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Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy

* 3. Februar 1809 in Hamburg
† 4. November 1847 in Leipzig

 

Repertoire

Portrait

Felix Mendelssohn-BartholdyFelix Mendelssohn wurde am 3. Februar 1809 in Hamburg als Sohn des Bankiers Abraham Mendelssohn und dessen Frau Lea geboren. Er entstammte der angesehenen und wohlhabenden bürgerlichen jüdischen Familie Mendelssohn. Alle vier Kinder Abraham Mendelssohns wurden christlich erzogen und am 21. März 1816 von Johann Jakob Stegemann, dem Pfarrer der Reformierten Gemeinde der Berliner Jerusalems- und Neuen Kirche, in einer Haustaufe protestantisch getauft, kurz nachdem die 1812 verkündete Gleichstellung der Juden in Preußen widerrufen wurde. Sein Vater fügte seinem Familiennamen den nichtjüdischen Namen Bartholdy hinzu, der in keinem Zusammenhang mit der Familie steht; Leas Bruder Jakob Salomon, preußischer Gesandter in Rom, hatte bei seiner Taufe den Namen Bartholdy angenommen. Er hoffte, dass seine Kinder den Namen Mendelssohn mit der Zeit weglassen werden, und unterschrieb selbst am liebsten mit Abraham M. Bartholdy. Felix verwendete keinen seiner beiden Taufnamen Jakob und Ludwig, unterschrieb vorzugsweise mit Felix Mendelssohn B. und bekannte sich zu seinem Großvater, den er nie kennen gelernt hatte. Felix‘ Eltern konvertierten schließlich 1822 vom jüdischen zum evangelischen Glauben.

 

Früh erhielt Felix zusammen mit seiner vier Jahre älteren Schwester Fanny, zu der er lebenslang ein besonders enges Verhältnis hatte, Klavierunterricht von der Mutter Lea. 1819 wurden die Geschwister im Fach Komposition von Carl Friedrich Zelter unterrichtet, dem Leiter der Berliner Singakademie. Dessen Unterricht basierte - für seine Zeit völlig unüblich - ganz auf den barocken Werken Bachs und Händels. Sie lernten Klavier bei Ludwig Berger und Violine bei Carl Wilhelm Henning. Bereits 1821 durfte der 12-jährige Mendelssohn Zelters engem Freund Johann Wolfgang von Goethe vorspielen. Der Schwester Fanny, die sich nichts sehnlicher als dieses Vorspiel wünschte, blieb es als Mädchen verwehrt - ab hier verschiebt sich die musikalische und berufliche Perspektive der beiden grundlegend.

 

Goethe, selbst ein Bewunderer der Musik Johann Sebastian Bachs, die zu dieser Zeit noch als „Geheimtipp“ gilt, war von Mendelssohns Begabung geradezu hingerissen und es entwickelte sich trotz des enormen Altersunterschiedes eine ernst zu nehmende, intensive Freundschaft zwischen dem Dichterfürsten und dem Wunderkind. Später vertonte Mendelssohn zahlreiche Texte Goethes. Ausdruck des geistigen Austauschs war aber auch Mendelssohns Einsatz für die Musikausbildung und sein gesellschaftlicher, humanistischer Anspruch an die Musik, die den Menschen Bildung, Erbauung und geistige Anregung geben sollte. Während Zelter durch Goethes Unterstützung der erste deutsche Musikprofessor überhaupt wurde (an der Berliner Universität), gründete Mendelssohn 1843 in Leipzig das erste deutsche Konservatorium zur professionellen Musikausbildung.

