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Ignaz Reimann

* 27. Dezember 1820 in Albendorf (poln. Wambierzyce), Kreis Glatz, Schlesien
† 17. Juni 1885 in Rengersdorf (poln. Krosnowice), Schlesien

 

Portrait

Chorregent, Schuldirektor, Kirchenkomponist

 

Ignaz ReimannIgnaz Reimann stammte aus bescheidenen Verhältnissen; sein Vater war Gastwirt und Musiker im schlesischen Marienwallfahrtsort Albendorf. Von ihm erhielt er den ersten Musikunterricht. Der Schullehrer und Kantor Florian Nentwig (1774-1841) wurde auf das musikalische Talent aufmerksam und bildete ihn im Orgelspiel aus. Im Alter von 10 Jahren beherrschte er das Orgelspiel und vertrat seinen Lehrer an der Orgel der heimatlichen Wallfahrtskirche in Albendorf und mit 12 Jahren soll er alle Instrumente des Kirchenorchesters beherrscht haben.

 

Durch Nentwig vorbereitet, trat er eine Stelle als stellvertretenden Lehrer in Oltaschin, einem Dorf bei Breslau, an. Fünf Monate später trat er in das katholische Schullehrerseminar in Breslau ein, das er von 1838 bis 1841 besuchte. Dort kam er mit der von Joseph Ignaz Schnabel gegründeten Breslauer Schule in Berührung. Der Seminar-Musikdirektor und Domkapellmeister Karl Schnabel (1809-1881), ein Neffe Joseph Ignaz Schnabels, erkannte Reimanns großes Talent und machte ihn zum Oberregens am Seminar.

 

1842 kam er als Lehrergehilfe nach Niederhannsdorf bei Glatz zu dem hochmusikalischen Kantor und Schulmeister Klesse. Im Jahr 1843 holte ihn der Schulmeister und Kantor Joseph Seidelmann an seine Schule in Rengersdorf in der Grafschaft Glatz. Nach Seidelmanns Tod im Jahr 1852 übernahm Reimann dessen Doppelamt als Schulleiter und Kantor. Für Reimann begann eine überaus fruchtbare musikalische Schaffenszeit. Er schrieb eingängige, volkstümlich-innig geprägte Kompositionen für die im wesentlichen von Laien gepflegte Kirchenmusik in Schlesien und in den benachbarten Ländern. Zu dieser Zeit wurde Rengersdorf zum Schulungsort für angehende Kantoren, Organisten und Pädagogen.

 

Nach der Genesung von einem Nervenfieber, das ihn ein Vierteljahr ans Bett fesselte, war Reimann schwerhörig geworden. Im Jahre 1884 erlitt Reimann einen Schlaganfall, aufgrunddessen er nach 45 Jahren um seine Versetzung in den Ruhestand ersuchte. Diesem Ansinnen wurde zum 1. Juli 1885 entsprochen. 14 Tage vor diesem Termin veranstaltete die Gemeinde Rengersdorf ihm zu Ehren eine Abschiedsfeier, zu der sich viele ehemalige Schüler, Kollegen und Freunde versammelten. Seinen Plan, den Ruhestand in Muße zu verbringen, durchkreuzte schon 3 Tage später ein zweiter, tödlicher Schlaganfall. Er verstarb am 17. Juni 1885 und wurde in Rengersdorf bestattet. Seine Grabplatte ist im Kreuzgang der Rengersdorfer Pfarrkirche erhalten geblieben.

 

Ignaz Reimann verkörpert in idealer Weise den Typus des im volkstümlichen Stil komponierenden Lehrer-Kantors in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Reimann schrieb vornehmlich vokale Kirchenmusik in Form von einfachsten liturgischen Gebrauchsstücken bis hin zu groß besetzten Orchestermessen. Von seinen zahlreichen, größtenteils ungedruckten Messen gehörten die Pastoralmessen in seiner schlesischen Heimat zu den meist gesungenen. Sie erfreuen sich seit Jahren - nun im gesamten deutschsprachigen Raum - großer Beliebtheit.

 

Reimanns bekannteste Messe ist die Pastoralmesse in C-Dur, auch Christkindlmesse genannt. Zusammen mit dem Lied „Stille Nacht“ von Robert Führer und dem „Transeamus“ von Joseph Schnabel wurde sie in Wünschelburg, Grafschaft Glatz, am Heiligen Abend gesungen. Von Wünschelburg ausgehend entstand unter dem Begriff „Wünschelburger Christnacht“ eine musikalische Tradition, die in vielen Teilen Schlesiens gepflegt wurde.

 

Werke

Ignaz Reimann hinterließ ein umfangreiches Œuvre von ca. 800 Kompositionen, u. a. 125 Messen, 19 Requiems, 6 Te Deum, 117 Offertorien, 122 Graduale, 37 Litaneien, 34 Salve Regina, 33 Alma Redemptoris Mater, 14 Ave Regina, 10 Regina Coeli, 10 Asperges, 6 Vidiaquam, 5 Miserere, 88 Begräbnislieder, 7 Kantaten, 2 Sätze Fronleichnamsstationen und 6 Vespern;  Ouvertüren, Märsche, Symphonien, Oratorien, Tänze, Tonstücke für Männerstimmen und für gemischte Chöre, Lieder, Solopiecen.

Außerdem verfasste Reimann eine praktische Harmonielehre und eine Gesangschule, die aber nur im Manuskript vorhanden sind. Von den angeführten Tonstücken sind bis zum Tode des Komponisten nur 160 Nummern gedruckt worden. Das Verzeichnis seiner Werke weist rund 800 Nummern nach. Hinzu kommen noch die zahlreichen Gelegenheitskonipositionen, die er jederzeit auf Wunsch anfertigte. Viele seiner Werke sind jedoch verschollen, da er sie freigiebig verlieh und oftmals nie zurück erhielt. Sicherlich sind noch einige in seiner Heimat vorzufinden, wo sie in Kirchenarchiven schlummern. Das von Richard Scherer-Hall begonnene Ignaz Reimann-Verzeichnis (IRV) umfasst mittlerweile ca. 200 Werknummern.

 

  • Festmesse in D (IRV 26) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Festmesse in C (IRV 50) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Kurze Festmesse in F op. 115 (IRV 90) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Kurze Festmesse in F (IRV 7) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Kurze Festmesse in B (IRV 8) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Kurze Festmesse in F und C (IRV 36) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Kurze Festmesse in Es op. 150 (IRV 67) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Kurze Festmesse in Es op. 170 (IRV 17) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Missa in Es (IRV 16) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Papst Leo-Messe in E-Dur (IRV 94) für Chor SATB, großes Orchester und Orgel
  • Pastoralmesse in F, Messe für die Hl. Christnacht (IRV 1) für Chor SATB (Soli SATB ad lib.), Orchester und Orgel
  • Pastoralmesse in C, Christkindlmesse op. 110 (IRV 2) für Soli, Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Gradual und Offertorium op. 76 (IRV 6) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Requiem Nr. 1 und 2 (IRV 19) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Requiem Nr. 16 in Es (IRV 18) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Requiem Nr. 19 (IRV 40) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Regina Coeli C-Dur (IRV 41) für Chor SATB, Orchester und Orgel
  • Salve Regina in Nr. 1-4 (IRV 46) für Chor SATB und Orgel
  • Te Deum in D (IRV 54) für Chor SATB, Orchester und Orgel

 

Quellen und weiterführende Links:

Norbert Bartonitschek: Ignaz Reimann In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XXX, BBKL Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6, Spalten 1127-1129

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Reimann.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Ignaz Reimann

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 03.10.2017


 
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