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Dr. h.c. Arvo Pärt

* 11. September 1935 in Paide, Estland

 

Portrait

Estnischer Komponist

 

Arvo Pärt, Foto: dpaIm Alter von sieben Jahren begann Arvo Pärts musikalische Erziehung, mit 14 Jahren schrieb er erste Kompositionen. 1954 begann er ein Musikstudium, arbeitete von 1958 bis 1967 als Tonmeister beim Estnischen Rundfunk, wo er Filmmusiken schrieb und studierte am Konservatorium Tallinn von 1958 bis 1963 Komposition bei Veljo Tormis und Heino Eller. Von 1967 bis 1980 lebte er als freischaffender Komponist in Tallinn.

 

War sein Frühwerk noch deutlich von der russischen Tradition eines Prokofjew oder Schostakowitsch beeinflusst, konzentrierte er sich Mitte der Sechziger auf serielle Gestaltungsformen, die in Materialcollagen wie die Sinfonie Nr. 2 (1966) ihren Ausdruck fanden.

 

Seine ersten Werke komponierte Pärt in der Zwölftontechnik, z. B. Nekrolog (1961) für Orchester. Seine Werke stießen in der früheren Sowjetunion auf starke Kritik, die in einem Verbot seiner religiösen Kompositionen gipfelten. Pärt suchte nach einem neuen künstlerischen Ausdrucksweg und fand ihn ab 1962 als Student am Moskauer Konservatorium in der sogenannten Collage-Technik, in der er - wie in seinem Werk Credo (1968, für Chor, Orchester und Soloklavier) - Klangmaterial aus den Werken anderer Komponisten entlehnt, vor allem von Johann Sebastian Bach. Die Collage-Technik erwies sich jedoch für Pärt als Sackgasse: Er hatte das Gefühl, „es mache keinen Sinn mehr, Musik zu schreiben, wenn man fast nur mehr zitiert“.

 

In einer langen schöpferischen Pause (1968-76) entdeckte er die Musik des Mittelalters für sich, beschäftigte sich unter anderem mit Komponisten wie Guillaume de Machault und Josquin Desprez und konvertierte Anfang der siebziger Jahre, ursprünglich Lutheraner, zur russisch-orthodoxen Kirche. Nach einer Orientierungsphase, die ihn wie in der Sinfonie Nr. 3 (1971) zur europäischen Polyphonie führte, entstanden schließlich eigenständige und weithin bedeutende Werke wie Tabula Rasa (1977) oder Fratres (1977-1985), in denen er seinen so genannten Tintinnabuli-Stil skizzierte, der, abgeleitet vom lateinischen Wort für „Glöckchen“ (tintinnabulum), nach wechselnden, aber in sich festen Formen Skalen- und Dreiklangsmuster kombiniert. Seine jüngeren, im Tintinnabuli-Stil komponierten Werke zeichnen sich durch Kargheit, Stille, Ruhe, Religiösität, Dissonanzenarmut und Harmonie aus; der krasse Gegensatz zu seinen kompositorischen Anfängen. Dieser Weg ist geprägt von der religiösen Haltung und künstlerischen Demut Arvo Pärts.

 

Arvo Pärt emigrierte 1980 auf Druck der sowjetischen Regierung mit seiner Familie ins Ausland, ging zunächst nach Wien, wo er die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, und ein Jahr später nach Berlin-Lankwitz, wo er heute noch lebt. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Unabhängigkeit Estlands verbringt er Teile des Jahres in seinem Landhaus in Estland.

 

Arvo Pärt gehört zu den wichtigsten und gleichzeitig populärsten Schöpfern spiritueller, geistlicher Musik der Gegenwart. Zu den zahlreichen Preisen, die dem Komponisten überreicht wurden, zählen unter anderem der Preis der Europäischen Kirchenmusik (2005), der Internationale Brückepreis (2007) und der Leonie-Sonning-Preis (2007). Pärt ist unter anderem Ehrendoktor der Katholischen Theologischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Mitglied der American Academy of Arts and Letters. Am 10. Dezember 2011 wurde Pärt zum Mitglied des Päpstlichen Rates für die Kultur ernannt. 2013 wurde er mit der Orlando di Lasso-Medaille1 des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes für Deutschland (ACV) und 2014 mit dem Praemium Imperiale des japanischen Kaiserhauses ausgezeichnet.

 

Werke

  • De Profundis (1980/2008) für Männerchor, Schlagzeug ad lib. und Orgel/für Männerchor und Kammerorchester
  • Passio Domini nostri Jesu Christi secundum Joannem (1982) für Soli, gemischten Chor, Instrumentalquartett und Orgel
  • Stabat Mater (1985/2008) für Sopran, Countertenor, Tenor, Violine, Viola und Violoncello/für dreistimmigen Chor und Streichorchester
  • Sieben Magnificat-Antiphonen (1988/1991) für gemischten Chor a cappella
  • Miserere (1989/1992) für Soli, gemischten Chor, Ensemble und Orgel
  • Memento (1990)
  • Ode VII (Memento) (1994-97) für vierstimmigen Chor a cappella
  • Berliner Messe (1990-1992, revidiert 1997) für vierstimmigen Chor oder Solisten und Orgel
  • Gebet nach dem Kanon für gemischten Chor a cappella (1997)
  • Nunc Dimittis (2001) für vierstimmigen Chor a cappella
  • In Principio (2003) für gemischten Chor und Orchester
  • Anthem of St John the Baptist (2004) für vierstimmigen Chor und Orgel
  • La Sindone (2005)
  • Sinfonie Nr. 4 Los Angeles  (2008) für Streichorchester, Harfe, Pauken und Schlagzeug, gewidmet Michael Chodorkowski

 

Quellen und weiterführende Links:

Martin Hoffmeister in: Siegmar Hohl (Hrsg.): Musikführer. Oper, Operette, Musical, Ballett, Konzert, Orbis Verlag München, 1995

 

1 Die Orlando di Lasso-Medaille ist die höchste Auszeichnung des Dachverbandes der katholischen Kirchenmusik in Deutschland und wird nur in besonderen Fällen und aufgrund herausragender kirchenmusikalischer Verdienste auf musikforschendem, kompositorischem, musikkulturellem wie musikerzieherischem Gebiet verliehen.

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Paert.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Arvo Pärt

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 03.02.2015


 
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