 

Mendelssohns erste Großtat war die Wiederaufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach am 11. März 1829 in der Berliner Singakademie nach hundertjähriger, praktisch völliger Vergessenheit dieser wohl bedeutendsten Komposition des Barock. Neben seinem Wirken als Dirigent hatte er zu dieser Zeit bereits ein umfangreiches Œuvre komponiert. 1833 erfolgte seine Berufung als Städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf, 1835 ging er als Leiter der Gewandhauskonzerte nach Leipzig. Hier entwickelte er das Gewandhausorchester zum Prototypen eines modernen Sinfonieorchesters: Er hob durch seine gründliche Probenarbeit das Niveau, prägte wie neben ihm nur Franz Liszt in Weimar das bis heute gültige „Grundrepertoire“ und brachte zahlreiche bis dahin völlig unbekannte Meisterwerke zur Uraufführung (u. a. Schuberts große C-Dur-Symphonie oder Schumanns 2. Symphonie), setzte Beethoven und Mozart auf das Programm, begründete mit seinen „historischen Konzerten“ den bewussten Umgang mit den Schätzen der Vergangenheit, gab aber auch seinen Zeitgenossen Raum, ihre Werke zu präsentieren, selbst wenn er von deren Qualität nicht überzeugt war (z. B. Hector Berlioz). Schließlich führte er für seine Musiker sogar ein Sozialversicherungssystem ein und spielte Konzerte, um von deren Erlös in Leipzig ein Bach-Denkmal erbauen zu lassen.

 

Während eines Aufenthaltes als Gastdirigent lernte Mendelssohn 1836 in Frankfurt die Pfarrerstochter Cécile Jeanrenaud kennen, die er 1837 in Frankfurt am Main heiratete. Damit war die enge Bindung zu Frankfurt und zum Taunus besiegelt: Mendelssohn kam zwischen seinen Amtspflichten in Berlin und Leipzig und seinen ausgedehnten Konzertreisen als Starpianist und -dirigent immer wieder hierher, um zu kuren und in Ruhe zu komponieren. So entstanden hier bedeutende Werke: u. a. das Violinkonzert e-moll, die sechs Orgelsonaten und Teile des Oratoriums Elias. Völlig unerwartet starb seine Schwester Fanny am 14. Mai 1847 an den Folgen eines Hirnschlags. Bei der Nachricht soll Mendelssohn mit einem Schrei zusammengebrochen sein. Am 4. November des gleichen Jahres starb auch Felix Mendelssohn auf der Höhe seines internationalen Ruhmes an derselben Krankheit mit nur 38 Jahren.

 

Quellen und weiterführende Links:

Marc Honegger/Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik, Band 5, Verlag Herder Freiburg, 1992

Siegmar Hohl (Hrsg.): Musikführer. Oper, Operette, Musical, Ballett, Konzert, Orbis Verlag München, 1995

 

Werke

Von den bedeutenden Werken seien aus den 5 Sinfonien die

  • Sinfonie Nr. 2 B-Dur (Sinfoniekantate „Lobgesang“) op. 52, MWV A 18 (1840),

von den Ouvertüren

  • Ein Sommernachtstraum op. 61, MWV M 13 (1843)

die Oratorien

  • Elias op. 70, MWV A 25 (1846),
  • Christus (Erde, Hölle und Himmel) op. 97, MWV A 26 (1847, Fragment)
    (Mendelssohn skizzierte hier kurz vor seinem Tod 1847 einen Christus, dessen Darstellung sich über sein irdisches Leben hinaus bis zur Höllenfahrt und zum Aufstieg in den Himmel erstreckt. Im ersten Teil beschreibt Mendelssohn die Geburt Christi. Den zweiten (Leiden Christi) und dritten Teil (Auferstehung Christi) konnte Mendelssohn nicht mehr vollenden.),

von der geistlichen A-cappella Musik „im alten Stil“:

  • Te Deum für achtstimmigen Chor und Basso continuo (1826),
  • Drei Psalmen op. 78,
  • Sechs Sprüche für Doppelchor op. 79,

von den instrumental begleiteten geistlichen Werken:

  • Drei geistliche Lieder op. 96,
  • Gloria, MWV A 1,
  • Herr Gott, dich loben wir (1843),
  • Hymne „Hör' mein Bitten, Herr“ (1844),
  • Kantate Lauda Sion op. 73, MWV A 24 (1846),
  • Kyrie in d, MWV A 3 (1825),
  • Tu es Petrus op. 111, MWV A 4, und die

genannt.

