorbild seines Lehrers und seiner russischen Zeitgenossen hinauszugehen willens war.

 

Er wirkte zunächst überwiegend als weitgereister Pianist und Interpret eigener Werke. Von 1910 bis 1914 lebte und komponierte Strawinsky abwechselnd auf seinem Landgut Ustilug (Wolhynien) und in Clarens (Schweiz). Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 zog sich Strawinsky ganz in die Schweiz zurück, wo er bis 1920 lebte. Anschließend übersiedelte er nach Frankreich und stand in lebhaftem Kontakt mit führenden Pariser Künstlern (Claude Debussy, Maurice Ravel, Eric Satie, Pablo Picasso, André Gide und Jean Cocteau). 1936 wurde er französischer Staatsbürger. Bereits 1935/36 veröffentlichte er seine Erinnerungen ("Chroniques de ma vie“) und entfaltete eine rege Tätigkeit als Dirigent und Pianist. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hielt Strawinsky an der amerikanischen Harvard University seine viel zitierte Vorlesungsreihe Poétique musicale (1942 erschienen) und entging auf diese Weise der Besetzung Frankreichs. 1939 ließ er sich ganz in den USA nieder, sechs Jahre später wurde ihm die amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen. In der Zeit von 1951 bis 1967 konzertierte er als Dirigent zusammen mit Robert Craft in Europa und Amerika, 1962 auch in Moskau und Leningrad und spielte seine Werke auch auf Schallplatten ein.

 

Von großer Bedeutung wurde für Igor Strawinsky, nach einer stattlichen Reihe von Nebenwerken, die Komposition der lateinischen Messe mit Blasinstrumenten 1947, die an mittelalterliche Vorbilder (etwa Guillaume de Machaut) und eigene ältere Werke, insbesondere seine Oper Die Geschichte vom Soldaten (1918), anknüpft. Die Hinwendung zu den Kirchentonarten war eine Vorstufe zur Auseinandersetzung mit der Musik Arnold Schönbergs und Anton Weberns. Nach der triumphalen Uraufführung von The Rake´s Progress in Venedig 1951 wurden seine Kontakte zu Europa wieder enger, vor allem zu Venedig, für dessen Markusdom er seine geistlichen Hauptwerke Canticum sacrum (1955) und Threni (1958) schuf.

 

Strawinsky wurde vielfach geehrt, unter anderem erhielt er 1959 als erster Preisträger den Léonie-Sonning-Musikpreis sowie 1963 den Wihuri-Sibelius-Preis. Ebenfalls 1959 bedachte ihn seine US-amerikanische Exilheimat mit einem Stern auf Hollywoods Walk of Fame. Die Ehrendoktorwürde der Rutgers University in New Jersey erhielt er 1967. 1983 wurde auf dem Pariser Place Igor Strawinski neben dem Centre Pompidou der Strawinsky-Brunnen eingeweiht, dessen 16 Skulpturen verschiedene Werke des Komponisten repräsentieren

 

Igor Strawinsky starb am 6. April 1971 in New York. Auf seinen Wunsch fand die Totenmesse und Beisetzung in Venedig statt.

 

Werke

    • Pater noster Motette für gemischten Chor a cappella (1926)
    • Credo (1932)
    • Ave Maria für gemischten Chor (1934)
    • Mass für vierstimmigen Chor und doppeltes Bläserquintett (Uraufführung 1948 in der Mailänder Scala)
    • Canticum sacrum. Ad honorem Sancti Marci nominis für Tenor, Bariton, Chor und Orchester (1955)
    • Threni. Id est Lamentationes Heremiae Prophetae für Soli, Chor und großes Orchester (1957/58)
    • Requiem Canticles für Soli, Chor und Orchester (1966)

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 8, Verlag Herder Freiburg, 1992

Lexikon der klassischen Komponisten, Nikol Verlagsgesellschaft mbH Hamburg, 1996

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Strawinsky.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Igor Strawinsky

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 15.05.2016

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