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Giuseppe Domenico Scarlatti

* 26. Oktober 1685 in Neapel
† 23. Juli 1757 in Madrid

Repertoire

 

Portrait

Italienisch-spanischer Komponist und Cembalist
Seine Hauptbedeutung liegt in seinen Sonaten für Cembalo, die zu den originellsten ihres Genres in seinem Jahrhundert zählen.

 

Domenico Scarlatti Als sechstes Kind von zehn Kindern des Alessandro Scarlatti und der Antonia-Anzalone wurde Scarlatti von frühester Jugend an mit der musikalischen Welt vertraut gemacht. Nach einem - ungewissen - Studium beim Vater verschaffte ihm dessen Einfluss am 13. September 1701 die Stellung eines Hoforganisten und -compositeurs am Hofe des Vizekönigs von Neapel. Mit 20 Jahren lernte er in Venedig Francesco Gasparini und Antonio Vivaldi kennen. Von 1709 bis 1715 war er in den Diensten der Königin Maria Casimira in Rom als Dirigent und Opernkomponist tätig. Aus dieser Zeit, als es zu seinen Pflichten zählte „comedie decenti“ zu liefern, datieren Scarlattis erste Vokalwerke: eine Cantate und ein Oratorium. In dieser Zeit ergaben sich auch Kontakte mit Arcangelo Corelli, Georg Friedrich Händel und Thomas Roseingrave, der später für die Verbreitung seiner Werke in England sorgen sollte.

 

Nach Abreise der Königin wurde Scarlatti am 22. Dezember 1713 Maestro di Capella an der Capella Giulia im Vatikan. In dieser Position entstanden die ersten großen Kirchenwerke: das Stabat Mater, die beiden Miserere, die strengen Vesperkompositionen. Doch bereits 1714 trat Scarlatti zugleich in den Dienst des Marquis de Fontes, des portugiesischen Gesandten am Hl. Stuhl. Wohl aufgrund dieser Beziehungen (und Reibereien mit dem Vater) entschloss sich Scarlatti im August 1719, Italien zu verlassen und nach Portugal zu reisen, wo er Mestre de musica an der Patriarchalbasilika in Lissabon wurde. 1728 war er anlässlich seiner Heirat mit Maria Caterina Gentili zum letzten Male in Italien.

 

Neben seiner kirchlichen Tätigkeit war er von 1720 bis 1728 Hofkapellmeister des Königs von Portugal in Lissabon, wo er die Infantin Maria Barbara im Cembalospiel unterrichtete und ihr 1728 nach ihrer Heirat mit dem spanischen Thronfolger Fernando VI. nach Spanien folgte.

 

Am 21. April 1738 wurde Scarlatti durch den portugiesischen König Joao V. in den Adelsstand als Ritter des Santiago-Ordens (Caballero de la Orden de Santiago) erhoben.

 

Hochgeachtet, wenn auch vielfach beneidet, starb Scarlatti am 23. Juli 1757 in Madrid.

 

Im Unterschied zu seinen Zeitgenossen Jean-Philippe Rameau, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach hat sich Scarlattis musikalische Schöpferkraft nach seinem Weggang aus Italien fast ganz auf das Tasteninstrument konzentriert. Bekannt ist ein Wettstreit Scarlattis 1709 mit Händel, aus dem beide gleichermaßen als Sieger hervorgingen.
Ungefähr 550 Sonaten für Tasteninstrumente sind von Scarlatti bekannt; mit wenigen Ausnahmen sind sie einsätzig. Zählt Scarlatti v.a. wegen der als Schul- und Unterrichtsstücke für Maria Barbara entstandenen über 200 Cembalosonaten heute hauptsächlich unter die Meister der Klavierkomposition, so sei doch nicht vergessen, dass er einen großen Teil seines Lebens in kirchlichem Dienste stand, respektive auch zu anderer Zeit ein beachtliches Schaffen von kirchlichen Werken an den Tag legte. Diese zeichnen sich durchweg durch strengen Satz, klare Stimmführung und dem Zweck angemessene Würde aus. Besondere Eleganz verleiht ihnen die Tatsache, dass es Scarlatti gelang, das römische musikalische Erbe (Palestrinastil) in die Formen des Generalbasszeitalters zu kleiden, ohne dabei billigem Kopieren oder oberflächlicher Effekthascherei anheimzufallen. So weisen seine liturgischen Werke durchweg Besetzungen für mehrere Stimmen (Soli und Ripieno) mit Basso-Continuo-Begleitung auf. In den Cantaten und Oratorien zeigen sich hingegen das vom Vater erlernte dramatische Element und seine geschickte Instrumentierkunst, die auf sein reiches Opernschaffen schließen lässt, das ebenso wie seine sakralen Werke noch der angemessenen Neuentdeckung und Würdigung harrt.

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 7, Verlag Herder Freiburg, 1992

Lexikon der klassischen Komponisten, Nikol Verlagsgesellschaft mbH Hamburg, 1996

Martin Hoffmeister in: Der neue Musikführer - Oper, Operette, Musical, Ballett, Konzert. Die wichtigsten Komponisten und ihre Werke von A-Z, Siegmar Hohl (Hrsg.), Orbis Verlag, München, 1995

Josef Johannes Schmid: Domenico Scarlatti In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band VIII, BBKL Herzberg 1995, ISBN 978-3-88309-053-5, Spalten 1498-1500

 

Werke

  • Missa breve „La Stella“
  • Missa quatuor vocum, auch: Missa di Madrid für vierstimmig gemischten Chor a cappella
  • Magnificat
  • Miserere mei, Deus (Psalm 50)
  • Stabat mater für 4 Sopran, 2 Alt, 2 Tenor, 2 Bass, Orgel (Violoncello, Kontrabass)

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Scarlatti.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Domenico Scarlatti

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 04.10.2017


 
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