 

Die fünf Psalmen

 

Psalmtexte inspirierten Mendelssohn während seines gesamten Schaffens. Er hinterließ neben A-cappella-Sätzen fünf große Orchesterpsalmen. Eines der eindrucksvollsten Werke ist sicher der monumentale 114. Psalm, durchgängig für achtstimmigen Chor ohne Solopartien gehalten. Eines der schönsten Werke ist zweifellos die Psalmkantate

  • Der 95. Psalm op. 46 „Kommt, laßt uns anbeten“ (1838)
  • Der 98. Psalm op. 91 „Singet dem Herrn ein neues Lied“ (1843)
  • Der 114. Psalm op. 51 „Da Israel aus Ägypten zog“ (1839) für achtstimmigen Chor
  • Der 115. Psalm op. 31 „Non nobis Domine · Nicht unserm Namen, Herr“ (1830)

 

Der 43. Psalm „Richte mich, Gott“, op. 78 Nr. 2


Die drei 1843/44 für den Berliner Domchor entstandenen doppelchörigen ausdrucksvollen Psalmmotetten op. 78 beinhalten als Nr. 1 Warum toben die Heiden, Nr. 2 Richte mich, Gott (Psalm 43) und Nr. 3 Mein Gott, warum hast du mich verlassen (Psalm 22).

 

Der Text beruht auf dem Psalm 43, Verse 1-5.

 

Die Aufführungsdauer beträgt ca. 4 Minuten. 

 

 

 

Lauda Sion op. 73


In der offiziellen römischen Messliturgie gibt es seit dem Konzil von Trient (1545-1563) fünf Sequenzen:

  • Victimae Paschali Laudes: zu Ostern
  • Veni Sancte Spiritus: zu Pfingsten
  • Lauda Sion Salvatorem: an Fronleichnam
  • Dies irae: Totensequenz im Requiem (wird in der Liturgie nach dem neuen Messbuch nicht mehr verwendet, ist jedoch beim großen Requiem zu Allerseelen zugelassen)
  • Stabat Mater: am Gedenktag der Schmerzen Mariens (15. September), wurde 1727 wieder zur Messfeier zugelassen

 

Die Sequenz Lauda Sion wird in der Fronleichnamsmesse vor dem Evangelium gesungen und wurde vor Mendelssohn (1845/46) auch von Orlando di Lasso und Giovanni Pierluigi da Palestrina vertont. Der Text, 1263/64 von Thomas von Aquin verfasst, stellt die auf dem Vierten Laterankonzil von 1215 festgeschriebene katholische Eucharistielehre in fasslicher und merkbarer Form dar.

 

Zwei deutsche Übersetzungen enthält das SCHOTT-Messbuch ►.
Im deutschsprachigen Gemeindegesang ist die Sequenz in einer Übersetzung von Franz Xaver Riedel (1773) und in der Melodie von Michael Haydn, Salzburg (1781) als Lied „Deinem Heiland, deinem Lehrer“ im Gotteslob (GL) in den örtlichen Diözesananhängen abgedruckt: 

  • GL 850 im Eigenteil des Bistums Münster mit 12 Strophen
  • GL 844 im Diözesananhang für das Erzbistum Köln mit 7 Strophen und geänderter Melodie
  • GL 866 im Limburger Diözesanteil mit 4 Strophen

 

Quellen und weiterführende Links:

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Ausgabe Bistum Münster.
2013, Verlag Aschendorff Verlag GmbH & Co KG, Münster

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Ausgabe für das Erzbistum Köln.
2013, Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart

Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Limburg.
2013, Verlag Butzon & Bercker

 

 

 

 

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes auf folgende URL:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/stifts-chor-bonn/service/komponisten/Mendelssohn.html

Stifts-Chor Bonn | Service | Komponistenverzeichnis | Komponistenportrait Felix Mendelssohn Bartholdy

Autor: Judith Roßbach

Letzte Änderung am 22.01.2017

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